Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

In Greiffenberg endet eines der größten Naturschutzprojekte in Brandenburg. Ein Moorlehrpfad macht die Renaturierung der Sernitzniederung mit allen Sinnen erlebbar.

Naturschutz
Im Reich der Moorhexen, Wachtelkönige und Biberburgen

Daniela Windolff / 19.05.2019, 07:00 Uhr
Greiffenberg (MOZ) Morphelia heißt die kleine Hexe, die in den Kavelwiesen zu Hause ist, im Reich des Wachtelkönigs, bewacht durch den stolzen Schreiadler und beschützt durch kräftige Wasserbüffel. Als emsiger Baumeister kam auch der Biber ins Reich, der mächtige Burgen und Staudämme baut.

Architekt dieser Zauberwelt ist allerdings kein Fabelwesen, sondern der Mensch. Ingenieure, Wissenschaftler, Naturschützer, Bauarbeiter und Landwirte haben sieben Jahre lang im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt und das Rad der Zeit zurückgedreht. Das EU-Live-Projekt "Schreiadler" im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gehört zu den größten und ehrgeizigsten Naturschutzpojekten in Brandenburg. Ziel ist es, durch Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten und die Sicherung von Waldrändern und Grünland stark gefährdeten Arten wie Schreiadler, Wachtelkönig und Seggenrohrsänger wieder angestammte Brut- und Nahrungsreviere zurückzugeben, die durch intensive Land- und Forstwirtschaft zerstört wurden. Die Renaturierung des Sernitzmoores bei Greiffenberg ist die umfangreichste und zugleich öffentlichkeitswirksamste Maßnahme. Das Sernitzmoor ist eines der größten und mit elf Metern Tiefe eines der mächtigsten Quellmoore Deutschlands, das jedoch durch jahrzehntelange Entwässerung zerstört wurde.

Im Rahmen des EU-Projektes wurden rund 600 Hektar renaturiert, großflächig abgestorbener Torf abgetragen, Meliorationsgräben verfüllt, Buschwerk entfernt, der natürliche Lauf der Sernitz korrigiert, mit Nachpflanzungen von moortypischer Vegetation der Natur auf die Sprünge geholfen und mit robusten Wasserbüffeln als neue Moorbewohner Flächen beweidet, die offen bleiben sollen.

Was genau im Sernitzmoor geschah und weiter geschehen wird, darüber können Einheimische und Besucher sich nun vor Ort selbst ein Bild machen und den neu angelegten Moorlehrpfad Kavelwiesen durchwandern. So nennen die Greiffenberger diese Niederung, die früher auf vielen kleinen Handtuchfeldern, den so genannten Kaveln, recht und schlecht bewirtschaftet wurden. In den 1970er-Jahren versuchte die LPG "Frohes Sernitztal" durch großflächige Melioration dem Moor landwirtschaftliche Erträge auszupressen, doch der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Nutzen, das Land war für die Bauern minderwertig, die Nutzung wurde aufgegeben. Der Schaden, der dem Moor angetan wurde, aber blieb. Das Renaturierungsprojekt ist eine Wiederbelebung einer der wertvollsten Landschaftsräume.

Wanderpfad mit Stationen

Nach der Intensivmedizin durch den Menschen seit 2012 kann sich die Natur nun langsam selbst heilen. Die ersten Erfolge sind schon zu sehen. Davon kann man sich beim Wandern durch den rund zwei Kilometer langen Moorlehrpfad überzeugen. Die kleine Moorhexe Morphelia führt die Besucher durch das Moor zu verschiedenen Stationen mit Rätseln, Schautafeln und Aussichtsplattformen. Trotz der langen Trockenheit schmatzt schon hier und da Wasser unter den Schuhen. Ein Holzsteg bewahrt trockene Füße.

Unverhoffter Bauhelfer war übrigens der Biber, der während der Projektlaufzeit hierher zurückkam, an der Sernitz mächtige Burgen baute und so half, das Wasser auf natürliche Weise anzustauen. Allerdings wird der emsige Baumeister genau kontrolliert, damit sein Eifer nicht im wahrsten Sinne des Wortes ausufert. Auch die Grundwasserpegel werden weiterhin regelmäßig überwacht, denn auch wenn das vom Land und der EU geförderte Projekt offiziell beendet ist, wird die Entwicklung weiterhin beobachtet und evaluiert und bietet Naturschützern und Wissenschaftlern ein natürliches Forschungslabor, versichert Projektleiter Benjamin Herold, der nach Ulrike Garbe das Mammutvorhaben managte.

Über 2000 Hektar Landschaft wurden in dem Projekt umgestaltet, mehr als 500 Menschen waren an der Umsetzung beteiligt, vom Biologen über HNE-Studenten bis zum Baggerfahrer. All denen dankt Benjamin Herold zum Abschluss des Projektes ausdrücklich, vor allem aber auch den Greiffenberger Einwohnern, die kritisch aber konstruktiv und interessiert das Projekt von Anfang an begleiteten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG