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Die Joachimsthalerin Marita Witte entführt in ihren Koch-Workshops in die geheime Welt der Heilkräuter. Nachmachen erwünscht.

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Schmackhaftes Kraut

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen: In ihrem privaten Kräutergarten baut Kräuterexpertin und Gastronomin Marita Witte rund 70 verschiedene Heil- und Küchenkräuter an. Für jedes Wehwehchen hält sie ein passendes Kraut parat.
Gegen alles ist ein Kraut gewachsen: In ihrem privaten Kräutergarten baut Kräuterexpertin und Gastronomin Marita Witte rund 70 verschiedene Heil- und Küchenkräuter an. Für jedes Wehwehchen hält sie ein passendes Kraut parat. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Susan Hasse / 05.06.2019, 06:15 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Wohlwollendes Murmeln erfüllt den Gastraum bei Schmalfelds in Joachimsthal als Marita Witte den Gästen ihre Suppe kredenzt: Würzig, aromatisch und perfekt passend zum regnerischen Wetter, so das einhellige Urteil. Als die Gäste erfahren, dass sie gerade Brennnesseln gegessen haben, zucken einige kurz zusammen. Dass das im Allgemeinen äußerst unbeliebte, bei Gärtnern überaus lästige Unkraut so lecker sein kann, erstaunt.

Marita Witte, Inhaberin der Joachimsthaler Gaststätte und Eisdiele Schmalfelds ist die Überraschung gelungen. Zweimal im Jahr bietet die selbst ernannte Kräuterhexe eine Kräuterschule für kochfreudig Interessierte an. In rund zwei Stunden wird den Teilnehmern nicht nur ein schmackhaftes 3-Gänge-Menü mit allerlei frischen, teils unbekannten Kräutern serviert, sondern ganz nebenbei werden 20 Heilkräuter vorgestellt.

Jedes Kraut habe eine bestimmte Wirkung, erklärt Marita Witte. Man muss es nur wissen und gezielt einsetzen. So helfe etwa Rosmarin bei niedrigem Blutdruck und macht fit bei Müdigkeit. Auch Giersch, der in jedem Garten als Unkraut ein Schattendasein fristet, hat erstaunliche Wirkung: Das Wildgemüse, das auch Zipperleinskraut genannt wird, hilft unter anderem bei Gicht. Auch Löwenzahn hat heilende Wirkungen: Bei Magenbeschwerden hilft es und ist überhaupt gut für Leber und Galle, weiß die Kräuterhexe zu berichten. "Gehen Sie lieber in den Kräutergarten, statt in die Apotheke", ruft sie den Besuchern des Workshops zu.

In ihrem eigenen Kräutergarten baut die wissbegierige Gastronomin über 70 verschiedene Heil- und Küchenkräuter an: Angefangen von Liebstöckel über Estragon bis hin zu Zitronenbasilikum und Beinwell.

Die Gastronomin setzt die frischen Kräuter ihres Gartens selbstverständlich in der Küche ein: Statt neuartigen Lebensmittel aus fernen Ländern sollte man lieber die regionale Küche mit Kräutern variieren und aufpeppen, so ihr Plädoyer. An keiner Suppe sollte etwa Liebstöckel fehlen. Auch Majoran ist ein Geheimtipp für die Küche. Hackbraten und Buletten bekommen damit mehr Geschmack. Auch Bohnenkraut passe zu Hackbraten und schmeckt in Kartoffelsuppen, so Witte. Ein perfektes Paar seien auch Lammfleisch und Lavendel. Salbei passe hervorragend zu gebratenem Fisch und sollte in keinem Garten fehlen. Estragon passe perfekt zu Königsbergern Klops. Entdeckt hat Marita Witte die Leidenschaft für Kräuter und Grünzeug vor fast zwanzig Jahren. Mit Büchern und Zeitschriften hat sie sich über die Jahre immer mehr Wissen angeeignet. Immer wieder entdeckt sie Neues: "Die Welt der Kräuter ist riesig und immer wieder spannend", so Marita Witte. Zudem experimentiert sie viel: Vor allem am heimischen Herd präsentiert sie der Familie immer wieder kreative Abwandlungen von klassisch deutschen Gerichten. "Es gelingt leider nicht immer", gibt sie schmunzelnd zu. Ihr Ehemann verzeiht zum Glück auch eigenwilligste Kreationen und lässt sie gewähren.

Kräuter bringen Abwechslung

Mit frischen Kräutern und Finesse wird auch in der Gaststätte der Familie in der Joachimsthaler Töpferstraße gekocht. Die Teller sind oft liebevoll mit Blumen und Kräutern dekoriert. "Es kommen öfter Nachfragen, ob das Alles essbar ist", so Marita lächelnd. Sie erklärt den Gästen geduldig Namen und Herkunft der Pflanzen und stößt bei ihnen oft auf Interesse und eine erstaunliche Offenheit. Begeistert sind am Ende auch die Teilnehmer der Kräuterschulung: Als Erdbeersalat mit Knoblauchrauke und Labkraut serviert wird, werden gedanklich bereits die Grundsteine für den eigenen Kräutergarten gesetzt.

Die nächste Kräuterschulung bei Schmalfelds findet im Herbst statt. Infos unter Tel. 033361 9858

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