Schnell erkennt jeder Kraftfahrer im Stau, dass etwas mit der Baustellenampel nicht stimmen kann. In einer Grünphase kommen nur drei oder vier Autos oder Lkw Richtung Berlin durch, obwohl der Stau bis Angermünde reicht. Nach zehn Sekunden schaltet die Ampel rot, als wäre die Straße frei. Der Verkehr aus Eberswalde und Joachimsthal kommend läuft hingegen gut. Seit Mittwoch voriger Woche ist der zuständige Landesbetrieb Straßenwesen darüber informiert, dass die verkehrsabhängige Schaltung nicht funktioniert. Fünf Tage später behauptete der Landesbetrieb noch immer, dass die Ampel korrekt für jede Richtung bis zu 50 Sekunden Grün schalte.
Erst Montagabend räumte der Betrieb nach einer Vorort-Besichtigung endlich ein, dass der Sig-nalgeber der Ampel den Stau nicht voll erfasse, wenn Autos in der Schlange nicht nahtlos anfahren oder schon zu früh auf die Gegenfahrbahn biegen. Die Schaltzeit war so kurz eingestellt, dass kleine Lücken als Stauende erkannt wurden.
Unsanierte Kreisstraße
Während der Landesbetrieb das als unvermeidbare Wartezeiten abtat, die nun mal entstehen, wenn die Region den Bau unter halbseitiger Sperrung verlange, hatte die Fehleinstellung der Ampel fatale Auswirkungen für Betroffene. Lastwagen hatten längere Fahrzeiten und Kosten, Menschen kamen zu spät zur Arbeit. Weil unklar war, wie lange man an der Ampel steht, suchten viele nach Ausweichstrecken, die zerfahren wurden oder verstopften. Das Ausweichen hat keinen Sinn. Angermünder und Schwedter, die zur Autobahn wollen, könnten alternativ in Pfingstberg auf die A 11 fahren. Doch da droht noch größeres Unheil. Auf sechs Kilometer einspuriger Strecke an der Baustelle zwischen Pfingstberg und Joachimsthal geht vor allem am Wochenende so gut wie nichts mehr. Auch aus Richtung Ostsee sucht die Blechlawine Umwege über die B 198 und landet direkt im Rückstau am Ziethener Kreuz. Manche Autofahrer schlagen sich ab Pfingstberg über Ringenwalde gen Süden durch. Doch gibt es hier bereits Anwohnerproteste über den starken Ausweichverkehr. Einheimische und Ausflügler haben die Straße über Altkünkendorf, Grumsin und Althüttendorf wiederentdeckt. Das war schon vor etlichen Jahren der Fall, als die B 198 über 15 Monate gesperrt war. Sie führt von hinten zur Anschlussstelle Joachimsthal. Am Wochenende reihten sich hier Stoßstange an Stoßstange von rückkehrenden Berlinern. Der Zustand der Straße kann nur als katastrophal beschrieben werden. Die Schäden von damals sind nicht behoben worden. Die Kreisstraße ist dringend sanierungsbedürftig. Jedoch kann das nicht geschehen, solange auf den Parallelstrecken gebaut wird. Sonst wäre wirklich alles dicht.
Protest aus Schwedt
Der Landesbetrieb hat in einer Stellungnahme versprochen, auf die längeren Staus der vergangenen Tage zu reagieren. Er will Verkehrszählungen durchführen, die Signalzeiten an die Verkehrssituation anpassen und die Umlaufzeit der Grünphase erweitern. Wann, hat er nicht gesagt. Die Stadt Schwedt hat indes Protest angekündigt. Nachdem auch der Vorsitzende der Stadtverordneten, Hans-Joachim Höppner, und Bürgermeister Jürgen Polzehl eine beziehungsweise eine dreiviertel Stunde im Stau Richtung Berlin standen, haben beide zur Stadtverordnetensitzung am Donnerstag ein Schreiben an das Verkehrsministerium  vorbereitet. Darin wird gefordert werden, die  Grünphase Richtung Berlin deutlich zu verlängern.