"Heute Abend soll kräftiger Regen kommen", freut sich Ralf Molzahn. Noch sind es aber 25 Grad und Sonne. Nicht gut für den Tabak, der freut sich über den Regen von oben. Seit vergangener Woche sind die Tabakpflanzen im Boden.
Der 38-Jährige Geschäftsführer von Uckermark-Tabak ist im Stress. Im Juni beginnt die Tabakernte, jetzt wird schon alles vorbereitet. 40 Helfer hat er zur Ernte. Die Saisonarbeiter kommen aus Polen, Rumänien, aber auch aus Deutschland. 160 Tonnen ernteten sie in der vergangenen Saison, 70 Prozent davon waren Qualitätsklasse I.
"Bei der Ernte arbeiten wir 16 Stunden am Stück, sieben Tage die Woche. Das ist hart. Und Stress pur." Ein Vierteljahr geht das so, bis der erste Frost kommt. Dabei hat er eine Familie, zwei Kinder. "Die sehe ich in dieser Zeit überhaupt nicht mehr", erzählt er. Stress hat er aber auch, weil er nicht weiß, wie es weitergeht. Zum Ende des Jahres fallen die Subventionen für den Tabakanbau vollständig weg. Das waren bisher 2,40 Euro pro Kilo. Viel Geld, denn seinen Tabak der Qualitätsklasse I verkauft er für nur 1,60 Euro je Kilo an die Firma Süd-Tabak in Baden-Württemberg. Ohne die Subventionen lohnt es sich definitiv nicht mehr, sagt er. "Dann machen wir dicht zum Ende des Jahres", sagt Ralf Molzahn entschieden.
Damit wäre auch der Tabakanbau in der Uckermark vorbei, denn neben der großen Uckermark-Tabak-Gesellschaft gibt es nur noch einen weiteren ganz kleinen Anbauer bei Templin. Vorbei wäre damit eine Tradition seit dem 17. Jahrhundert, als die Hugenotten die Pflanze in die Region brachten. "Das wäre schade für die ganze Stadt,", sagt Molzahn, "auch zum Beispiel für das Tabakblütenfest."
Noch gibt es aber Hoffnung. "Wir sind in Verhandlungen mit der Firma. Sie müssen die Zuschüsse übernehmen", sagt er. Das heißt, die Ankäufer müssten rund 5 Euro pro Kilo zahlen. "Damit könnten wir leben", so der 38-Jährige. Die Erzeugergemeinschaft der Tabakbauern verhandelt derzeit mit den Firmen. "Diese haben uns aber angedeutet, dass sie unseren Tabak brauchen und weiter daran interessiert sind", sagt er. Mit einem Ergebnis rechnet Ralf Molzahn aber nicht vor Ende des Jahres. Da bereitet er schon längst die nächste Saison vor, es wird ihm nichts anderes übrig bleiben, auch wenn er in eine sehr ungewisse Zukunft schaut.
Jetzt ist aber erst einmal keine Zeit für solche Gedanken. Noch vier Wochen bis zur Ernte. Das heißt beim Tabak immer noch harte Handarbeit. Die Tabakpflanzen schmieren und kleben, das geht nur mit Gummihandschuhen. Achtmal gehen die Erntehelfer durch die Reihen. "Und irgendwann es ist auch kalt, es regnet", erzählt er. Eine Maschine hilft nur beim Sammeln der Blätter. Tabakblätter reifen nacheinander. Geerntet werden maximal drei Blatt pro Durchgang. "Reif ist es, wenn es lindgrün mit einer weißen Rippe ist. So erkläre ich es immer meinen Erntehelfern", sagt Molzahn.
Fast alle Kleinbauern hätten inzwischen aufgegeben, sagt er, für sie lohne es sich nicht mehr. Früher, zu DDR-Zeiten, habe fast jeder Tabak nebenbei angebaut. Das habe sich richtig gelohnt. Auf etwa 700 Hektar, sagt er, wurde damals die Pflanze angebaut. Heute sind es in Ostdeutschland nur noch 350 Hektar.