Frank Torkler von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde fasst die Ergebnisse so zusammen: "Der Einfluss sichtbarer Windräder ist nicht dramatisch, aber deutlich nachweisbar." Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat der Geoinformatiker Daten erhoben, ein Geländemodell erstellt, Bewertungskriterien festgelegt und das Ergebnis am Mittwoch erstmals öffentlich im Nationalpark-Kuratorium vorgestellt. Demnach sind nur zirka 39 Prozent der Nationalparkfläche gänzlich ohne Einfluss der hohen Windspargel, rotierenden Flügel oder blinkenden Lichter erlebbar. Ohne Einfluss heißt, dass man keine Windräder sieht oder nur in einer Entfernung von mehr als zehn Kilometer.
Mehr als die Hälfte des Nationalparks weist eine leichte bis mittlere Sichtbarkeit von Windkraftanlagen aus. Nur sehr punktuell reicht die Bewertung bis hoch. Teilweise sind die Windkraftanlagen nicht komplett zu sehen, im Schatten von Wäldern oder nur bei besten Sichtverhältnissen.
"Natürlich kann man bei bester Sicht auch einen Windpark in 30 Kilometer Entfernung sehen und genauso bei schlechter Sicht nicht einmal das Windrad in 250 Meter Entfernung. Bei unserer Bewertung der Sichtbarkeit handelt es sich daher um Mittelwerte", erklärt der Wissenschaftler. Dennoch haben er und sein Team versucht, sehr genau zu sein. Sie überzogen den Nationalpark mit einem Raster von zehn mal zehn Meter und erhielten damit mehr als elf Millionen Bewertungspunkte. Auch Lücken in Hecken oder Baumreihen wurden berücksichtigt, unterschiedlich hohe Baumarten, die Dominanz der nächstgelegenen Windräder usw.
Am dichtesten zum Nationalpark stehen die Windfelder in Neukünkendorf und Parstein mit 1,2 bis 1,5 Kilometer Entfernung zur Parkgrenze. Werden die neuen Windeignungsgebiete genehmigt, die die Regionalplanung bereits öffentlich vorgestellt hat, würde sich die von Windrädern unbelastete Fläche des Schutzgebietes noch einmal um neun Prozent reduzieren, so die Analyse. Nördlich von Mescherin und in Vierraden sind neue Windräder geplant, nah genug, um neue Sichtbelastungen zu erzeugen oder vorhandene zu erhöhen.
Der vorgelegten Sichtbarkeitsanalyse sollen noch weitere Untersuchungen folgen. Die Ergebnisse sollen auf das Wegenetz im Schutzgebiet heruntergebrochen werden. Fotomontagen der geplanten Windräder sollen die Bewertung erleichtern. Ebenso eine Studie, ob gezielte Anpflanzungen zwischen Windrädern und Park die Sichtbelastung reduzieren könnten.