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"Leinenzwang vergiftet das Klima"

Ruth Buder / 30.11.2009, 06:33 Uhr
Alt Golm Die Alt Golmer Hundehalter wollen sich nicht länger diskriminieren lassen und verlangen, den Ende September von der Gemeinde verordneten Leinenzwang abzuschaffen. Während eines Treffens der "Initiative gegen die Diskriminierung von Hundehalterfamilien in Alt Golm" am Sonnabendabend sagte Sprecher Volker Fritzemeier, dass diese Ungleichbehandlung nicht hinzunehmen sei. In einem aktuellen Brief an die Gemeindevertreter von Rietz-Neuendorf macht die Initiative deutlich, dass es keinerlei Grundlagen gebe, die diesen Beschluss rechtfertigten. Der Leinenzwang sei aufgrund einer "Lügenliste" einer Gruppe von Rentnern gefasst worden, es gebe keinen einzigen ernstzunehmenden Vorfall, kein in diesem Zusammenhang stehender Hundehalter sei gehört worden.

Vom Ortsbürgermeister Wolfgang Heiber hätte man sich gewünscht, dass er nicht Partei nehme, sondern ausgleichend wirke, so die anwesenden Hundehalter, darunter Elke Rühlmann und Katja Fischer. "Entweder alle 14 Ortsteile erhalten den Leinenzwang oder keiner", fordert die Initiative. Werde der Beschluss nicht zurückgenommen, müsse mit einer Normenkontrollklage wegen Ungleichbehandlung beim Oberverwaltungsgericht gerechnet werden. Durch diese "Rasenmäher-Methode" in Alt Golm müssten auch Welpen an die Leine und hätten somit keine Chance, ihr Verhalten gegenüber anderen Hunden sozialverträglich zu entwickeln. Hunde an der Leine seien ihrer Sprache beraubt, weil Hunde sich fast ausschließlich durch Körpersprache verständigen - das könnten sie nicht, wenn sie sich nicht frei bewegen dürften. "Wir leben auf dem flachen Land. Ihre Entscheidung ist einmalig in Brandenburg und löst bei vielen Menschen nur verständnisloses Kopfschütteln aus", schreibt Fritzemeier, der selbst fünf Hunde hat, an die Abgeordneten."

Alle Hundehalter, die Sonnabend mit am Tisch saßen, räumten ihr Verständnis gegenüber Menschen ein, die Angst vor Hunden hätten. Es habe immer wieder Angebote gegeben, die Tiere kennenzulernen, aber diese seien nicht angenommen worden. Auch in dem Brief an die Abgeordneten wird Entgegenkommen signalisiert, auf Ängste "müssen wir Rücksicht nehmen", heißt es.

Die Leinenpflicht habe in Alt Golm nichts gebracht, die feindselige Situation habe sich nur noch zugespitzt, behauten die Hundehalter. Das Ordnungsamt müsse zur Einzelentscheidung zurückkehren. Dafür gebe es in Brandenburg die Hundehalterverordnung. Das Problem seien nicht die Hunde, sondern die Menschen.

Die Karre steckt richtig im Dreck. In Alt Golm fühlen sich Hundehalter regelrecht diskriminiert. Wenn sie mit ihren geliebten Vierbeinern die Dorfstraße entlanggehen, wackeln die Gardinen und sie müssen fürchten, alles, was sie tun, wird registriert. Das zwischenmenschliche Klima - besonders im Neu-Dorf - ist vergiftet. Mancher redet vom Wegziehen.

Selber schuld, mögen die anderen sagen, die ganz gut ohne Hund leben können, ja sogar Angst vor ihnen haben. Wie sollen wir umgehen mit diesem menschengemachten Hundeproblem?

Alt Golm steht wegen der Streitereien zwar in der Öffentlichkeit, aber Alt Golm ist überall.Die Konflikte mehren sich. Die Zahl der Hunde hat im ganzen Landkreis - in vier Jahren um 680 - zugenommen. 10 287 Hunde sind zurzeit gemeldet.

Der Hund kann nur bellen, wenn ihm was nicht passt, das Reden miteinander aber haben die Menschen ihm voraus. Ruth Buder

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