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"Oberbarnim unterirdisch" beleuchtet zwei Kellergewölbe im Joachimsthaler Ortsteil Grimnitz, zwischen denen es möglicherweise einen Versorgungsweg von der Brauerei zur Burganlage gab.

Serie
Sagenumwobene Kellergewölbe

Susan Hasse / 07.06.2019, 06:30 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Die Burg Grimnitz ist sagenumwogen: Sie gilt als Keimzelle von Joachimsthal und fand bereits 1297 ihre erste Erwähnung.

Heute ist die Burg, beziehungsweise, das was von ihr noch übrig ist, im Besitz von Jürgen Fiehne und seiner Frau Marysia Hätscher. Die beiden haben in den vergangenen Monaten viel Zeit und Kraft in die Ruine gesteckt, um das Gelände zu beräumen, einsturzgefährdete Mauern zu sichern und sich vor allem mit der wechselvollen Geschichte ihres Eigentums auseinanderzusetzen.

Original an der Burg ist heutzutage nämlich nur noch das Kellergewölbe, erklärt Jürgen Fiehne. An den verwendeten Baustoffen kann man die Entstehungszeit rekonstruieren. Das Gewölbe des Kellers soll demnach im 15. bzw 16.  Jahrhundert entstanden sein. Zu dieser Zeit gründete der Kurfürst Joachim Friedrich auf Burg Grimnitz in Joachimsthal die erste Glashütte der Mark Brandenburg und siedelte dazu Handwerker aus Böhmen an. Joachimsthal gab er 1604, obwohl dort erst 17 Familien wohnten, das Stadtrecht.

Den historischen Quellen ist zu entnehmen, dass die Burg Grimnitz mehrfach abbrannte und wiederaufgebaut wurde. So wurde die Burg 1572 zum kurfürstlichen Schloss umgebaut, sieben Jahre später brannte sie nieder. 1598 zeugen die Quellen dann von einem durchaus opulenten Jagdschloss mit zahlreichen Gemächern und einer Zugbrücke am Eingang, erzählt Fiehne. Rund um die Burg, so der Wissensstand heute,  soll ein Wassergraben gewesen sein. Überhaupt muss die Burg direkt am Grimnitzsee gelegen haben. Der Wasserstand des Sees war zu früheren Zeiten nämlich weitaus höher, ringsherum war unwegsames Sumpfgelände, hat der Burgherr recherchiert.

Ein Geheimgang zur Brauerei

Um 1700 war die Burg den Quellen nach weitgehend intakt, Friedrich I kam oft zum Jagen nach Grimnitz. Sein sparsamer Sohn, der spätere Soldatenkönig Friedrich II., überließ die Burg später aus Kostengründen ihrem Schicksal. Das Haus diente fortan als Steinschlag: die benachbarte Oberförsterei Grimnitz ist beispielsweise nachweislich teils mit Steinen der Burg gebaut. 1860 wurde die Burg an einen Berliner Baustoffhändler verkauft, der den Rest verscherbelte. 1885 schenkte er es den Hohenzollern zurück. Das heutige Wohnhaus wurde schließlich 1905 auf den alten Fundamenten gebaut, der Burggraben wurde inzwischen drei Meter mit Sand aufgeschüttet.

In einem Keller wurde irgendwann später der Fußboden höher gelegt, so Fiehne. Heute sieht man hier zudem einen zugeschütteten Brunnen, dieser wurde nach der Wende von ABM-Kräften mehr schlecht als recht rekonstruiert.

Zu DDR-Zeiten spielte die Burg keine Rolle mehr, nur Einheimische kannten den Standort kaum noch. Der historische Keller wurde von der Oberförsterei als Lagerraum für Kartoffeln und Gemüse genutzt. Zeitweise gab es hier, wie Zeitzeugen bestätigen, sogar eine Champignon-Zucht.

"Die Geschichte der Burg liegt in weiten Teilen noch im Dunkeln", so Fiehne. Die Quellenlage gebe nicht allzu viel her. Erst nach und nach werden nun einzelne Überlieferungen gebündelt und ergeben einen Sinn. So befindet sich in knapp 60 Metern Luftlinie entfernt die alte Gastwirtschaft der Familie Bockisch. Auch hier zeugt das Mauerwerk im Keller von einer langen Geschichte. "Hier wurden Steine im alten Klosterformat verwendet, die gleichen wie drüben im Burgkeller", erklärt Hans Bockisch bei der Besichtigung des alten Gemäusers. Es scheint also aus der gleichen Zeit zu stammen. An einer Seite in Richtung Burg ist noch heute ein Vorsprung zu erkennen. "Es gibt die Vermutung, dass es hier einen unterirdischen Gang zur Burg gab", so Bockisch. Das würde Sinn machen: Denn nachweislich wurde in dem Gasthaus schon vor Hunderten Jahren Bier gebraut.

Das Gebäude könnte also als Wirtschaftsgebäude zur unterirdischen Versorgung der Burganlage und ihrer Bewohner gedient haben, so Hans Bockisch. Auch alte Drainagerohre, die in unmittelbarer Umgebung der Burg ausgegraben wurden, zeugen von einer guten Infrastruktur rund um die Burg, wie Dorfchronist Jürgen Kutschke zu berichten weiß. Es gab Zeiten, da hat sich das  Leben in Grimnitz allein um die Burg gedreht, so seine Einschätzung.

Die nächste Gelegenheit zur Besichtigung der Burg Grimnitz bietet sich am 6. Juli, 3. August und 7. September

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