"Entschleunigen, viel Zeit miteinander in der Natur verbringen, den täglichen Trott verlassen, unsere Umwelt bewusst wahrnehmen und wenn's irgendwie geht, das Wort ,müssen' vermeiden", so umreißen Ard und Nadine Schumacher ihre Vorstellungen von einer mehr als einjährigen Weltreise. Der Märker berichtete davon in seiner Silvesterausgabe.
Für Schumachers bedeutet das:
"intensive Zeit als Familie verbringen, die Welt mit anderen Augen kennenlernen, unterwegs Hilfsorganisationen unterstützen, Menschen anderer Länder und Kulturen hautnah entdecken, Abenteuer erleben. Der Alltag kann einpacken!"
Dafür verkauften sie im vergangenen Herbst ihr Haus, reduzierten ihre persönlichen Sachen auf ein Mindestmaß. Zwölf Kisten warten bis zu ihrer Rückkehr auf sie. Alles andere steckt im Expeditionsmobil.
Er kündigte nach 13 Jahren seinen Job in einer Smartrepair- -Firma. Sie gab ihre Heilpraxis auf. Zum Jahresanfang meldeten sie sich und ihre Töchter in Deutschland ab, konzentrierten sich voll auf die abschließenden, umfangreichen Reisevorbereitungen.
Das Spezialfahrzeug ist mit Kinderzimmer, vier Betten, selbst gebauten Schränken, umgearbeitetem Küchenbereich und Minibad ausgestattet, besitzt Allradantrieb und einen 180 Liter Tank, den Ard um mehr als das Doppelte vergrößert hat. Sogar einen Kaminofen gibt es, falls die Standheizung - wie kurz vor der Abfahrt - ausfallen sollte.Allerdings riss beim Einbau am Miniofen eine Seitenglasscheibe, die bis zum Sonntag noch nicht ersetzt werden konnte.
Nach einigen solcher Pannen - so blieb ihr Reisemobil gleich bei der Jungfernfahrt auf halber Strecke von Birkenwerder bis Rüthnick liegen - ist die Oranienburger Familie jetzt gestartet.
Zunächst geht es mit dem vom Familienoberhaupt umgebauten Aussteiger-Wohnwagen Richtung Norden nach Neubrandenburg, "wo wir uns noch von lieben Freunden verabschieden und letzte Arbeiten am Fahrzeug vornehmen." Zu dessen Vorbesitzern nach Flensburg führt der Weg, Dänemark lautet danach die grobe Route. Schweden heißt das große Ziel um Ostern herum.
In Stockholm treffen Schumachers auf Ards besten Freund: Falk. In dessen Hütte auf einem Waldgrundstück nördlich von Oberhavel lief gewissermaßen die Generalprobe fürs künftige Zusammenleben auf engstem Raum. Es war das Training der Vier plus Hündin Kira, die mitfährt, für ein Jahr im umgebauten Steyr-680. Der ist unter anderem ausgerüstet mit zahlreichen Seitenfächern, Ablagen, vier Kräutertöpfen, Kerzenhalter - Gemütlichkeit muss schließlich sein - sowie fröhlich-bunt selbst bemalten Innentüren. ,"Kira, unsere neun Jahre alte spanische Dogge, bestimmt unseren Weg und unser Tempo mit."
Den Jahreswechsel 2018/2019 planen sie in Nepal und Indien zu verbringen. Landen möchten sie in etwa einem Jahr in Neuseeland. Dort ist eine befreundete Familie ebenfalls gerade auf Weltreisetour unterwegs.
Die sozialen Bindungen stehen für Schumachers auf der Prioritätenliste. Deshalb fiel ihnen der Abschied trotz aller Vorfreude schwer. "Wir lassen tolle Menschen, Nachbarn, Freunde, zurück, die uns lieb sind." So flossen am vergangenen Sonntag Abschiedstränen als nach gemeinsamen Kaffee-und-Kuchen- Picknick das Schuschu-Mobil um 15.15 Uhr leicht schaukelnd und qualmend über die Waldstraße entschwindet. Freunde und Nachbarn winken hinterher.
Falk Baumgarten dokumentiert alles mit der Kamera. Ein Familienluftsprung, einsteigen, abfahren. Nine, Taras beste Freundin, schaut ein wenig ungläubig hinterher. Voraussichtlich ein Jahr werden sich die Mädchen nicht
sehen. Das stimmt Nine traurig, obgleich der Kontakt über soziale Netzwerke funktioniert und die Schumachers ihre Abenteuer dokumentieren. Nines Vater, Steffen Gerloff-Kaus, bewundert den Mut seiner Freunde und wird ihren Weg verfolgen: https://