Festakt in der Nikolaikirche
Mit dieser Anekdote erinnert die Landrätin beim gemeinsamen Festakt des Kreises, der Stadt Prenzlau und der evangelischen Kirche an die Wendetage vor 30 Jahren. Die Nikolaikirche ist voller Gäste. Viele von ihnen bekommen eine Gänsehaut, als Jürgen Theil vom Uckermärkischen Geschichtsverein aus seinen Forschungen berichtet und die Schattenseiten der DDR anhand persönlicher Schicksale der Region aufleben lässt. Er erzählt von den Fluchtversuchen Prenzlauer Bürger. Einer davon endet mit einem zerschossenen Lkw an der Mauer und zwei Toten. Und er berichtet von dem Prenzlauer Taxifahrer, der zwei Republikflüchtige nach Berlin chauffiert und dafür ins Gefängnis wandert, anschließend zum Strafdienst in die Zuckerfabrik.
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Ende der 80er-Jahre hat die Staatssicherheit überall in den Altkreisen der heutigen Uckermark Listen mit Personennamen im Panzerschrank zu liegen, die im "Ernstfall" in kürzester Zeit in Internierungslager gebracht werden sollen. Doch es gibt auch Widerstand in der Uckermark, meist in kleinen Gruppen.
Gerade bei diesem kleinen Teil der Bevölkerung bedankt sich Superintendent Reinhart Müller-Zetzsche vom evangelischen Kirchenkreis. Die friedliche Revolution sei als ein gemeinsames Gründungserlebnis von Ost und West zu werten. Er danke Gott für den "großen Tag der Befreiung".
Während es im Osten in den Herbsttagen 1989 brodelt, bekommt der Westen zunächst kaum etwas davon mit. Die Bundesregierung habe nichts zu sagen gehabt, erinnert sich Hans-Otto Gerlach, damals Raffinerieleiter in Westdeutschland. Am Fernseher verfolgt er die Euphorie in Berlin. Sonst ändert sich in seinem Umfeld kaum etwas. Wenig später ist München von Trabant und Wartburg zugeparkt. Und die Westdeutschen verhökern gewinnbringend ihre uralten Autos an die von drüben.
Gerlach bekommt im Frühjahr 1990 den entscheidenden Anruf vom Vorstand seines Unternehmens. Irgendwo im Osten in einer Stadt namens Schwedt soll für Milliarden Deutsche Mark eine Raffinerie verkauft werden. Er fährt hin, ist tief beeindruckt, leitet die Übernahme ein. Doch "teilweise" chaotisch werden die Verhandlungen erst mit der Einschaltung der Treuhand. PCK wird saniert, erweitert, bekommt drei Milliarden Mark für Investitionen, schreibt schwarze Zahlen. Nach zwölf Jahren steht der Geschäftsführer vor der Entscheidung, wo er seinen Ruhestand verbringen will. Er bleibt im Osten und steigt in die Kommunalpolitik ein. Heute zählt er zu den ältesten Kreistagsmitgliedern, ackert sich durch Gesetze und Verordnungen und hat zu vielen Themen eine persönliche und auch nicht immer bequeme Sicht.
Auszeichnung für Ex-PCK-Chef
Für seine Verdienste um die deutsche Einheit bekommt Hans-Otto Gerlach den Preis des Landkreises. Ebenso werden Jürgen Theil und Reinhard Timm für die historische Aufarbeitung unter Bezug auf politische Ereignisse bis in die Gegenwart mit der Auszeichnung geehrt.