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Nach Vogelgrippe: Spenden retten Landwirtschaftsbetrieb

Familie Müller hält zusammen.
Familie Müller hält zusammen. © Foto: MZV
Marco Winkler / 12.08.2017, 07:45 Uhr - Aktualisiert 12.08.2017, 07:46
Schwante (OGA) Anfang Dezember 2016 wurde auf dem Hof von Familie Müller in Schwante eine milde Variante der Vogelgrippe festgestellt. 500 Tiere wurden notgeschlachtet. Die Familie stand unter Schock, ihr landwirtschaftlicher Betrieb kurz vor dem Ruin. Heute geht es Müllers gut - dank zahlreicher Unterstützer und Helfer.

Es wird wieder ausgelassen gegackert. Das Geschnatter ihrer Tiere bringt Familie Müller die lang ersehnte Normalität zurück. Was anderen Menschen und vor allem Landwirten, die Geflügel züchten, keine Silbe wert ist, darüber könnten Hannelore Müller und ihr Mann Karl-Heinz einen Roman schreiben. So groß ist die Erleichterung, dass ihr Hof wieder belebt ist. Denn nur zu gut erinnern sie sich noch an die Totenstille, die im Kuckswinkel in Schwante ab Dezember vorigen Jahres herrschte. "Noch heute bekommen ich Gänsehaut, wenn ich daran denke", so Hannelore Müller.

40 Jahre Zucht, 500 Tiere. Alles mit einem Schlag dahin. Die vom Landkreis angeordnete Notkeulung der Tiere wird die Familie nicht vergessen können. Karl-Heinz Müller denkt oft daran, dass er selbst der Auslöser war. Nachdem der Landkreis Mitte November die Stallpflicht in ganz Oberhavel ausgerufen hatte, beantragte er die Befreiung einzelner Enten von der Aufstallungspflicht. Für die Genehmigung brauchte es eine virologische Untersuchung.

Da wurde der milde Vogelvirus-Erreger H5N1 festgestellt. Dann ging alles ganz schnell: Sperrkreis, Polizei, Feuerwehr, Veterinäramt waren vor Ort. Keulen kam zum Einsatz. Viel Blut. Noch Tage später ist der Boden rot. "Bilder, die wir nicht vergessen werden", so Hannelore Müller. Doch mit der größten Not kam auch überraschende Hilfe. Die Gemeinde richtete ein Spendenkonto ein. "Insgesamt sind Stand heute 5 716 Euro auf dem Spendenkonto zur "Existenzsicherung des Vogelgrippeopfers' eingegangen", so Martina Wellnitz aus der Verwaltung. Das Geld rettete den vor dem Ruin stehenden Futtermittelhandel der Familie. "Es geht uns gut", sagt Hannelore Müller heute. Auch dank treuer Kunden, vieler Helfer und Unterstützer. Erst hatte sie Angst, dass die Familie nun ausgelacht oder gemieden werde. Doch das Gegenteil war der Fall. "Wir können uns nicht oft genug bei allen bedanken, die uns geholfen haben", sagt ihr Mann Karl-Heinz Müller. "Nur so konnten wir den Wahnsinn verarbeiten", so der 67-Jährige. Dennoch versteht er das drastische Handeln des Landkreises bis heute nicht. "Es wäre auch anders gegangen. Man hätte die kranken Tiere unter Quarantäne stellen können." Auch in anderen Fällen im Land hätte das geklappt. "Da mussten nicht alle Tiere getötet werden."

Die Stille auf dem Hof war unerträglich für ihn. "Ein Teil seines Lebens war plötzlich weg", so seine Frau. Der starke Zusammenhalt gab der Familie und vor allem Karl-Heinz Müller viel Kraft. Sohn Ronny organisierte im Februar sogar eine Überraschung, während seine Eltern im Urlaub waren. Er richtete den Hof her. Neue Ställe, Gehege mit Netzen überspannt, Volieren, Tiere. Ein Neustart. Als seine Eltern aus dem Urlaub kamen, flossen Tränen der Rührung.

Heute erfreut sich Karl-Heinz Müller wieder an Hawaii-, Schnee- und Kaisergänsen, an Zwerg-, Zimt- und Mandarinenten. Der Hof wirkt wie ein Postkartenidyll. Erste Kita-Kinder haben ihn schon besichtigt. Legehennen gibt es ebenfalls. "Aber nur noch für den eigenen Bedarf, wir verkaufen auch keine Enten mehr", so Hannelore Müller. Viele Kunden würden das bedauern, so die 62-Jährige. "Unsere Zucht wird nie mehr so groß wie früher." Auch aus der Angst, trotz bester Vorkehrungen, psychisch noch einmal das durchzustehen, was die Familie im Dezember als "Massaker" bezeichnete.

Müllers sind dankbar. Als einer der ersten kam im Dezember 2016 Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz zur Familie - mit einem Kuvert samt Finanzspritze. Als vor zwei Wochen das von ihm einst initiierte freikirchliche Sommerlager in Vehlefanz ins Wasser zu fallen drohte, waren Müllers zur Stelle, haben sofort geholfen. "Wir wollen etwas zurückgeben", so Hannelore Müller. "Wenigstens ein bisschen."

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Landwirtschaftsbetrieb Karl - Dietmar Plentz Vogelgrippe Hannelore Müller Spende

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