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Kohle hat keine Zukunft

MOZ-Redakteur André Bochow
MOZ-Redakteur André Bochow © Foto: MOZ
André Bochow / 09.06.2015, 18:18 Uhr
(MOZ) Klar, es sind nur Absichtserklärungen, die die glorreichen sieben Staatenlenker beim Brotzeitgipfel in Bayern abgegeben haben. Andererseits: Niemand konnte die G7 zwingen, sich so deutlich zu einem Klimaziel zu bekennen, wie sie es taten. Die Wirklichkeit, der immer spürbarere Klimawandel haben Merkel, Obama und die anderen fünf Super-VIPs offensichtlich zu der Einsicht veranlasst, dass es nun allerhöchste Zeit ist, beim Kampf gegen die Erderwärmung den Versuch aufzugeben, mit Trippelschrittchen vorwärts zu kommen. Dass dabei der Blick auf die Kohle fiel, kam unerwartet, war aber natürlich folgerichtig.

Deutschland will bis 2020 seinen CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken. Im Vergleich zu 1990! Anfangs schien die Reduktionsgeschwindigkeit atemberaubend. Leider wurde schnell vergessen, dass das Tempo zu wesentlichen Teilen dem Zusammenbruch der DDR-Industrie zu verdanken war. Nun läuft man Gefahr, bei 33 Prozent zu landen. 70 Millionen Tonnen klimaschädliche Gase würden dann über das gegebene Versprechen hinaus in die Atmosphäre geblasen. Und deswegen ist es richtig, die Kohle und vor allem die Braunkohle aus dem Energiekreislauf zu nehmen.

Bei der Braunkohleförderung ist Deutschland weltweit Spitzenreiter. Mit dem Hinweis auf Arbeitsplätze und Energiesicherheit werden Dörfer weggebaggert, die regionale Umwelt zerstört, und es wird über die Maßen klimaveränderndes Gas produziert. Die größte Absurdität: Moderne Gaskraftwerke, die der Energiegewinnung aus Braunkohle ökologisch bei weitem überlegen sind, werden dicht gemacht. Der Grund: Die Braunkohle ist billiger. Weil die Folgekosten nicht eingepreist werden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat vorgerechnet, dass bei der Abschaltung alter Kohlekraftwerke der Preis an der Strombörse steigen, die Rentabilität der Gaskraftwerke zunehmen und die EEG-Umlage sinken würden. Außerdem könnte der CO2-Ausstoß um 23 Millionen Tonnen reduziert werden. Kein Durchbruch für das Klima - aber ein wichtiger Schritt wäre es. Und deshalb hat Sigmar Gabriel Recht, wenn er eine Klimaabgabe fordert und alle, die zum Beispiel in Brandenburg noch bis 2040 oder gar länger Kohle verbrennen wollen, haben Unrecht.

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