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Eidechsenwall aus Hangarteilen

© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 01.05.2010, 08:49 Uhr
Schorfheide (In House) Ausgleichszahlungen über 100 000 Euro sollen an den Barnim gehen, neue Lebensräume für Reptilien entstehen. Im Zusammenhang mit dem Bau des Solarkraftwerks auf dem Flugplatz Finow hatten Naturschützer im März Umweltschäden angezeigt. Nun regelt ein Vertrag den Ausgleich für die Eingriffe.

Mittlerweile liegen sieben sogenannte Shelter in Einzelteilen auf dem Flugplatz. Insgesamt elf der einstigen Unterstände für Kampfflugzeuge kommen in den Schredder. Aus den Betonteilen sollen auf einer Strecke von anderthalb Kilometern neue Lebensräume für Reptilien entstehen. „Ein Bauwerk für sich“, sagt Nico Erben, Bauleiter der Solarpark-Planer. 2,50 Meter hoch soll es werden, eine Standfläche von 6,50 Meter erreichen. „3000 Kubikmeter Erde werden wir auftragen müssen und 5000 Kubikmeter Beton schreddern“, kalkuliert er.

Wenn der Betonwall eine Sanddecke bekommt, können sich Eidechsen in dem Bauwerk ansiedeln. Wurzelstubben, eingegraben in bestimmten Abständen, bieten in dem „Großbiotop in ungewöhnlicher Form“ auch viele andere Lebensräume, glaubt Erben. „Alles in kompletter Südlage“, betont er, „ein ziemliches Gezirkel“. Denn der Wall entsteht dort, wo die Solarmodule „aus logistischen Gründen“ nicht hinpassen. „Aber wir müssen hautnah an den Modulen vorbei“, sagt Erben. Und die Wallstücke – das längste von zehn bis zwölf Teilen ist auf etwa 400 Metern Länge geplant – 
dürfen sich genauso wenig wie die Module gegenseitig beschatten.

Der Eidechsenwall ist eine der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sich die Solarinvestoren jetzt bereiterklärt haben. Den „öffentlich-rechtlichen Vertrag, in dem alle anstehenden rechtlichen Fragen geregelt werden“, hat einem Ministeriumssprecher zufolge das Brandenburger Umweltministerium angeregt. Abgeschlossen hat ihn die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises.

Die Behörde hatte auch im März den Abriss der Shelter und Erdarbeiten untersagt. Da war eigentlich alles schon zu spät, sind sich Naturschützer einig. „Retten, was zu retten ist“, hieß ihr Credo nach der Munitionsbergung und anderen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Bau des künftigen Solarkraftwerks auf dem Finowfurter Flugplatz. Ein Artenschutzexperte vom Landesumweltamt ging nach einem Vor-Ort-Termin von der Tötung Tausender Reptilien aus. Kleingewässer und weitere Lebensräume auch für zahlreiche andere Tierarten seien zerstört worden, beklagte auch der Naturschutzbund (NABU) und zeigte einen Umweltschaden an. „Wir haben den Maßnahmen jetzt zugestimmt“, sagt Barnims NABU-Vorsitzender Andreas Reichling. „Ohne dass man von Gerechtigkeit sprechen kann“, hebt er aber hervor. „Niemand wird belangt.“ Der Schaden sei jedoch „sehenden Auges“ herbeigeführt worden.

Für das, was nicht mehr saniert werden kann, sollen 100 000 Euro in den Flächenpool des Landkreises fließen. Neben den Wällen für die Zauneidechsen entstehen auf dem Flugplatz weitere Lebensräume für Tiere. Bauleiter Nico Erben spricht von einem „Fledermaushotel“ und „60 Nistkästen für Vögel“, die gerade angekommen seien. „Wir beobachten das Ganze mit Interesse weiter“, sagt NABU-Chef Reichling.

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Stefan 04.05.2010 - 09:00:54

Verwirrend

Verwirrend finde ich, dass ausgerechnet "Naturschützer" ausgerechnet "regenerative Energie" behindern. Ich habe Verständnis für die Liebe zur Natur, für die Forderung nach Lebensräumen für Eidechsen und Vögel. Allerdings sehe ich den Schaden durch Verbrennung von Kohle oder E-Erzeugung aus Atomkraft viel gravierender. Wenn es nach mir ginge, würde ich so viele Solarparks und Windenergieanlagen errichten, dass wir die alten Braunkohlekraftwerke abschalten können. Da hätten wir auch gleich schicke Lebensräume für Echsen und Fledermäuse.

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