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Streudienst
"Langweiligster Winterdienst aller Zeiten" in der Uckermark

Dietmar Rietz / 10.04.2020, 02:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Draußen strahlt die Sonne. Wer will da noch an Winter denken? Lutz Ludwig (56),  Leiter der Abteilung Kommunalstraßen in Schwedt, fällt er wieder ein, wenn er das bis unters Dach gefüllte Streugutlager auf dem Betriebshof sieht.

"Es war der langweiligste Winter aller Zeiten", sagt er. "Jedenfalls während meiner Amtszeit." Ludwig macht den Job seit 2016. Seitdem organisierte er Straßenreparaturen, Baumfällungen, Verkehrsbeschilderungen und Winterdienst in Schwedt und zehn Ortsteilen. "Erst am 30. März hatten wir mal starkes Schneetreiben. Zützen und Criewen zum Beispiel waren  an diesem Tag einen Moment zuckerweiß."

Wegen Reifglätte am Morgen waren die Schwedter Winterdienstler öfter im Einsatz oder wenn der Regen auf die bis zum Gefrierpunkt abgekühlten Straßen fiel, dort gefror. Auf den Straßen des städtischen Außenrings wird es – wenn der Frost sich verbeißt – in der Regel zuerst glatt. Die Straße Am Waldrand ist eines der Sorgenkinder im Winter.

Aber das war diesmal keine große Sache, meint Ludwig.  Die Spätschicht wurde kaum gebraucht. Dafür war der Frühdienst ab 4 Uhr unterwegs, um bis 7 Uhr die wichtigsten Straßen abzustumpfen. Von den 160 bis 170 Kilometern des Stadtstraßennetzes  ist die Straßenmeisterei auf 77 für die Verkehrssicherheit im Winter zuständig. Das schließt die Ortsteile Vierraden, Gatow und Heinersdorf ein. In anderen Dörfern sind externe Dienstleister als Vertragspartner am Werk. In Criewen ist der Winterdienst Aufgabe des Gemeindearbeiters. Auch der Landesbetrieb Straßenwesen fährt bei Schnee oder Eis auf einigen Schwedter Straßen.

Um die 1000 Tonnen hatte die Abteilung Kommunalstraßen Ende Oktober für Schwedt und die Ortsteile eingebunkert, um Winterbereitschaft herzustellen. Rund 800 Tonnen liegen noch unterm Schleppdach und einigen Lagerplätzen auf den Dörfern.

Winterschlaf für den Winterdienst?  "Nie und nimmer", wehrt Ludwig ab. "Wir hatten alle Hände voll zu tun." Geh- und Radwege bauen, Straßengrün und Totholz schneiden, Hof aufräumen, Technik warten und reparieren, Wege planieren.

Alle Hände voll zu tun

Mit dem Start ins Frühjahr wechselten die Männer aus der Abteilung Kommunalstraßen zu einer Wegebaustelle in Zützen und einer in der Karthausstraße. Stellflächen für Container sind herzustellen und Spielgeräte, die ausgetauscht werden, zu demontieren und ordnungsgemäß zu entsorgen. Auf dem Plan steht noch Radwegebau entlang der Teichmannstraße, ein Lückenschluss im Radwegenetz der Stadt. Vom Heinersdorfer Damm bis zur Auguststraße ist er asphaltiert. An der Kreuzung Teichmannstraße startet die Radwegverlängerung bis zum Landgrabenhain, Höhe Übergang zum Seepferdchenring.

Ein echtes Weichei

Obwohl der letzte Winter ein echtes Weichei war, gehen die Winterdienstler mit dem Patcher im Sommer auf Tour, denn es gibt trotzdem Frost- und Tauschäden, Schlaglöcher, Risse oder Ausmagerungen der Deckschichten. Das sind Schäden an bituminösen Fahrbahndecken. Mit dem Patcher wird gleichzeitig ein Splitt- und Emulsions-Gemisch auf der Fahrbahn aufgebracht. So lassen sich Schäden schnell und nachhaltig reparieren, die Verkehrssicherheit bleibt erhalten und der Belag wird saniert. "Am Ende haben wir wieder schlaglochfreie, ebene Straßen und Radwege", sagt Ludwig.

"Aber wir könnten mal wieder einen richtigen Winter gebrauchen mit Schnee und Frost", meint er auch. "Wir sind bereit dafür." Der Mann  ist eben auch Chef des Winterdienstes. Aber dafür braucht die Truppe einen neuen Unimog als Winterdienstfahrzeug.  Der hat gute Dienste geleistet, ist aber Baujahr 2006. Gut gepflegt, aber eben schon 14 Jahre alt.

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