Die Kommunale Wärmeversorgungsgesellschaft unter Leitung von Dietrich Matzukat und Günther Neumann betrieb zunächst die Heizwerke Vorstadt, Mühlenberg, Molkerei und ein Kleines am Markt. Ende 1991 wurden diese von der Stadt an die Gesellschaft übertragen. Zur gleichen Zeit kamen das Heizwerk Nord sowie Leitungen und Umformerstationen dazu. Das Bundesverteidigungsministerium, dem frühere Armee-Anlagen zugeschlagen worden waren, sah seine Aufgabe nicht darin, etwas zu betreiben, was neben militärischen Liegenschaften auch zivile Einrichtungen versorgt. Andreas Gagel hatte die Fernwärmeversorgung Nord durch die Nachwendezeit geführt. Am 1. November 1991 wurde er zum Geschäfts-führer der nun als Stadtwerke firmierenden Gesellschaft berufen.
Das Unternehmen machte sich an die Modernisierung des Netzes und der zunächst ausschließlich mit Braunkohle betriebenen Anlagen. In der Hegermühle entstand ein völlig neues Heizwerk, das in der Vorstadt wurde erneuert. Millionen wurden investiert. Zudem wurden die Vorbereitungen für den Start in die Stromversorgung getroffen. Mitte der 1990er Jahre stiegen die Stadtwerke ins Stromgeschäft ein, und seit der Inbetriebnahme des neuen Heizkraftwerks Nord wird neben Fernwärme auch eigene elektrische Energie erzeugt – wie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Kraft-Wärme-Kopplung sowie der nunmehr dominierende Energieträger Erdgas tragen dazu bei, dass Strausberg bei den Treibhausgasemissionen fast ein Drittel unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Ziel des Unternehmens, das sich über die Jahre bei allen gesetzlichen Veränderungen am Markt behaupten konnte und Geschäftsbesorger sowie finanzielle Stütze für Straßenbahn nebst Fähre und Flugplatz geworden ist, ist es, eine weitere Reduktion des CO2-Ausstoßes zu befördern. Das wurde auf inzwischen zwei Energie-Effizienz-Konferenzen formuliert. Beiträge dazu sind die im September in Betrieb gegangene Solaranlage oder der Einbau eines Blockheizkraftwerks in der Hegermühle. Eine ähnliche Umrüstung und der Betrieb mit Biogas schwebt Andreas Gagel auch für das Heizwerk Vorstadt vor, allerdings „nicht in den nächsten zwei, drei Jahren“. Eine komplette Eigenversorgung der Stadt mit Elektroenergie hält er für „nicht darstellbar“.
Das Engagement für Kultur und Sport wolle er weiterführen. Mit weniger als ein Prozent des Umsatzes verbucht er dies als „Marketingaufwand“.
Mehr zur Geschichte der SSG und der Energiewirtschaft in der Region ist in dem Buch „Im Strom der Zeit“ zu lesen, das ab Montag bei den Stadtwerken, am Flugplatz, in den Tram-Pavillons und der Buchhandlung Micklich erhältlich ist – bis Jahresende zum Einführungspreis von 16,80 Euro, ab Januar für 21 Euro.
1990 Gründung der Kommunalen Wärmeversorgungsgesellschaft
1991 Umfirmierung zu Stadtwerke Strausberg
1993 Millioneninvestitionen in Leitungen und Anschlüsse
1994 Neubau Heizwerk Mitte (Hegermühle)
1995 Übernahme der Stromversorgung in der Stadt
1996 Inbetriebnahme Heizkraftwerk Nord
2000 EWE erwirbt Anteile an der SSG