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zum Kampf gegen das Artensterben
Bedrohte Vielfalt

Igor Steinle.
Igor Steinle. © Foto: Marc Hörger
Meinung
Igor Steinle / 03.05.2019, 19:44 Uhr
Berlin (NBR) Seit einer Woche sitzen in Paris 150 Experten zusammen, um einen Bericht über den Zustand der globalen Natur abzustimmen. Ähnlich wie der Weltklimarat wertet der Weltbiodiversitätsrat tausende Studien aus und fertigt auf dieser Grundlage einen Bericht für die Regierungen der Welt an. Eine Zahl ist bereits durchgesickert: Eine Million Arten auf diesem Planeten könnte aussterben, wenn nichts getan wird. Niemand kann abschätzen, wie gefährlich uns das noch werden kann.

Gestorben wurde schon immer, könnte man zwar einwenden, auch ohne Säbelzahntiger dreht sich die Erde weiter. Das ist soweit nicht falsch. Nur die Geschwindigkeit, mit der das aktuelle Massensterben vonstatten geht, sollte auch Skeptiker beunruhigen. In Jahrzehnten verschwinden momentan Arten von diesem Planeten, deren Rückgang sich vor der Sesshaftwerdung der Menschheit über Jahrtausende abspielte. Experten sind sich ziemlich sicher, dass sich das letzte Massensterben dieser Art vor 65 Millionen Jahren ereignete, als ein Asteroid die Dinosaurier auslöschte. Heute sind wir der Asteroid.

Unsere Zerstörungskraft resultiert aus der Art und Weise, wie wir unsere Nahrung, unsere Energie und unsere Dinge herstellen. Klimawandel, der Rückgang der Lebensräume und intensive Landwirtschaft bedingen sich gegenseitig. Und zwar nicht nur am Amazonas, wo für Viehzucht und Sojaanbau die Regenwälder abgeholzt werden, was Erderwärmung und Artensterben gleicherweise antreibt.

Andersherum greifen wir im Auftrag des Klimaschutzes in die Umwelt ein. Raps- und Maisfelder, die für Biokraftstoffe angepflanzt werden, prägen allerorten das Bild. Schon als solches ist das kein optimaler Lebensraum für Tiere. Ohne Blühstreifen, dafür belastet mit Pestiziden, schaden sie Insekten. Klima- und Artenschutz muss hier zwingend in Einklang gebracht werden.

Zwar hat es kürzlich in Bayern eine Petition für mehr Naturschutz gegeben, auch in Brandenburg ist eine geplant. Dennoch hat das Thema nicht annähernd die Öffentlichkeit, wie sie der Klimawandel genießt. Das liegt vermutlich daran, dass wir schlicht nicht wissen, welche Folgen der Rückgang genetischer Vielfalt für die Menschheit haben wird. Wahrscheinlich würde die Menschheit auch ohne Berggorillas fortbestehen. Was jedoch keiner weiß, ist, wie das Verschwinden bestimmter Arten Ökosysteme destabilisiert, was uns genauso gefährden könnte wie der Klimawandel.

Dass Umweltschutz dabei kein Ding der Unmöglichkeit ist, zeigen die Erfolge der Vergangenheit. Wenn ihr Lebensraum geschützt wird, kehren auch Wölfe, Biber und Kraniche zurück. Wo man ansetzen kann, um das Massensterben zu beenden, ist ebenfalls kein Geheimnis: Weniger Fleischkonsum, ökologische Landwirtschaft und ein zusammenhängender Biotopverbund wären ein Schritt in die richtige Richtung. Das Ziel muss dabei ein Pakt zum Schutz der Artenvielfalt sein, wie er 2015 in Paris gegen den Klimawandel beschlossen wurde. Vielleicht also ein gutes Zeichen, dass auch der Biodiversitätsrat in der französischen Hauptstadt tagt.

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