"Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe...", haben wir zumeist schon im Kindergarten gelernt. Heute darf man getrost fragen, ob alle Kinder den Fehler in diesem Lied finden. Auf den ausgetrockneten Wiesen gehet nur noch selten was, und Sümpfe – welche Sümpfe? Im Kinderlied tröstet die Happyend- Pointe, wenn es der Storch nicht ist, dann doch aber Frau Störchin.
Im Reallife aber fehlen immer öfter beide oder sie finden in Wiesen und Sümpfen nichts, um ihre Kinder groß zu ziehen. Das Klappern der Storchenschnäbel in der Uckermark hat auch 2020 abgenommen. Der Bestand an Weißstörchen war anhaltend niedrig. Wo Horste besetzt waren, war der Bruterfolg mau, in vielen Nestern herrscht sogar ganz Flaute. 17-Mal steht in der Liste der Weißstorcherfassung für 2020 eine Null bei der Anzahl der Jungvögel.
Erneut brachte die Trockenheit Meister Adebar dazu, Eier im Nest zu zerstören oder hinauszuwerfen. Elf tote Jungvögel wurden gefunden.
Am Gasthof zur Linde in Criewen stirbt ein Altstorch, die Brut fällt daraufhin aus. In Storchennestern in Günterberg und Criewen werden die Eier beim Kampf um den Horst zerstört. Es gab 2020 zwar vier Horstpaare mehr als ein Jahr zuvor. Doch während 2019 noch 33 Storchenpaare 81 Junge erfolgreich aufzogen, waren es in diesem Jahr 32 Storchenpaare mit Bruterfolg, die nur noch 66 Junge hochpäppelten.
Die Natur regelt das von allein. Ist nicht genug Nahrung da oder ist es generell zu trocken oder zu nass, gibt es weniger Nachwuchs. Tierforscher gehen von einer Quote von 2,5 Jungtieren pro Brutpaar aus, die für den Erhalt des Bestandes nötig wären. In der Uckermark lag sie bei 1,3 ausfliegenden Jungen pro Paar.
Es ist das achte schlechte Storchenjahr in Folge. Uwe Schünmann, ehrenamtlicher Storchenbeauftragter, hat nur eine einzige Viererbrut in Grünow ausgemacht. In besten Zeiten flatterten im Nest der Pension Storchennest sechs Jungvögel und es gab in einem Jahrgang 114 Jungstörche.
Die wenigen Lichtblicke in der Statistik sind an einer Hand abgezählt. Nach zwei Jahren ohne Nachwuchs kann das Storchenpaar vom Flinkenberg in Schwedt wieder drei Jungstörche großziehen. Am Nationalparkzentrum in Criewen direkt über dem Bauplatz für die geplante neue Kita hat sich ein Storchenpaar angesiedelt – noch ohne Bruterfolg, aber immerhin.

Nationalparkorte ohne Störche

In Crussow hat ein Paar auf dem Mast einer Stromfreileitung mit dem Nestbau begonnen. In solchen Fällen ist der Stromversorger meist bereit, daneben ein neues Storchennest zu errichten, um das Paar vor einem Stromschlag zu schützen und die Stromversorgung zu sichern.
Nachholbedarf bei Nisthilfen sieht Uwe Schünmann in vielen Nationalparkgemeinden, die keine Störche mehr haben. Gartz, Mescherin, Friedrichsthal, Gatow. Er befürchtet, dass es noch weniger Störche in der Uckermark werden könnten, wenn einige der vorhandenen Nisthilfen nicht erneuert werden, wenn sie zu groß und zu schwer geworden sind oder bei denen Pilze zum Tod von Tieren führten.
Der Storch war viele Jahre ein Wahrzeichen in fast jedem Ort der Region. In Gartz auf dem Turm der Stadtmauer fehlt Meister Adebar nun beispielsweise seit sieben Jahren. Für Uwe Schünmann ist es höchste Zeit, sich um den Bestand der Weißstörche in der Nationalparkregion Sorgen zu machen.

Weißstorcherfassung 2020


In der Ostuckermark gab es 48 Horstpaare, vier mehr als 2019, davon 32 (und damit eins weniger) mit Bruterfolg. 66 Jungstörche wurden großgezogen (2019: 81) – das sind 1,3 ausgeflogene Jungstörche pro Brutpaar; im Vergleich zu 2019 mit 1,8 deutlich weniger.

Den größten Bruterfolg hatte das Nest in Grünow mit vier Jungstörchen zu verzeichnen.

In Schwedt blieben in diesem Jahr die Nester an den Schlosswiesen und dem Ortseingang unbesetzt.

In Criewen gibt es die meisten Störche. Sieben Maste waren mit Horstpaaren besetzt, die insgesamt zehn Jungvögel aufzogen, darunter eine Dreierbrut.

Weitere Storchenpaare mit drei Jungen gab es in  Welsow, Greiffenberg und Polßen. md