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Hinter ihrer Scheune in Eichwerder im Oderbruch baut die Berlin-Aussteigerin Katrin Zabel das Haus der Zukunft

Angekommen in Brandenburg
Wenn die Pampa zur Heimat wird

Angekommen in Brandenburg: Katrin Zabel zeigt den Baustoff aus Altglas, der das Fundament für ihr neues Haus bildet. Am Oderbruch schätzt die 46-jährige Mutter von zwei Kindern das Langsame, den weiten Blick und die Ruhe.
Angekommen in Brandenburg: Katrin Zabel zeigt den Baustoff aus Altglas, der das Fundament für ihr neues Haus bildet. Am Oderbruch schätzt die 46-jährige Mutter von zwei Kindern das Langsame, den weiten Blick und die Ruhe. © Foto: MOZ/Christopher Braemer
Christopher Braemer / 19.01.2019, 10:00 Uhr
Eichwerder (MOZ) Von Berlin ins Oderbruch: Für einen Mann aus einem kleinen Dorf in Brandenburg hat es eine Frau aus der Hauptstadt gewagt. Mittlerweile hat sich Katrin Zabel eingelebt auf dem Land. Was für sie einst fremd war, ist heute Heimat. Dort baut die Wahl-Brandenburgerin jetzt ihren grünen Lebenstraum.

Der Weg zu Katrin Zabel führt in eine Sackgasse – wenn man von der falschen Seite reinfährt. Dem Besucher bleibt dann nur der Fußweg bis zum roten Backsteinhaus, das zu dem Vierseithof gehört, in dem die 46-jährige Statikerin mit ihrer Familie wohnt. In  Eichwerder, einem 300-Seelen-Dorf bei Wriezen, steht die Zeit still. Die Ruhe hier wird nur ab und zu von einem Hundebellen unterbrochen. Vor einem Fachwerkhaus mit Vordach steht ein Deko-Weihnachtsmann, an der Gemeindetafel wirbt der Heimatverein, am Fleischerschild in der Mitte nagt der Zahn der Zeit.

Und doch hat die neue Heimat von Katrin Zabel das geschafft, wovon viele Dörfer in Brandenburg träumen: den Lkw-Verkehr besiegen. Denn in Eichwerder sollte vor drei Jahren bis Weihnachten eigentlich nur die marode Kopfsteinpflaster-Straße gemacht werden. Doch die Bauarbeiten haben sich verzögert. Die Archäologen entdeckten sensationelle Relikte aus der Steinzeit, Pfeilspitzen, Kindergräber, eine Steinaxt. Schachmatt Straßenlärm, heißt es deswegen auf unbestimmte Zeit.

„Wir haben uns damals spontan auf der Straße getroffen, um auf den Baubeginn und die Ruhe anzustoßen“, schwärmt Katrin Zabel, die ein Mann namens Heiko vor etwa zehn Jahren aus Berlin nach Eichwerder lockte. Sie kam aus der Großstadt, er ist einer von hier. Kennengelernt haben sie sich in den Dolomiten beim Drachen- und Gleitschirmfliegen, Geisler wurde zu Zabel. Obwohl die Wege weiter und die Straßen marode sind, bereut die Ex-Berlinerin es nicht, in Brandenburg zu leben. Was sie einst „Pampa“ nannte, ist heute Heimat.

Katrin Zabel ist angekommen in Eichwerder, sie fühlt sich hier wohl. Ein „Hallo“ hier, ein „Grüß dich“ dort, die nette Zuzüglerin mit den grünen Augen, dem grünen Lebensstil und dem schrägen Pony kennt man in Eichwerder. Sie und ihr Mann haben zwei Kinder, nebenan wohnen Schwiegermutter, Schwager und Schwägerin. „Ich bin jetzt hier zu Hause, die Kinder lieben das hier“, sagt Zabel und schaut in die Ferne – der Blick verliert sich in der Weite des Oderbruchs. Und wenn sie zu Oma und Opa nach Berlin fahren, erklären die Kleinen, wie schön sie es haben: ein Garten, die Hühner, Hund und Katze – auch wenn Hund Zoja vor wenigen Monaten verstorben ist. Zabel mag das Leben in Brandenburg, das Langsame, den weiten Blick, die Ruhe.

Doch das Ankommen war kein Selbstläufer. „Als Berlinerin in ein Dorf zu ziehen, wo sich alle schon sehr lange kennen, war schwer“, gibt Zabel zu. Im gleichen Zug lobt sie die Hilfsbereitschaft in Eichwerder. „Meine Nachbarin nimmt jeden Tag die Kinder mit zur Schule, weil es auf dem Weg liegt.“ Das Leben auf dem Dorf ist aber doch nicht so eng wie man es sich vorstellt, kommt die Frau aus Berlin-Schöneberg ins Erzählen. „Viele fahren morgens zur Arbeit und kommen abends zurück – da bleibt nicht viel Zeit“, sagt die Selbstständige, die unter der Woche im Co-Working-Space in Letschin anzutreffen ist, eine Art gemeinsames Büro mit Kaffeebar.

Weil es mit ihrem Hobby Klettern auf dem Dorf nicht klappte, hat die Jetzt-Brandenburgerin eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht, unterrichtet zwei Mal die Woche in Wriezen. „Das hat mir das Ankommen erleichtert, weil ich viele nette Menschen kennengelernt habe.“

Durch die Scheune – vorbei am selbst gefällten Weihnachtsbaum – führt der Weg zur Baustelle. Es ist der Lebenstraum von Katrin Zabel: Das Fundament für ein neues Haus, 150 Quadratmeter, mit Photovoltaik und Elektrotankstelle, nachhaltig und autark. „Es soll ein Musterhaus für alternatives Bauen werden, ein Informationszentrum“, sagt sie. Dafür legt sie auch selbst Hand an. Nur für Fenster, Dach und Holzrahmenbau wollen sie und ihr Mann Firmen aus der Region beauftragen. Das Fundament, auf dem die Frau steht, wurde erst diesen Sommer fertig. Durch die Arbeit draußen an der frischen Luft war sie braungebrannt wie nie zuvor, wie Fotos aus der heißen Jahreszeit auf ihrem Smartphone zeigen.

Das Fundament für das Haus der Zukunft liegt auf einem alternativen Baustoff: Schaumglas-Schotter. Das aus Altglas hergestellte Material absorbiert Feuchtigkeit, dämmt Wärme und stabilisiert das Haus. „Sand wird knapp, Steine verbrauchen viele Ressourcen“, gibt die Statikerin zu bedenken. Auch wenn nachhaltiges Bauen immer teurer wird, investiert sie in Nachhaltigkeit. Die Wände sollen mit Zellulose- und Holzfasern gedämmt werden. „Im Frühling geht es weiter, da wollen wir mauern“, sagt Zabel voller Tatendrang. Dann kommt auch ein neuer Hund.

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