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Risse von Wild bei Grieben und Linde durch Wolf

Ein Reh liegt gerissen auf einem Feld.
Ein Reh liegt gerissen auf einem Feld. © Foto: Screenshot/Video
Volkmar Ernst / 19.05.2020, 16:07 Uhr - Aktualisiert 20.05.2020, 07:32
Oberhavel/Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Immer wieder werden zwischen Herzberg und Grieben/Linde Kadaver von Wild- und Nutztieren gefunden.

Dass sich in der Rüthnick-Griebener Heide ein Wolfsrudel angesiedelt hat, ist kein Geheimnis. Doch nun mehren sich die Hinweise, dass die Tiere bei ihrer Nahrungssuche bis an die Ortschaften herankommen, und klar, haben die Menschen Angst vor den Wölfen. Immer wieder werden Kadaver von Dam-Wild gefunden, die auf den Wolf als Angreifer hinweisen. Sogar vor Nutztieren, ob Rinder, Ziegen oder Schafe, macht Meister Isegrim nicht Halt. Die Zahlen dazu variieren stark. Fünf bis sechs gefundene Kadaver von Dam-Wild zwischen Herzberg, Grieben und Linde werden von Anwohnern und den Sachverständigen beim Land gleichermaßen bestätigt.

Ohne die Angriffe auf die Nutztiere zu entschuldigen, verweist Dr. Robert Franck, der Wolfssachverständige des Landes Brandenburg für den Landkreis Oberhavel, jedoch darauf, dass der Wolf eben nicht zwischen Wild- und Nutztieren unterscheiden kann. Für ihn gelte allein, dass er Hunger habe und diesen stillen möchte. Mehr denn je gerade jetzt, da der Wolf für seinen Nachwuchs sorgen müsse.

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Dass sich die Tiere sogar bis an die Ortschaften heranwagen würden, sei natürlich, da sie mit Straßen, Fahrzeugen und auch Häusern aufwachsen, dies alles sei ihnen bekannt, also hätten sie davor keine Angst. Dennoch würde der Wolf den Menschen nicht als Wild oder Nahrungsquelle sehen, so der Fachmann weiter. Vielmehr erkenne der Wolf den Menschen wie auch beispielsweise einen Bären als gleichrangigen Partner an. Deshalb scheide er als Angriffsziel für ihn aus. Dieses Wissen sei dem Wolf zwar nicht angeboren, doch seit frühester Jugend sozusagen anerzogen. Denn was stehe bei Familie Wolf auf der Speisekarte? fragt Dr. Franck und erklärt: Reh und Hirsch, und wieder Reh und Hirsch, manchmal auch ein Hase oder ein Fuchs, aber meist eben Reh und Hirsch. Mensch gibt es da nicht, der sei tabu.

Das gelte gleichermaßen für den Hund, den ein Wolf niemals angreifen würde, um seinen Hunger zu stillen. Vielmehr handele es sich dabei um einen Revierkampf, das heißt, dass der Wolf den Hund als Rivalen ansieht und deshalb darauf bedacht ist, ihn wegzujagen. Ein Konkurrent bei der Nahrungssuche weniger.

Dennoch sei immer Vorsicht geboten, so Franck weiter. Denn der Wolf sei nun einmal ein Raubtier, und diesen sei allgemein mit Respekt zu begegnen. In der Regel würden Wölfe jedoch nachts jagen, insofern sei eine Begegnung mit ihm bei einem Waldbesuch eher zufällig. So wie Spaziergänger im Wald auch einem Reh begegnen könnten, sei das auch mit dem Wolf der Fall. Wie das Reh habe auch der Wolf einen ausgeprägten Geruchssinn und erkenne Fremde im Wald. Im Gegensatz zum Reh, das meist sofort die Flucht ergreife, tue das Meister Isegrim jedoch nicht. Vielmehr warte der nach dem Motto ab: "Tust du mir nichts, dann ist auch Platz für uns zwei. Komme der Mensch näher, handle der Wolf aber eher nach dem Grundsatz, ab durch die Mitte.

Dass die Landwirte keinesfalls davon begeistert sind, wenn Nutztiere gerissen werden, kann Dr. Franck nachvollziehen. "Aber wenn wir den Wolf wollen, dann müssen wir das in Kauf nehmen", so seinen klare Ansage, die er jedoch mit dem Hinweis ergänzt. "Hier geht es nicht darum, den Umwelt- und Naturschutz gegen die Landwirtschaft auszuspielen. Vielmehr müssen wir einen Weg finden, wie die Landwirte angemessen entschädigt werden."

Was ihn ärgert, das sind solche Zeitgenossen, die sogar Wölfe mit Fleisch anfüttern, nur um ein Foto von den Tieren machen zu können. "Das geht gar nicht", so das klare Statement von Robert Franck dazu. Wichtig ist noch einmal der Hinweis, dass ihm bislang keine Angriffe von Wölfen auf Menschen in Deutschland bekannt sind.

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