Pikanterweise gehören gleich mehrere Unternehmen der Region zu den Gegnern der Freileitung, die von Bertikow bei Prenzlau quer durch Uckermark und Barnim bis nach Neuenhagen bei Berlin führen soll. Die von der Firma 50 Hertz Transmission geplante Investition trifft demnach nicht nur bei der Telekom auf wenig Gegenliebe, sondern auch bei der Schwedter PCK Raffinerie. Nach Angaben der Bürgerinitiative „Biosphäre unter Strom – Keine Freileitung durchs Reservat“ soll das Erdölwerk in seiner Stellungnahme Bedenken wegen des Verlade-Bahnhofs Stendell angemeldet haben.
Doch betroffen sind weitere Unternehmen, die sich teilweise überhaupt nicht mit den neuen Riesenmasten abfinden wollen. Kommt die Leitung zustande, führt sie an allen Choriner Hotels vorüber, am Ökohof Brodowin, am Milchbetrieb Hemme in Schmargendorf, an der Angermünder Mosterei Klimmek, am Gut Kerkow sowie am Landwirtschaftsbetrieb Mürow. Und am Nabu-Informationszentrum Blumberger Mühle. „Die Unternehmen haben Angst, dass sie durch die Freileitung in ihrer Entwicklung behindert werden“, so Gunnar Hemme, Sprecher der Bürgerinitiative. Daher würden sie gemeinsam Klage gegen eine mögliche Genehmigung der Freileitung einreichen. Man hält die Trassenführung für grundsätzlich falsch und nicht genehmigungsfähig, da sie gleich mehrere Schutzgebiete überquert und sogar mitten durch die Stadt Eberswalde führt.
Als hilfreich in dem seit Monaten schwelenden Konflikt betrachte die Bundestagsabgeordnete Sabine Stüber (Die Linke) ein brandenburgisches Erdkabelgesetz. Eine solche Initiative haben die Grünen und die FDP eingebracht. „Hier könnte, wie in Niedersachsen, eine Querung von Schutzgebieten durch eine Höchstspannungsleitung als nicht genehmigungsfähig eingestuft werden“, so Sabine Stüber.
Im Wirtschaftsministerium favorisiert man jedoch offenbar eine bundeseinheitliche Regelung durch eine Präzisierung des Energieleitungsausbaugesetzes. Darin sehen die Gegner der Uckermark-Trasse aber wenig Chancen, da Brandenburg mit seinem Ansinnen einer Erdverkabelung bereits scheiterte.
Die Uckermark-SPD warnt jedoch vor zu großen Hoffnungen. Selbst bei einer Erdverkabelung wäre die Trasse deutlich in der Landschaft sichtbar, so Olaf Theiß aus dem Angermünder Bürgerbüro von Matthias Platzeck. Ein 30 Meter breiter Streifen müsse ohnehin frei gehalten werden. Hinzu kämen Betoneinstiegsschächte in regelmäßigen Abständen. Theiß hält die Abstände zu den Örtlichkeiten generell für zu gering.
Jetzt haben alle Betroffenen eine Resolution unterschrieben. Sie richtet sich an die Landespolitik und verlangt, dass Menschen und Biosphäre vor den Auswirkungen einer möglichen Freileitung geschützt werden.