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Prämierung
Design-Preis für Züge und Hocker

Das Institut für Agrarlandschaftsforschung ZALF Müncheberg ließ seinen Mückenatlas neu designen.
Das Institut für Agrarlandschaftsforschung ZALF Müncheberg ließ seinen Mückenatlas neu designen. © Foto: Designpreis/Goldener Westen
Ina Matthes / 12.06.2019, 20:20 Uhr
Potsdam (MOZ) Zum elften Mal wurde in Potsdam der Designpreis Brandenburg für originelle Gestaltungen verliehen.

Wie bekommt man Leute dazu, eine Mücke sanft einzufangen, einzufrieren, einzutüten und abzusenden? Mit Design. Das Leibniz-Institut Zalf in Müncheberg hat seine Webseite mueckenatlas.com von Arne Keunecke und seinen Kollegen von der Berliner Agentur Goldener Westen neu gestalten lassen. Die Webseite ruft Menschen dazu auf, Mücken zu sammeln. Die Forscher wollen die Verbreitung von Mückenarten kartieren.

Der Mückenatlas im Netz gehörte zu den Nominierten des Designpreises Brandenburg, der am Dienstagabend in Potsdam verliehen wurde. Die Agentur Goldener Westen hat schon einige internationale Ehrungen eingeheimst. Um den Brandenburger Preis hat sich die Agentur auch beworben, weil es ein regionaler Preis ist. Er habe "einen hohen Stellenwert für uns, sagt Keunecker, der an der Fachhochschule Potsdam studiert hat.

Insgesamt 80 Arbeiten in vier Kategorien wurden eingereicht. Der erste Preis für das beste Industriedesign ging an das Designteam von Bombardier. Der Schienenfahrzeughersteller produziert in Hennigsdorf. Ausgezeichnet wurde Bombardier für den Zefiro Express. 40 dieser High-Speed-Züge hat der schwedischen Betreiber Västtrafik bestellt. Ab 2021 sollen sie durch Götaland fahren.

Bombardier setzt auf schlichte Eleganz, diskrete Farben und Funktionalität. Die Designer hatten besondere Herausforderungen zu bewältigen: Schnee und Elche. Dem Schnee trägt unter anderem ein großer  Schneeräumer Rechnung. Die robuste Zug-Front soll Elchen widerstehen und leicht zu reparieren sein.

Industriedesign ist ein Klassiker, ebenso wie das Produktdesign. Diese Kategorie stand beim diesjährigen Wettbewerb im Zeichen des Handwerkes. So verbindet sich bei der Gewinnerarbeit, dem Hocker Trap, modernes Design mit den Fertigkeiten von Tischlern, Sattlern und Drechslern. Jurorin Katrin Hinz hätte sich in dieser Kategorie mehr Bewerber gewünscht. "Wir kennen gute Betriebe in Brandenburg, die sich aber nicht beworben haben", bedauert die Dekanin des Fachbereichs Gestaltung und Kultur an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin. Sie hofft, dass sich der Preis unter Handwerkern herumspricht und sie verstärkt mit Designern zusammenarbeiten. Denn gerade kleine Manufakturbetriebe, die exklusive, hochwertige Produktserien herstellen, nehmen zu im Land, beschreibt Katrin Hinz.

Hohe Qualität und lange Nutzbarkeit liegt besonders bei jüngeren Menschen im Trend, die auf Nachhaltigkeit setzen. Ein Bedürfnis, dass auch die Lausitzerinnen Karla Fornoville und Alexandra Logemann aufgreifen. Sie erwecken die DDR Windelhose aus Finsterwalde als Stoffwindel-System Foxy Baby zu einem völlig neuen Leben. Verkauft wird es übers Internet. Digitalisierung erschließt nicht nur neue Vertriebswege, sie eröffnet neue Betätigungsfelder wie die Gestaltung digitaler Dienstleistungen.

Christian Rühlmann und Moritz Wussow aus Trebbin haben Automaten für Standup-Paddelbretter entwickelt. Das sind große Schließfächer, die an Seen aufgestellt werden. Wer paddeln will, ordert und zahlt per App und bekommt Zugriff auf ein Brett im Schließfach. Der Jury war das einen erste Preis wert. Katrin Hinz sieht in digitalen Services eine wachsende Möglichkeit für Designer, exklusive Lösungen zu entwickeln und damit gutes Geld zu verdienen.

Im Digitalen ist auch die Berliner Agentur Goldener Westen zuhause. Den Mückenaltas haben sie mit Illustrationen aus einer schlichten, sperrigen Seite in eine freundliche, verständliche verwandelt. Für einen Preis hat es nicht gereicht. Doch das neue Layout scheint zu wirken: Die Müncheberger Forscher hatten 2018 mehr Mücken in der Post. Obwohl das ein zu trockenes und schlechtes Mückenjahr war.

Zum elften Mal vergeben

Mit 25 000 Euroist der Designpreis Brandenburg 2019 insgesamt dotiert. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes würdigt damit kreative Ideen, herausragend gestaltete Produkte und innovative Dienstleistungen. Er wird alle zwei Jahre verliehen. Neu war 2019 der Schwerpunkt "Handwerk" in der Kategorie Produktdesign. Weitere Kategorien sind Industriedesing, Digital Services und Kommunikationsdesign. Dabei werden Arbeiten junger Bewerber gesondert berücksichtigt. Die Designwirtschaft beschäftigt 11 000 Menschen.⇥ima

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Auszeichnen Arne Keunecke Hocker Christian Rühlmann Designpreis

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