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Den jungen belgischen Spitzenkoch Pascal Verrooten verschlug die Liebe von Paris und Berlin nach Angermünde

Angekommen
Unter den uckermärkischen Sternen

Raffinierte Kochkunst: Pascal Verrooten zaubert im Angermünder Hotel 1912 Delikatessen für den Sonntagsbrunch.
Raffinierte Kochkunst: Pascal Verrooten zaubert im Angermünder Hotel 1912 Delikatessen für den Sonntagsbrunch. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 21.12.2018, 09:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Es gibt viele gute Gründe, nach Brandenburg zurückzukehren oder als Zuzügler ein neues Leben zwischen Prignitz, Uckermark, Fläming und Lausitz zu beginnen. In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die im märkischen Land angekommen sind.

Mit Hirschkalbsrücken in Nusskruste, Entenbrust mit Chicoree, Fjordforelle mit Avocado und Lachskaviar und süßem Lebkuchenmousse zum Finale verwöhnt Pascal Verrooten seine Gäste zu Weihnachten im Berliner Grand Hotel am Potsdamer Platz. Zu Hause geht es bescheidener zu. Da soll es schnell gehen, um viel Zeit mit der Familie zu haben, die im Alltag rar ist. „Ente klassisch mit Rotkohl und Grünkohl kommt auf den Tisch, weil sich vieles gut vorbereiten lässt. Perfekt muss es trotzdem sein“, gesteht der 36-jährige Profi-Koch. Er hat schon nach den Sternen gegriffen und ist doch bodenständig geblieben.

Nach mehreren Jahren auf dem Weg zum Kocholymp hat er gemerkt, was wirklich zählt: Familie. Die hat der Belgier in Brandenburg gefunden, im uckermärkischen Angermünde. Die Liebe hat ihn dorthin verschlagen.

Die Kleinstadt erdet den kulinarischen Weltenbummler und atmet die Geborgenheit seiner Kindheit, die er in einem Dorf in Belgien erlebte. „Bei uns gab es nur einen Bäcker  und einen Zeitungsladen. Dagegen ist Angermünde groß“, lacht Pascal Verrooten. „Meine Eltern dachten, dass ich von uns drei Geschwistern der letzte bin, der das Haus verlässt. Dabei war ich der erste und bin am weitesten weg.“

Die Lust am guten Kochen ist bei ihm als Kind geweckt worden. „Ich habe gerne bei Oma oder Mama in die Küche geschaut.“ In Belgien ging er in die Kochlehre und fing ganz unten an. „Ich hab’ Teller gespült und durfte dann mal Kartoffeln schälen.“ Irgendwann rief ihn ein Kumpel an und schwärmte von Paris. Pascal kündigte den Job in Belgien und war zwei Wochen später in Paris. Mit dem Freund teilte er sich eine mickrige Wohnung und merkte, dass er mit seinem Schulfranzösisch nicht weit kam und die Franzosen weder Englisch sprechen wollen noch seine flämische Muttersprache verstehen. Nicht mal im Pariser Hyatt-Hotel, einer amerikanischen Kette, in der er im Restaurant Arbeit fand, half ihm Englisch. Also paukte er Französisch und ging im Gourmettempel vom Hyatt beim renommierten Sternekoch Jean Francois Rouquette in die Lehre. „Die Hierarchie in der gehobenen Gastronomie ist streng. Als kleiner Fisch fängst du ganz unten an und hast viele Chefs, die dir alle erst mal zeigen, was du alles nicht kannst, zumal als Ausländer. Aber es hat am Ende nicht geschadet. Ich habe mir unheimlich viel abgeschaut und gelernt“, erzählt Pascal Verrooten.

Seine eigene Kochkunst selbst mal irgendwann mit einem Michelinstern zu veredeln, hatte immer großen Reiz für den jungen Koch, der sich vom Kartoffelschäler hocharbeitete. „Im Fernsehen sieht der Kochberuf immer so einfach aus. Aber in der Gastronomie ist es harte Arbeit unter hohem Druck und immer an Wochenenden oder an Feiertagen. Trotzdem ist es mein Traumberuf.“

Nach viereinhalb Jahren wechselte er ins Hyatt nach Berlin und kochte sich dort an die Spitze. Hier lernte er auch seine spätere Frau kennen, die im Service arbeitete. Als die gemeinsame Tochter vor vier Jahren geboren wurde, änderten sich die Prioritäten. Familie wurde wichtiger als Kochsterne. „Wir sind nach Angermünde gezogen, wo meine Frau herkommt und ihre Eltern leben, die uns sehr unterstützen, wenn wir abends oder an Wochenenden arbeiten.

Inzwischen hat die junge Familie hier ein Haus gekauft. Sie möchte bleiben. „Viele junge Leute kommen wieder zurück“, stellt Pascal Verrooten fest. „Angermünde hat doch alles. Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten, die Altstadt ist schön, es gibt viel Natur und man ist trotzdem nah an Berlin.“ Auch seine belgische Familie kommt gern zu Besuch. „Meine Eltern haben vier Jagdhunde. Die können sich hier frei austoben, das ist ein schönes Erlebnis.“

Nur die Pendelei zur Arbeit nach Berlin nervt den jungen Familienvater zunehmend, obwohl ihm der Job Spaß macht. Ab dem Frühjahr wird er ganz und gar in Angermünde bleiben. Im Hotel 1912 am Bahnhof hat der junge Spitzenkoch Arbeit gefunden. Nach der Neueröffnung suchte der junge Inhaber Stefan Eschert dringend einen engagierten Koch und machte mit Pascal Verrooten einen Glücksgriff. Seit einem Jahr steht er neben seinem Job in Berlin schon regelmäßig  in der Angermünder Hotelküche für den monatlichen Sonntagsbrunch und zaubert für die uckermärkischen Gäste aus regionalen Zutaten erlesene Köstlichkeiten mit Sterneniveau.

Seinen Traum vom eigenen Restaurant in Angermünde hat er erst einmal auf Eis gelegt. „Die Hotelküche ist ja da und bietet alles. Ich habe hier freie Hand, meine Kreativität zu entfalten und eigene Ideen zu verwirklichen“, freut sich der junge Koch auf die neue Herausforderung.  Das Restaurantangebot im Hotel 1912 soll ausgebaut und auch Catering und Feiern angeboten werden. „Wir sind ein junges tolles Team und haben noch viele Ideen.“

Am 23. Dezember, sein freier Tag, steht er wieder freiwillig in der Angermünder Hotelküche und bereitet den weihnachtlichen Sonntagsbrunch vor. Gänsekeule wird es geben, Grünkohlsalat, Wildgulasch, konfierten Lachs und mehr. Heiligabend und am zweiten Feiertag bekocht er wieder in Berlin die Feinschmecker. Nur der erste Feiertag gehört ganz der Familie, für die Pascal Verrooten dann privat am Herd stehen wird und seinen klassischen einfachen Entenbraten zum Schluss mit Kirschessig und Madeira bepinselt, damit er unter dem Grill schön knusprig wird. Ein bisschen Raffinesse muss eben sein.

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