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Truppe verteidigt Kasernennamen

Umstritten: Seit 1993 trägt der Storkower Bundeswehr-Standort den Titel "Kurmark-Kaserne.
Umstritten: Seit 1993 trägt der Storkower Bundeswehr-Standort den Titel "Kurmark-Kaserne. © Foto: MOZ
Jörg Kühl / 16.06.2017, 20:11 Uhr
Storkow (MOZ) In Storkow setzt sich ein Initiativbündnis für die Umbenennung der Kurmark-Kaserne ein. Der Name sei ein "Markenzeichen der faschistischen Ideologie". Die Bundeswehr verteidigt den Titel. Er verweise auf das historische Mitbestimmungs- und Wahlrecht der Kurfürsten zur Ernennung des Kaisers.

In Storkow ist eine Diskussion über die Benennung der Kurmark-Kaserne entbrannt. Urheber der Debatte ist das "Initiativbündnis Aufrechte Bürger". Deren Mitglieder argumentieren, der Name "Kurmark" sei zu NS-Zeiten glorifiziert und häufig verwendet worden. So wurde in der Lieberoser Heide ab 1943 der Truppenübungsplatz "Kurmark" errichtet. Für den Bau des Platzes wurde im benachbarten Jamlitz ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen errichtet, dessen Insassen als Zwangsarbeiter beim Bau des Geländes missbraucht wurden. Mehrere tausend Inhaftierte, die meisten davon jüdische Männer, kamen während der Lagerhaft um oder wurden im Zuge der Auflösung erschossen, beziehungsweise in Vernichtungslager deportiert. Wie der Lieberoser Historiker Andreas Weigelt auf Anfrage ergänzt, hatte das SS-Wachbataillon 4, das das KZ-Nebenlager Lieberose bewachte, den Beinamen "Kurmark". An der aktuellen Debatte um den Kasernennamen in Storkow möchte sich der Historiker, der sich unter anderem mit der Aufarbeitung der Geschichte des KZ-Nebenlagers Lieberose beschäftigt, nicht beteiligen: "Dazu müsste man die Beweggründe der Namengeber der Kaserne genau kennen."

Der Storkower Standortälteste Oberstleutnant Thorsten Niemann teilt mit, die Bundeswehr habe sich im Jahr 1993 absichtlich nicht für einen personenbezogenen Namen, sondern für einen mit regionalhistorischem Hintergrund entschieden. Der Name habe zuvor alle vorgesehenen Prüfungsebenen passiert. Oberst a.D. Ernst-Georg Krohm, der sich als damaliger Kommandeur der Pionierbrigade 80 für den Namen "Kurmark" stark gemacht hatte, sagte dieser Zeitung, der Name stehe für die erste Verfassung, die es auf deutschem Boden gegeben hat. Die Kurfürsten hätten im 14. Jahrhundert das Recht eingeräumt bekommen, den Kaiser mit zu küren. ("Kurmark" ist vom Wort "küren" abgeleitet)". Der Name stehe also für Mitbestimmung. Dies sei 1993, wenige Jahre nach der Wende, eine subtile Geste gewesen. "Wir wollten damit zum Ausdruck bringen, mitbestimmen zu wollen und uns nicht vom Verteidigungsministerium in Bonn fremdbestimmen zu lassen." Krohm ärgert, dass der Name "Kurmark" in der aktuellen Debatte auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränkt ist. "Es handelt sich um einen 800 Jahre alten geografischen und historischen Begriff."

Vor der Benennung der Kurmark-Kaserne im Jahr 1993 war die Stadtverordnetenversammlung in Storkow befragt worden. Mit einem Abstimmungsergebnis von 8 zu 5 hatte sich das Gremium damals mehrheitlich für "Kurmark" ausgesprochen. Laut dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, Heinz Bredahl, der bei der 1993er Entscheidung schon als Abgeordneter dabei war, gebe es aktuell keine Anträge, die Diskussion zu einer Umbenennung auf die Tagesordnung zu setzen.

Rainer Thiel, neben Thomas Jacob Initiator des Initiativbündnisses Aufrechte Bürger, möchte mit dem Vorstoß - immerhin wurden beim Stadtfest, das mit dem Tag der Bundeswehr verknüpft war, mehrere Hundert Handzettel verteilt - eine Diskussion anregen. "Es wäre schön, wenn wir mit Vertretern der Bundeswehr in einen konstruktiven Dialog eintreten würden." Das Initiativbündnis bezieht sich unter anderem auf den Vorstoß von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Namen der Bundeswehrstandorte mit Blick auf historische Vorbelastungen zu überprüfen.

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Paul Müller 17.06.2017 - 07:11:53

Das "Initiativbündnis aufrechter Bürger" ...

... könnte sich anstatt des Namens einer Kaserne auch um die Integration ihrer Gäste aus Nahost kümmern :) Angesicht der vielen islamischen Anhänger eines Märchenbuches, mit Wunsch möglichst krachend zu einer Vielzahl an jungen Damen auf Wolke 7 zu gelangen, meiner Meinung das dringendere Problem ;) Ihr müsst euch auch um eure Gäste kümmern !

Johannes Igel 16.06.2017 - 22:56:23

Einseitige Betrachtung!

Diese Initiative handelt sehr einseitig. Danach müsste man alle Straßennamen "Ernst Thälmann" umwidmen. Denn Thälmann war ein bekennender Antidemokrat.

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