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Gemeinschaftsgarten
Für den Bürgergarten Oranienburg gibt es keine Unterstützung mehr

Im Bürgergarten gab es viele Veranstaltungen und Gäste. Im Juli 2018 kam die damalige Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag und heutige Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher.
Im Bürgergarten gab es viele Veranstaltungen und Gäste. Im Juli 2018 kam die damalige Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag und heutige Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote(MOZ / 20.04.2020, 09:00 Uhr - Aktualisiert 20.04.2020, 17:01
Oranienburg (MOZ) Viele Gäste kamen zur Eröffnung des Oranienburger Bürgergartens im Sommer 2015 im Hofe des Eltern-Kind-Treffs in der Kitzbüheler Straße. Der damalige Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und der damalige Kreistagsvorsitzende Karsten-Peter Schröder pflanzten einen Baum, Neugierige aus der näheren und fernen Nachbarschaft waren dabei, Familien, Zugezogene, Geflüchtete, Junge und Alte wollten mitmachen. Weil die schmalen Flächen, die beackert werden konnten, viel zu klein und der Hof nicht frei zugänglich war, zog der Bürgergarten Ende 2016 in eine freigewordene Parzelle am Fischerweg. Die Stadt unterstützte das Vorhaben, stellte die Fläche kostenlos zur Verfügung, spendierte Gartenstühle und zahlte die Straßenreinigungskosten.

Der 760 Quadratmeter große Garten erblühte und bot vielen Menschen Platz, um in eigenen kleinen Parzellen etwas Obst und Gemüse anzubauen. Die Früchte der Bäume wurden gemeinsam geerntet, es gab eine Spielweise für Kinder und es wurde zusammen gearbeitet, gegessen, geredet und gefeiert. Familien aus unterschiedlichen Ländern machten mit, Kinder und Senioren, Gartenexperten und Laien. Eine syrische Familie zog Pflanzen aus ihrer Heimat groß. Eine Seniorin, der ihr eigener Garten zu viel Arbeit geworden war, kümmerte sich um ein Beet. Das Projekt Kopfstütze der Torhorstschule brachte Jugendliche mit der Natur zusammen. Sie pflanzten Bäume und gruben Beete um.

Das Evangelische Bildungswerk organisierte viele Veranstaltungen, unter anderem mit Pädagogikstudenten, mit dem damals designierten Stiftungsdirektor Axel Drecoll und dem neu ins Amt gewählten Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, diskutierte im Garten ebenso wie der Künstler Rainer Opolkoa, der seine bildgewaltigen Wölfe vorm Schloss aufgestellt hatte, ebenso der Landtagsabgeordneten SPD-Björn Lüttmann und die Oranienburger Künstlerin Sveta Esser.

Doch all dieses emsigen Gartentreiben hat nun ein Ende. Vergangenes Jahr sprang das Evangelische Bildungswerk als Träger ab. Es dauerte lange, bis die Volkssolidarität für die Trägerschaft gewonnen werden konnte. Die Betreuung durch die ehemalige Honorarkraft Joachim Richter-Geißler, der maßgeblich zum Gelingen des Gartens beigetragen hatte, fehlt dem Projekt. Als die Stadt angekündigte, dass der Garten auf Kampfmittel abgesucht werden müsse, nahmen die Gärtner das noch praktisch und mit Humor: "Brauchen wir weniger umzugraben."

Vertrag nicht verlängert

Doch die Stadt verlängerte den Nutzungsvertrag nicht. Obwohl die von ihr verfolgten Pläne zur Bebauung dieser einmaligen innerstädtisches Kleingärten noch ein ferner Zukunftstraum sind. Die Stadtverordneten haben den Beschluss für einen Ideenwettbewerb schon zweimal verworfen. Nun werden sie im Mai erneut entscheiden. Die Flächen sollen nicht so bleiben wie sie sind, obwohl an vielen anderen Brachen in der Stadt dringenderer Handlungsbedarf besteht.

Bis zu endgültigen Veränderungen, wäre noch eine lange Zwischennutzung des Gartens und damit eine Ernte aus dem Einsatz der vergangenen Jahre möglich. Dennoch bleibt die Gartenpforte verschlossen. Die für frühestens im kommenden Jahr nutzbare Alternative in Sachsenhausen würde wohl kaum noch von Menschen in der Mittelstadt besucht. Dagegen haben die meisten Sachsenhausener einen eigenen Garten.

Nun verweist der Bürgermeister auch noch auf die Corona-Abstandsregeln, die das gemeinschaftliche Gärtnern unmöglich machten. Dabei wird überall in Gemeinschaftsgärten weiterhin gegärtnert. Es finden lediglich keine Vereinstätigkeiten statt. Beete können aber bestellt und Pflanzen gegossen werden. Deshalb sind ja auch die Gartencenter geöffnet und werden regelrecht überrannt.

Im Bürgergarten wachsen Obstbäume und viele mehrjährige Pflanzen, die in den vergangenen Jahren groß gezogen wurden. Gartenerfolg kennt keine Pausen. Ein Garten kann auch nicht einfach umgesiedelt werden. Schon gar nicht kann man ein Projekt eine Saison oder länger ausfallen lassen. Bis dieses Pflänzchen Bürgergarten wieder blüht, wird es lange dauern. Es sei denn, die Scholle am Fischerweg wird doch wieder aufgemacht. Denn so funktionieren viele Gemeinschaftsgärten: Sie sind Zwischennutzer, manchmal auch nur für ein Jahr. So werden Brachen vermieden. Und gleichzeitig tragen die begrünten Flächen zu Erholung, frischer Luft und Artenvielfalt bei. Die Idee, grüne Gärten zu versiegeln, ist aus der Zeit gefallen. Gärtnern ist dagegen in. Und alle Gartenbesitzer  werden gerade zu Coronazeiten von denjenigen beneidet, die kein Gartenglück ihr eigen nennen können.

Update: Die Linke fordert den Erhalt des Oranienburger Bürgergartens

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