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Darius Selke aus Görzig berichtet von seinem Aufenthalt in China

Mit einem Stuhl besser Deutsch lernen

Unterricht in China: Darius Selke aus Görzig (Mitte) bringt in Wuhan den Asiaten Deutsch bei.
Unterricht in China: Darius Selke aus Görzig (Mitte) bringt in Wuhan den Asiaten Deutsch bei. © Foto: Privat
Darius Selke / 03.10.2014, 13:32 Uhr
Wuhan (MOZ) Darius Selke ist als Freiwilliger für sechs Monate an einer chinesischen Schule tätig. Als Junior-Botschafter hilft er dort Schülern beim Deutschlernen. Über seine Eindrücke in Wuhan berichtet der Görziger in loser Folge:

Wenn ich mich morgens auf den Weg zur Arbeit in die Schule begebe, dann ist meist die ganze Stadt in Aufruhr. Motorräder, Roller, Rikschas, Autos und unzählige Passanten kommen mir entgegen. Wenn ich gut in Form bin, stehe ich in ungefähr zehn Minuten vor der Schule. Hier bin ich Lehrer. Ich fühle mich zwar nicht wie einer, habe auch nicht einmal ansatzweise die pädagogische Ausbildung genossen, werde aber dennoch ganz klar als einer angesehen. Hier habe ich mein eigenes Büro, das International Department, das vorher wie die Besenkammer von Harry Potter aussah und jetzt, durch die tatkräftige Unterstützung des Einsatz-in-vier-Wänden-Teams, in neuem Glanz erstrahlt. Ich unterrichte Deutsch in der achten und neunten Klasse der Wuhan Changqing Nummer 1 Mittelschule. Ich trete also sieben Mal in der Woche vor eine 56-Mann starke Klasse und erkläre Sachen wie Präpositionen und Artikel. Dabei muss ich sehr viel auf das englische Vokabular zurückgreifen und vor allem sehr langsam sprechen. Vielleicht zahlt es sich auch gerade hier aus, dass ich während der Gymnasialzeit in Beeskow den Unterricht des Darstellenden Spiels besucht habe. Denn im Grunde muss man ein kleiner Schauspieler sein, der keine Scheu davor haben darf, mit sehr viel Einsatz von Mimik und Gestik den Schülern das nahezubringen, was sie am Ende des Tages erlernen sollen. Es kommt vor allem darauf an, dass ich es da vorn schaffe in den Köpfen der Schüler ein Bild zu konstruieren, welches sie mit dem theoretischen Material verknüpfen können, um sich bestimmte deutsche Wörter einzuprägen. So habe ich zum Beispiel bei der Einführung der Präpositionen einen Stuhl verwendet, so dass diese sich "an", "über" und "unter" besser vorstellen konnten. Die Klassenräume sind übrigens sehr klein und besitzen nur das Nötigste. Ich würde schon fast von Luxus sprechen, wenn ich an die Tische und Stühle denke, welche unsere deutschen Schüler zur Verfügung gestellt bekommen. Denn die Tische und Stühle hier sind aus einfachem Holz und so langsam in die Jahre gekommen. Die chinesischen Schüler wechseln nie ihren Klassenraum, denn das ist die Aufgabe des Lehrers. Er kommt zur Klasse und nicht andersherum. Deshalb ist es wichtig, einen angenehmen Sitzplatz in der Klasse zu haben, auf dem man einen langen Schultag, der manchmal von 7.40 Uhr bis 20 Uhr andauert, aushalten kann.

Das alles bedeutet nicht, dass die chinesischen Schüler in ihren Schulen keinen hohen Standard haben oder mit ihren Klassenräumen, Schulzeiten oder Pausen unzufrieden sind. Im Gegenteil! Ich habe noch nie zuvor so viele Schüler gesehen, die trotz eines so straffen Zeitplans und Leistungsdrucks immer ein Lächeln auf den Lippen haben! Die stärkste Gruppe ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied! Und genau darauf kommt es hier in China, als auch in Deutschland an. Nämlich das man untereinander zusammenhält und zusammen stärker wird.

Darius Selke hat einen Blog im Internet:http://kulturweit-blog.de/dariusmeetschina/

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