Doch die Baufirmen haben es auf dem sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen Pfingstberg und Joachimsthal schwer. Durch das Biosphärenreservat ist hier der Querschnitt der Autobahn kleiner als gewöhnlich. Obwohl die gesamte Richtungsfahrbahn Berlin in diesem Bereich gesperrt ist und der Verkehr über die Gegenseite läuft, herrscht akute Platznot. Das behindert und verzögert den Bau. Die Lastwagen können nicht neben der Baustelle fahren, müssen teilweise lange Strecken rückwärts bis zu den Maschinen rangieren. Das gebrochene Material lagert auf der eigentlichen Baustelle, weil es Anwohnerbeschwerden gab, als der Brecher in Althüttendorf stand. Neben den langen Trümmerhaufen aus Beton bleiben nun Fahrspuren frei, um zur Baustelle zu kommen. Das alles kostet Geld, Zeit und Nerven. "Ich hoffe, dass wir mit der Baustelle Ende des Jahres soweit fertig sind, dass die jetzige Verkehrsführung wieder aufgehoben werden kann", sagt Lars Kähler, Autobahnmeister von Gramzow.
Denn hinzu kommen die teils gravierenden Staus jeweils von Freitag bis Sonntag durch den starken Urlaubsverkehr Richtung Ostsee. Durch Corona gab es anfangs weniger Blechlawinen, nun aber ist die Ostsee offenbar eines der wichtigsten Ausweichziele in den Ferien. Am Wochenende staut es sich daher sogar auf den Nebenstrecken und bis zur A 20 hoch.

Moorlinse muss verschwinden

Die enge einspurige Verkehrsführung in Richtung Berlin macht Lars Kähler zu schaffen. Sollte es im Winter diesmal Schnee geben, bekommt er Schwierigkeiten mit den Pflügen. Die modernen sind zu breit. Von den älteren schmaleren Modellen stehen aber nur noch drei zur Verfügung. Und die benötigt er für das zweite noch längere Nadelöhr auf der A 11 bei Wollin. Dort herrscht Bauverzug durch eine Moorlinse im Untergrund. Die war zwar schon lange bekannt, doch sorgt sie nun für einen ungeheuren technischen Aufwand. Weil die Baustellenplaner den daneben befindlichen See nicht gefährden wollten, mussten sie nun die Moorlinse ausbaggern. Sonst wäre der an dieser Stelle zehn Meter hohe Autobahndamm ins Rutschen gekommen. Schon in der Vergangenheit hatte es hier solche Erscheinungen gegeben. Also wurde nun der Damm mit Spundwänden abgesichert. Der Untergrund muss auf einer Länge von 100 Metern, einer Breite von 20 Metern und einer Tiefe von 6 Metern ausgetauscht werden.

Starker Zeitverzug

Mit Spezialtechnik geht es hier jetzt vorwärts. Allerdings sollte der gesamte Abschnitt schon Ende November fertig sein. Davon ist nun keine Rede mehr. "Ich bin aber optimistisch, dass wir es jetzt bis zum Sommer 2021 schaffen", so Lars Kähler. Zwischen Kilometer 89 und 81 (Kreuz Uckermark bis Schmölln) wird auch noch auf beiden Seiten gebaut. Einmal sind es sieben Kilometer und einmal drei Kilometer. Allerdings entsteht kaum Stau, weil der Verkehr ab dem Kreuz Uckermark in Richtung Stettin und zurück deutlich geringer ausfällt als zur Ostsee über die A 20.
Positiv für die Sicherheit der Autofahrer: Wo die A 11 grundhaft ausgebaut ist, gibt es dann auch ausreichend Standstreifen. Es ist vorgesehen, später den Verkehr auf der fertigen Strecke voraussichtlich ohne Tempobegrenzung freizugeben.

Staus am Wochenende

Aufgrund des starken Reiseverkehrs auf der A 11 zur Ostsee und zurück ist auch in den nächsten Wochen mit Staus jeweils am Freitag, Sonnabend und Sonntag zu rechnen. Ursache ist vor allem die rund sechs Kilometer lange Baustelle zwischen Pfingstberg und Joachimsthal. In diesem Bereich stehen in Fahrtrichtung Norden zwei eingeschränkte Fahrstreifen zur Verfügung. In Richtung Berlin können Autofahrer nur einen Streifen nutzen. Daher sollten Verkehrsteilnehmer sich rechtzeitig über das Verkehrsaufkommen informieren und gegebenenfalls vorher von der Autobahn abfahren. Eine Umleitung verläuft schon ab der Autobahn 20 in Höhe Prenzlau-Ost und dann weiter über die Bundesstraßen. Viele Reisende fahren auch an der Anschlussstelle Gramzow ab und dann weiter über die B 198 über Angermünde und Joachimsthal. Allerdings kann es in Greiffenberg wie auch an der Ampelkreuzung in Angermünde zu Behinderungen kommen. Außerdem ist eine Baustelle auf der B 198 in Kerkow bereits angekündigt. Ebenso genutzt wird die Abfahrt Pfingstberg kurz vor der Baustelle. Auch von dort geht es weiter über Greiffenberg und Angermünde oder über Ringenwalde nach Joachimsthal und dort wieder auf die A 11.  os