Gegen die Ausweisung von fünf neuen Windeignungsgebieten in der Nähe von Wandlitz wehrt sich die Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald". Am Dienstagabend lud sie zu einer Informationsveranstaltung ein. 150 Besucher kamen in den "Goldenen Löwen"..
Bilder aus dem idyllischen Liepnitzwald warf ein Dia-Projektor an die Wand. Fotografiert hatte sie die Künstlerin Annelie Grund. Den Zuhörern sollte verdeutlicht werden, was für ein biologischer Schatz es ist, der durch die Errichtung weiterer Windenergieanlagen zerstört würde.
Eine 418 Hektar große Fläche soll nach den Plänen der "Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim" im Bereich der Autobahn Prenden/Biesenthal für die Windenergie frei gegeben werden. Ein 577 Hektar großes Mischwald-Gebiet im Wandlitzer Liepnitzwald ist ebenfalls dafür angedacht.
Dirk Felgenhauer von der Regionalplanung erklärte den Zuhörern, dass seine Behörde den Auftrag von der Landesregierung habe, geeignete Gebiete auszuwählen. Das sei eigentlich ein Vorteil. "Wenn wir keine speziellen Flächen auswählen würden, hieße das im Umkehrschluss, dass Windräder überall dort, wo sie nicht ausdrücklich verboten sind, aufgestellt werden können. Mit der Festlegung von Eignungsgebieten sind Windanlagen außerhalb ausgeschlossen", warb er für die Pläne der Behörde.
Tabu seien unter anderem Naturschutzgebiete und Flächen, die zu nah an Wohnbebauung liegen. Bei den derzeit angedachten Waldflächen handele es sich um einen Erholungswald der Stufe 3. Die Planungsgemeinschaft habe sich entschieden, solche Gebiete nicht auszuschließen.
Derzeit befinde man sich in der Abwägung, so Felgenhauer. Entschieden sei noch nichts. Rund 1000 Stellungnahmen waren bei der Regionalplanung eingegangen, alle müssen nun geprüft werden. Im Anschluss sei ein zweites Beteiligungsverfahren geplant.
Bauamtsmitarbeiterin Katrin Bornkessel forderte die Besucher auf, dann weitere Stellungnahmen abzugeben. "Wichtig wäre, dass statt einer Sammel-Stellungnahme jeder eine eigene schreibt. Dann muss die Regionalplanung jede einzeln beantworten und das kostet viel Zeit."
Auch die Gemeinde habe ihre Stellungnahme abgegeben und argumentiert, die Ausweisung der Windenergiegebiete widerspreche unter anderem dem Flächennutzungsplan und dem Tourismuskonzept der Gemeinde. Die Verwaltungsmitarbeiterin forderte die Besucher auf, in ihrem Protest nicht nachzulassen und erinnerte an die erfolgreiche Klage der Gemeinde gegen die Aufstellung dreier neuer Windräder in Stolzenhagen vor einigen Jahren.
Die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant erinnerte an die Zeit Kaiser Wilhelm II. Er habe den Wald damals an den Zweckverband Großberlin verkauft. Das Gebiet sollte als Naherholungsfläche erhalten bleiben. Berlin musste sich verpflichten, nicht zu verkaufen. "Was ist heute anders? Aus welchem Grund sollen Flächen für die Errichtung von Industrieanlagen frei gegeben werden?", fragte sie und erinnerte an die ökologischen Aufgaben, die der Wald erfüllt und an die teilweise bis zu 25 000 Besucher, die er an schönen Sommertagen anzieht.
Ein Vertreter der Brandenburg-Klinik erläuterte, was der Wald für die Klinik bedeute. "Wir sind eine Rehabilitationsklinik. Da dürfen sich die Leute selbst aussuchen, wo sie hin wollen. Viele wählen uns auch wegen des Waldes vor der Tür und der Ruhe." Wenn diese gestört würde, könnte das für die Klinik Einbußen bis hin zur Schließung und dem Verlust hunderter Arbeitsplätze bedeuten, malte er ein düsteres Bild.
Vielleicht sollte man nicht nur überlegen, wie man Windenergieanlagen verhindern könne, sondern darüber, welche anderen Flächen man anstelle des Waldes anbieten könne, äußerte ein Zuschauer. Ein Vorschlag, der jedoch nicht auf viel Beifall stieß.
Hans-Jürgen Klemm, Sprecher der Initiative, kündigte weitere Protestaktionen an. Man habe sich bereits mit weiteren Bürgerinitiativen zusammengeschlossen und werde unter anderem am 5. Mai an einer Demonstration in Potsdam teilnehmen.
Gut besucht: Rund 150 Besucher waren in den "Goldenen Löwen" gekommen, um sich über die Pläne der Landesregierung zu informieren. Fotos (2): MOZ/Britta Gallrein
Keine leichte Aufgabe: Dirk Felgenhauer erklärte das Vorgehen der "Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim".