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Ehemalige beraten
Tipps für die Zeit nach dem Abitur

Ein Wiedersehen mit Lehrerin Delia Borsum (Mitte): Alexander Hinz und Susanne Hübsch gehören zu den Ex-Abiturienten, die Ratschläge für die Zeit nach der Schulausbildung geben.
Ein Wiedersehen mit Lehrerin Delia Borsum (Mitte): Alexander Hinz und Susanne Hübsch gehören zu den Ex-Abiturienten, die Ratschläge für die Zeit nach der Schulausbildung geben. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 20.12.2019, 19:00 Uhr
Velten (MOZ) Für Elftklässler des Hedwig-Bollhagen-Gymnasiums, die bis kurz vor Weihnachten noch nicht wissen, wie es nach dem Abitur in eineinhalb Jahren weitergehen soll, bietet der letzte Schultag vor den heute beginnenden Ferien so eine Art Strohhalm. Ehemalige Schüler kommen in ihre Penne, um von ihren Erfahrungen auf den Weg ins Berufsleben zu berichten und Tipps zu geben?

2015 hatte Conrad Guhl den Anstoß für diesen besonderen Zukunftstag gegeben. "Ich wusste früh, was ich will", blickt der Ex-Veltener auf seine Schulzeit zurück, die 2009 mit dem Abitur endete. Er verfolgte einen gradlinigen Weg: Studium der Materialwissenschaften in Jena, Doktoranden-Zeit in Darmstadt, dann der erste Job in Dresden.

Drei Tipps für die Entscheidung

Dennoch weiß er, wie schwer die Entscheidung fallen kann, mit der die Weichen fürs Leben gestellt werden. Drei Ratschläge, so meint er, können dabei helfen. Erst einmal müsse klar sein, ob ein Studium oder eher eine Berufsausbildung das Richtige ist. "Beides ist gleichwertig", argumentiert Guhl. Er habe Kommilitonen erlebt, die sich nach dem vierten oder fünften Semester eingestanden, dass die Welt der Universität nichts für sie ist.

Sein zweiter Rat: "Man muss sich fragen, was man mit seinem Leben bewegen, was man erreichen will." Er selbst habe sich vorgenommen, "ein klein bisschen zum Fortschritt der Welt beitragen" zu wollen. Auf diesem Weg habe er in Studium und Promotion durchaus auch frustrierende Situationen erlebt. Deshalb sei es für manchen besser, sich die wirkliche Begabung einzugestehen: "Wer etwas Sichtbares schaffen will, für den ist vielleicht das Tischlerhandwerk das Beste. Es geht schließlich immer darum, mit dem künftigen Beruf glücklich zu werden." Wer studieren wolle, ohne dass ihm sofort eine Fachrichtung einfällt, für den hält der Neu-Dresdener seinen letzten Rat parat: "Welche zwei Fächer machen mir in der Schule am meisten Spaß? Wie kann ich die miteinander kombinieren?"

Alexander Hinz hat sich für ein duales Studium entschieden. Nach seinem Abitur im vorigen Jahr schrieb er sich an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht für BWL ein und wählte den Schwerpunkt Steuern und Prüfwesen. Der duale Studiengang hat den Vorteil, dass der Student an ein Unternehmen gebunden ist und alle drei Monate dort die Praxis des künftigen Berufs erlebt. Ihm gefällt die Verbindung zur Arbeitswelt. Er räumt aber ein: "Ehrlich gesagt, dieser Praxisbezug ist sehr anstrengend. Ich hätte gern mehr Freizeit." Die Freiheit, sich in den Semesterferien mal eine längere Auszeit zu gönnen, hat er nicht.

Für Susanne Hübsch ist der Besuch ihrer ehemaligen Schule eine Art Werbetour. "Wir brauchen dringend Nachwuchs", erzählt die Physiotherapeutin aus dem Alltag der Veltener Praxis, in der sie größtenteils arbeitet. Die Entscheidung für diesen Beruf habe sie nie bereut: "Ich bin da eine Überzeugungstäterin, auch wenn ich von dem Job nicht reich werde."

Vielleicht sind die Chancen gar nicht so schlecht, Interesse für diesen Beruf zu wecken. Denn Lehrerin Delia Borsum, die für die Organisation dieses Tages der Berufs- und Studieninformation den Hut mit  aufhat, stellt in jüngster Zeit fest: "Das Verhältnis zwischen Studium und Berufsausbildung kippt im Moment." Mittlerweile sei es etwa jeder Dritte, der den Ausbildungsbetrieb einem Studium vorzieht.

Für die Lehrerin für Biologie und Chemie ist dieser Tag auch immer einer der Wiedersehensfreude. Genauso geht es auch Susanne Hübsch: "Der Besuch hier ist wie ein Nachhausekommen. Das Gymnasium hat eine familiäre Atmosphäre. Wie ihr ehemaliger Mitschüler Conrad Guhl hat Hübsch vor zehn Jahren das Abi­tur abgelegt. Mittlerweile sind sie die alten Hasen. Der Material­wissenschaftler scherzt: "Wir kommen langsam in das Alter der Opas aus der Muppet-Show. Demnächst setzen wir uns auch an die Seite, lästern und geben schlaue Kommentare ab."

Von der Ideezur Tradition

Nach seiner Schulzeit kam Conrad Guhl zurück in sein Gymnasium, um von seinen Studienerfahrungen zu berichten. Doch nicht jeden interessiert die Fachrichtung Materialwissenschaften. Daraufhin kam er auf die Idee, einen Tag zu organisieren, der umfassend über Studien- und Berufsmöglichkeiten informiert. Seit 2015 gibt es für Elftklässler diese Aktion.⇥rol

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