Verdrängt vom Naturschutz wurde das wohl älteste und sehr beliebte Oldtimertreffen der Uckermark in Boitzenburg. Die 20. Veranstaltung fand nicht mehr vor malerischer Kulisse am Kloster statt, sondern in Fürstenau. Doch die Veteranenfreunde schreckte das nicht ab.
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Ein großes Schild in Boitzenburg wies alle anrollenden Oldtimer darauf hin, einfach weiter zu fahren ins nahe gelegene Fürstenau. Es war wie eine Sternfahrt: Von allen Seiten rollten restaurierte, chromblitzende, etwas in die Jahre gekommene, liebevoll gepflegte Fahrzeug auf zwei, drei und vier Rädern auf das Gelände des Fahrzeug- und Technikmuseums von Gerhard Eberwein. Dem stand der Mund offen. Zwar hatte er schon in den vergangenen Jahren die Boitzenburger Veranstaltung organisiert, doch dass nun die geschlossene Oldtimerwelle einfach über Fürstenau hereinbrechen würde, hätte er nie im Leben erwartet. „Gerechnet haben wir mit der Anzahl von Teilnehmern, die sonst bei schlechtem Wetter in Boitzenburg erschienen“, so Eberwein. „Aber dass wir die Gut-Wetter-Variante übertreffen ...“
Viele Fahrer der Veteranentechnik diskutierten über die Vertreibung vom angestammten Lieblingsgelände. Boitzenburg galt in Oldtimerkreisen als Saisonabschluss, als ein liebevoll in den Ort eingebundenes Treffen, wozu Klostermühle, Schloss und Zentrum einen fototrächtigen Rahmen bildeten. Im Internet lasen sie nun überrascht, dass der Förderverein „Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft“ in einem Brief die Nutzung der als Besucherparkplatz verwendeten Grünlandflächen versagt habe. Hintergrund ist der Weinberg, der seit Herbst 2017 zum ausgewiesenen Naturschutzgebiet „Boitzenburger Tiergarten und Strom“ gehört.
„Wir sind seit mehreren Jahren Eigentümer von Flurstücken“, so Heide Wonitzki vom Förderverein. „Im Grunde haben wir zufällig erfahren, dass unsere Flächen als Parkplatz verwendet werden.“ Dies lasse die Naturschutzverordnung nicht zu. Eine Ausnahmegenehmigung hätte höchstens die Untere Naturschutzbehörde erteilen können. Eine nichtlandwirtschaftliche Nutzung der Flächen sei auch nicht erwünscht, heißt es in dem Brief.
„Ich finde es beschämend“, so Gerhard Eberwein. „Denkmalschutz, Naturschutz – alles ist wichtig, nur wir Menschen nicht. Was geht dem Platz ab, wenn er an einem Tag des Jahres voller zugelassener und technisch voll funktionstüchtiger Autos steht?“ Das eigentliche Ausstellungsgelände am Kloster ist davon nicht einmal betroffen. Doch ohne Parkplatz können keine Zuschauer kommen.
Kurzerhand hoben Oldtimerfreunde und Helfer rund um das Fürstenauer Museum eine Veranstaltung aus der Taufe, die die Tradition von Boitzenburg fortsetzt. Schon am Vormittag war jeder Flecken des weitschweifigen Ausstellungsgeländes vergeben. Und so bildeten die anreisenden Oldtimer selbst auf den Besucher-Parkplätzen einer privat zur Verfügung gestellten Wiese lange Reihen.
Ob Gerhard Eberwein auch künftig bei dieser Variante bleibt, hat er noch nicht entschieden. „Wir wollten erst mal die Reaktionen testen.“ Die Oldtimerszene steht hinter ihm, wie die Kennzeichen aus der Uckermark, aus Mecklenburg-Vorpommern, Oberhavel, aus dem Barnim und Märkisch-Oderland bewiesen.