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Warum so viele "Jein" sagen

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Florian Schroeder erklärt im voll besetzten Kleist Forum, warum es überhaupt nicht wichtig ist, alle Optionen zu kennen, bevor man sich entscheidet.
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Florian Schroeder erklärt im voll besetzten Kleist Forum, warum es überhaupt nicht wichtig ist, alle Optionen zu kennen, bevor man sich entscheidet. © Foto: René Matschkowiak
Tatjana Littig / 07.09.2016, 22:22 Uhr - Aktualisiert 10.10.2016, 13:32
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vor rund 500 Besuchern fand am Mittwochabend die sechste Auflage der MOZ-Veranstaltungsreihe "Vorsprung durch Wissen" statt. In 90 kurzweiligen Minuten widmete sich Kabarettist und Autor Florian Schroeder der grassierenden Entscheidungsunfreude in der Gesellschaft.

"Wir sagen nicht mehr Ja oder Nein - wir sagen Jein. Kurz: Wir sind offen für alles und nicht ganz dicht", meint Kabarettist und Autor Florian Schroeder. Ob Bus oder Bahn, in die Berge oder doch ans Meer, ob Kind oder Karriere - immer wieder müssen wir uns entscheiden. Täglich an die 100 000 Male, erklärt er auf der Bühne im ausverkauften Kleist Forum. "Die meisten Entscheidungen nehmen wir nicht wahr, sie sind automatisiert", schiebt er im nächsten Satz beruhigend hinterher. Fakt sei: Das Entscheiden ist heute schwieriger als früher, "weil die Welt zunehmend komplizierter wird."

Und nun? Wie eine Entscheidung treffen, bei all den Optionen? "Nur wer alle Optionen kennt, kann optimale Entscheidungen treffen", beschreibt er das Mantra unserer Zeit - in seinen Augen ein Trugschluss. Ein Ausweg: sich auf seine Intuition zu verlassen. Das machen beispielsweise Rettungssanitäter so, erklärt er. Würden sie am Unfallort zunächst einen Stuhlkreis bilden und alle Optionen durchgehen, wären alle tot noch ehe eine Entscheidung getroffen wäre.

Das Publikum lacht. Es ist die sechste Veranstaltung der MOZ-Reihe "Vorsprung durch Wissen" in Kooperation mit der Sparkasse Oder-Spree. "Alle Möglichkeiten, aber keine Wahl? Entscheiden in der Multioptionsgesellschaft" ist der Abend überschrieben. Florian Schroeder hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das anderen zu vermitteln: Wie man Entscheidungen treffen kann - und warum es gar nicht die "optimale Entscheidung" sein muss. "Warum soll ich die optimale Entscheidung treffen, wenn ich froh bin, überhaupt eine zu treffen", witzelt er.

1979 in Lörrach geboren, parodierte Florian Schroeder schon als Schüler. Mit 14 Jahren folgt sein erster Fernsehauftritt bei Harald Schmidt. Von 2000 bis 2007 studierte er Germanistik und Philosophie in Freiburg - das merkt man seiner Arbeit an. Er ist weit entfernt von platter Comedy. Stattdessen unterhält er das Publikum in 90 kurzweiligen Minuten mit hintergründigem Humor und philosophischer Substanz.

Im Kleist Forum dabei: Ronny Mausolf. Erst vor kurzem hat die Frankfurterin eine spontane Entscheidung getroffen und Ja gesagt zu einer Radtour. "Es war eine sehr gute Entscheidung", sagt sie rückblickend. Eine weitere steht aus: Eine Katze zulegen, oder nicht ...

Am 5. Oktober um 19.30 Uhr spricht Autor Peter Brandl im Kleist Forum über "Crash-Kommunikation". Informationen und Karten unter www.sprecherhaus.de; Telefon: 02561 69565170

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