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Ausstellung
Kleine Bahn zieht magisch an

Modellbahnbauer aus Passion: Mike Kendziora empfindet das Treffen am Freitagabend als sehr gute Möglichkeit, vom Berufsstress ins Wochenende zu gelangen.
Modellbahnbauer aus Passion: Mike Kendziora empfindet das Treffen am Freitagabend als sehr gute Möglichkeit, vom Berufsstress ins Wochenende zu gelangen. © Foto: Rudolph
Holger Rudolph / 29.01.2018, 18:37 Uhr
Neuruppin/Nauen (MOZ) Als Publikumsmagnet erwies sich am Wochenende die Modelleisenbahn-Ausstellung im Kulturhaus Stadtgarten. Von Freitag bis Sonntag besuchten 1500 Menschen die Schau des Modelleisenbahnclub (MEC) Oranienburg 1964. Mit dabei: zahlreiche Havelländer.

Zum vierten Mal präsentierte der Verein MEC seine Anlagen in der Fontanestadt. Vorstandsmitglied Mike Kendziora wunderte sich nicht über das sehr große Interesse. Schon in den Vorjahren zog die Schau vom Kleinkind bis hin zu fast 90-Jährigen das Publikum an. Vielleicht liegt es daran, dass viele der Besucher irgendwann einmal eine Modelleisenbahn unter dem Weihnachtsbaum fanden, die sie zumindest eine Zeitlang in Atem hielt. Beim 42-jährigen Havelländer Kendziora gab es zunächst einen anderen Beweggrund, unter die Modellbahnbauer zu gehen. Sein Großvater war Stellwerker in Rathenow. Als Kendziora sieben Jahre alt war, schenkte ihm sein Vater die erste Anlage, Spurweite TT. Eine Zeitlang hatte er die kleinen Bahnen aus den Augen verloren, ehe er 2002 begann, sich näher damit zu beschäftigen. Immer freitagabends trifft er sich mit den anderen vom Verein in Nauen, um gemeinsam Anlagen zu vervollkommnen oder neue zu erstellen. Eine zweite Gruppe trifft sich ebenfalls wöchentlich in Oranienburg.

"Aktuell bauen wir in Nauen an einer Anlage, die die Gegenwart zeigt." Die modellierten Berge ähnelten dem Elbsandsteingebirge, beschrieb er die Anlage Hoppenstedt, die nach Loriots "Familie Hoppenstedt" benannt ist. Junior Dicki bekam in einem der Sketche zu Weihnachten ein Spielzeug-Atomkraftwerk geschenkt, das beim Betrieb gleich mal ein kleines Loch in den Wohnzimmerboden riss. Kendziora: "Auf unserer Anlage wird es auch ein kleines Atomkraftwerk geben. Der Rohbau ist schon fertig." Die vier bis fünf Stunden gemeinsamen Bauens an jedem Freitagabend sind für Kendziora "ein idealer Wochenausklang". Gut 40 Mitglieder hat der Verein derzeit. Und während die Geflügelzüchter allerorts über Nachwuchsmangel für ihr Hobby klagen, scheint die Modelleisenbahn auch in der Zeit von Smartphone und Internet junge Menschen noch magisch anzuziehen. Die jüngsten Modellbahner im Verein sind gerade mal zwölf Jahre alt, der älteste zählt 81 Lenze. So eine Wochenend-Ausstellung sei für alle der Lohn nach sehr viel Feinarbeit. Ein vermeintliches Klischee scheint gar keines zu sein, sondern der Wahrheit zu entsprechen. Es gibt tatsächlich unter den vielen Modellbahnern momentan nicht eine einzige Frau. Doch könnten die Männer ihrem Hobby nicht nachgehen, wenn die Partnerinnen nicht jede Menge Verständnis dafür aufbrächten.

Klaus-Dieter Mielke ist mit seinen 81 Jahren das älteste Vereinsmitglied. Er lebt in Berlin-Charlottenburg und fuhr früher beim Baukonzern Hochtief eine Kleinlok. Er erinnerte sich an damals: "Wir haben damals für die DDR die Saalebrücke in Thüringen über die Autobahn gebaut." Modelleisenbahner ist er seit 1961. Begonnen hatte alles mit zwei Gleisschleifen und zwei Prellböcken. Heute zählen zu seiner Sammlung allein in der Spur H0 311 Triebfahrzeuge und 600 Waggons.

Auch der 76-jährige Jürgen Spengler ist schon sehr lange mit der Modelleisenbahn verbunden. Sein Vater schenkte ihm die erste Bahn, als er vier Jahre alt war. Heute stehen bei dem Mathematik- und Physiklehrer im Ruhestand zu Hause sehr viele kleine Loks. Bewundernd stand ein Mann mittleren Alters vor Spenglers Anlage, Torsten Klitza aus Berlin: "Ja, ich bin extra nach Neuruppin gekommen. Ich mache das immer wieder mal, wenn es solche Ausstellungen gibt. Diese hier ist sehr schön. Ich baue selbst seit 41 Jahren TT-Anlagen. Mein Onkel war Lokomotivführer. Er hat bei mir das Interesse geweckt."

Die preisgekrönte Anlage der Hans-Klakow-Oberschule Brieselang stellt ein Stück deutsch-deutscher Geschichte dar. Der 18-jährige Paul Trebeljahr erklärte dem Publikum die Details. Dargestellt ist der ehemalige Grenzbahnhof Staaken, der die DDR von Westberlin trennte. Bis ins letzte Detail korrekt dargestellt sind die Betonmauern an beiden Seiten der Strecke und die mit geschärften Spitzen bewehrten Tore.

Der vierjährige Lennox saß auf der Kante der Bühne. Vor ihm war eine Gartenbahn aufgebaut. Fahrzeuge, Städte und Landschaften bestachen durch Größe und Detailtreue. Lennox ist in Neulöwenberg zu Hause und blickte mit weit geöffneten Augen auf die Anlage: "Es ist schön hier, weil es so viele Züge gibt. Zu Hause habe ich eine Lego-Eisenbahn." Die Modellbahner waren mit dem erneuten Erfolg ihrer teilweise erneuerten Ausstellung sehr zufrieden. So scheint einer weiteren Schau in ein bis zwei Jahren nichts im Wege zu stehen.

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