Seit rund einem Jahr bleibt die Glocke im Schöneberger Speicher stumm. Wegen bautechnischer Probleme darf sie nicht mehr geläutet werden. Vor anderthalb Jahren waren Fundamente in dem jahrhundertealten Gebäude abgesackt. Balken hatten sich verschoben. Die Speicherstube kann jetzt, nach erfolgten Bauarbeiten, wieder von den Speicherfreunden und ihren Gästen genutzt werden. Aber aber Glocke, die 2005 anlässlich der 660-Jahr-Feier des Ortes von den Schönebergern gesponsert wurde, darf nicht geläutet werden. "Der Dachstuhl ist marode. Wir überlegen, sie herunternehmen zu lassen und auf den Friedhof zu bringen, denn einen neuen Dachstuhl kriegen wir heute und morgen nicht finanziert", sagte Bürgermeister Wilfried Schramm kürzlich in der Gemeindevertretersitzung.
Christiane Ostroske von den Speicherfreunden schlug vor, sich mit Fachleuten an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungswege zu finden. Auch wenn die Glocke auf dem Friedhof installiert wird, bräuchte es einen Glockenstuhl, warf Amtsdirektor Detlef Krause ein.
Laut Amtsverwaltung soll es eine Vorlage geben, nach der in einem Monat Fachleute die Lage beurteilen sollen. Eine Entscheidung würde dann im Januar fallen. Der Vorgang müsse dem Bauordnungsamt des Landkreises vorgelegt werden. Die Gemeindevertretung müsse entscheiden, ob daran gearbeitet werden soll und was die Vorzugsvariante wäre.
Bisherige Kostenschätzungen von 30 000 Euro erscheinen dem Gemeindevertreter Rüdiger Samain sehr hoch. Er machte den Vorschlag, den Chef der Holzmanufaktur Groß Ziethen, Carsten Weber, anzusprechen. Seine Firma hat gerade die Felchower Kirchturmspitze neu gebaut.
Er machte gleich am nächsten Tag Nägel mit Köpfen. Zimmermann Carsten Weber, der sich mit dem Bau von Dachstühlen und Notabstützungen auskennt, stieg mit Gemeindevertretern und Speicherfreunden zum Glockenstuhl des Speichers. "Seine erste Einschätzung war, dass vielleicht die Balken etwas zusammengetrocknet sind und gar nichts gemacht werden müsse. Dennoch sollte sich ein Statiker das ansehen", berichtete Rüdiger Samain. Die Konstruktion unter dem Dach könne man abbauen und unten auf dem Friedhof wieder aufbauen. Aber vielleicht müsse das gar nicht sein. Der Klang der Glocke wäre hier wohl ohnehin nicht so schön wie auf dem Dachstuhl des Speichers.
Nun muss die Prüfung der Bauaufsicht abgewartet werden. Die Ergebnisse, so der Amtsdirektor, kommen dann auf den Tisch der Gemeindevertretung, die ebenso wie die Speicherfreunde und die damaligen Spender wollen, dass ihre Glocke endlich wieder läutet.