Gegen den Protest von Einwohnern ist im Casekower Ortsteil Blumberg ein 60 Meter hoher Polizeifunkmast errichtet worden. Ein Ortstermin mit dem Petitionsausschuss des Bundestages wurde kurzfristig abgesagt. Der Funkmast Blumberg scheint eine unendliche Geschichte zu sein.
Blumberger befürchteten, der Turm verletze den Denkmalschutz von Kirche und Schlossanlage. Nun schafft der bleistiftdünne Mast vollendete Tatsachen. Der Stromversorger eon.Edis muss ihn nur noch anschließen. Dann könnte er seine Arbeit für den digitalen Funkbetrieb der Brandenburger Polizei aufnehmen. Rettungskräfte wie Polizei und Feuerwehr müssten nicht mehr über Analogfunk arbeiten und könnten während des Einsatzes miteinander kommunizieren.
Soweit der Vorteil. Doch für den digitalen Funkbetrieb sind Türme notwendig, die sich in einem exakt ausgezirkelten Netz über das ganze Land verteilen. Das kleine Dorf Blumberg fällt genau in diese Netzkoordinaten.
Die Suche nach einem Standort für den Mast im direkten Umkreis des Ortes hat drei Jahre gedauert. Angesichts von Einwohnerversammlungen und Vor-Ort-Begehungen versichert der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann: "Das Verfahren ist rechtsfehlerfrei gelaufen."
Ein Beschluss der Gemeindevertretung Casekow hatte schließlich grünes Licht für den Standort in der Nähe des ehemaligen volkseigenen Gutes gegeben. Doch 137 Blumberger sprachen sich mit ihrer Unterschrift gegen den Funkmast aus. Sie fürchteten, dass der Riesenspargel den Anblick der denkmalgeschützten Kirche und der Schlossanlage verschandelt. Sie wandten sich sogar an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.
"Wir haben das Infrastrukturministerium in Potsdam gebeten, die Zustimmung zum Bau vorläufig auszusetzen, damit der Petitionsausschuss sich ein Bild machen kann, bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden", sagt Erimar von der Osten, der mit seiner Familie Land- und Forstwirtschaft in Blumberg betreibt und die historische Schlossanlage liebevoll wieder aufgebaut hat. "Leider hat uns das Ministerium abschlägig beschieden."
Im März wurde mit den Bauarbeiten am Funkturm begonnen. Zu allem Unglück für die Protestierenden hat auch der Petitionsausschuss des Bundestages mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und SPD seinen Ortstermin in Blumberg abgesagt. "Dass ein bereits beschlossener Ortstermin nachträglich wieder abgesetzt wird, ist ein skandalöser Vorgang. Der Ausschuss stiehlt sich aus seiner Verantwortung", sagt Bundestagsabgeordnete Sabine Stüber. Sie ist Berichterstatterin der Fraktion Die Linke für diese Petition.
Der Ausschuss habe die Absage des Termins mit neuen Erkenntnissen begründet. Demnach sei eine Bundeszuständigkeit nicht vorhanden, da die Bundesrepublik die Kompetenz für die Standortsuche an das Land Brandenburg abgegeben habe.
Ein Ortstermin dieses Bundestagsausschusses war indes dem Gartzer Amtsdirektor gar nicht bekannt. "Wenn der Ausschuss so einen Termin plant, dann werden wir doch informiert", setzt Gotzmann voraus.
Die Sorgen der Funkmastgegner werden indes nicht von allen Blumbergern geteilt. Ortsvorsteher Peter Preuß kann durch den Turm keine Beeinträchtigung des Denkmalschutzes erkennen. "Der Turm ist ja recht dünn. Sein Anblick verstellt nicht die Sichtachsen auf die Kirche und auf unsere Dorfmitte. Das sehen auch andere Bürger so, mit denen ich gesprochen habe", sagt er.
Für Erimar von der Osten ist jedoch klar: "Gemeindevertreter haben dem Druck nicht standgehalten, den die Landesbehörde hier bei der Standortwahl aufgebaut hat. Wir haben gehofft, dass man die Betroffenen viel mehr mit einbezieht, und das sind wir, weil wir ein Denkmal unterhalten." Seiner Meinung nach hätte es einen Standort für den Funkmast geben können, der die Belange des Denkmalschutzes nicht verletzt.
In einem Punkt dürften sich die Blumberger einig sein: Egal, wo der Funkturm steht, er wird von überall her gesehen.