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Caravan-Boom hilft angeschlagenen Hersteller

Die Deutschen fahren auf Wohnmobile und -wagen ab wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zwei Jahre in Folge verzeichnet die Branche zweistellige Zuwachsraten.
Die Deutschen fahren auf Wohnmobile und -wagen ab wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zwei Jahre in Folge verzeichnet die Branche zweistellige Zuwachsraten. © Foto: dpa
dpa / 28.10.2012, 08:52 Uhr
Jandelsbrunn (DPA) Die Deutschen fahren auf Wohnmobile und -wagen ab wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zwei Jahre in Folge verzeichnet die Branche zweistellige Zuwachsraten. Den Rückenwind weiß auch ein niederbayerischer Hersteller zu nutzen, der bereits am Boden lag.

Jandelsbrunn (dpa) - Kaum wahrnehmbar schiebt sich das nackte Fahrgestell auf dem 203 Meter langen Produktionsband vorwärts. Nicht einmal eine halbe Stunde haben die Arbeiter an der Werksstraße des niederbayerischen Wohnmobil-Herstellers Knaus Tabbert Zeit, das Chassis in ein Wohnmobil zu verwandeln. Das Band steht Pate für eine ganze Branche, aber vor allem für das Traditionsunternehmen im Bayerischen Wald.

"Seit zwei Jahren verzeichnet die Branche zweistellige Zuwachsraten bei den Wohnmobilen und beim Wohnwagen", erläutert der Geschäftsführer des Caravaning-Industrie-Verbandes, Hans-Karl Sternberg. Eine solche Entwicklung habe es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben.

Vor allem auf dem deutschen Markt sieht auch die Zukunft rosig aus. Der Branche spielt der demografische Wandel in die Hände. Schließlich ist die Kernzielgruppe zwischen 60 und 65 Jahre alt und wird immer zahlreicher - und bleibt länger aktiv. Aber auch junge Menschen haben das Caravaning wiederentdeckt. "Sie erwarten auch im Urlaub Unabhängigkeit und Freiheit, eben das bringt Caravaning", sagt Sternberg. Daher sei der Boom bei Einsteigermodellen wie den Kastenwagen zu erklären.

Der Rückenwind hat auch Knaus Tabbert in die Erfolgsspur gebracht. Vor vier Jahren Pleite, schreibt das Unternehmen nun wieder schwarze Zahlen. Ein Kraftakt der mit Hilfe eines niederländischen Investors und einer millionenschweren Bürgschaft der Regierungen Bayern und Hessen möglich wurde, die im Sommer aber vorzeitig zurückbezahlt wurde.

Maßgeblichen Anteil an dem Aufschwung hat Geschäftsführer Giovanni Marcon, der nun von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und dem Wirtschaftsmagazin "impulse" zum "Turnarounder des Jahres" gewählt wurde. Damit werden Unternehmer ausgezeichnet, die ihre Firma nachhaltig aus der Krise geführt haben.

Vor der Pleite war das Unternehmen laut Marcon nur auf Wachstum programmiert - in den Lagern standen tausende Fahrzeuge, die Firma war hoch verschuldet und hatte kaum Eigenkapital. Beim ersten Windstoß musste das Unternehmen ins Schwanken geraten. "Was dann aber mit der Finanzkrise kam, war ein Hurrikan und alles fiel zusammen", erläutert Marcon.

Beim Neuanfang nahm der 49 Jahre alte Sohn italienischer Gastarbeiter vor allem die Modellpolitik in Angriff. Statt teurer Nischenprodukte setzte er auf Volumenfahrzeuge, bei denen Funktionalität und Qualität und weniger das Design im Vordergrund steht. Zudem umging er die Zwischenhändler und gab die Wohnmobile lieber günstiger an den Endhandel ab.

Die Beschäftigten verzichteten auf Weihnachts- und Urlaubsgeld und arbeiteten länger für den gleichen Lohn. "Jeder war froh, dass er hier wieder hier anfangen konnte. Da tut so ein kleines Opfer nicht weh", sagt Karl Göttl, der für die Endkontrolle der Wohnmobile zuständig ist. In der konjunkturschwachen Region im Bayerischen Wald hätte der 50-Jährige wie viele andere seiner Kollegen kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt gehabt. Bis 2014 soll aber das alte Tarifniveau wieder erreicht sein.

Die Maßnahmen waren erfolgreich: Seit dem Neustart Mitte 2009 stieg der Umsatz bis 2011 von 134 Millionen Euro auf 238,6 Millionen Euro. Der Gewinn lag 2011 bei 13 Millionen Euro - rund 10 000 Wohnwagen und 2800 Wohnmobile liefen vom Band. Außerdem konnte die Zahl der Mitarbeiter in eineinhalb Jahren um 50 Prozent auf 1350 erhöht werden.

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