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Ein Forschungsprojekt kartiert mithilfe von Ehrenamtlern das Vorkommen der Blutsauger in Deutschland

Mücken für die Wissenschaft

Josefine Jahn / 23.08.2017, 07:30 Uhr
Falkenhagen (MOZ) Den meisten sind sie schlechtweg lästig. Ihr hochfrequentes Surren, der Stick und das Jucken danach sind durchweg unangenehme Erinnerungen, die Menschen mit Stechmücken in Verbindung bringen. Dennoch sind sie aktuell Gegenstand eines großen Forschungsprojektes.

Auf dem Weg in Richtung Wasser, die Stelle in seinem Garten, wo Harry Kreßner die Stechmückenfalle aufstellt, scheinen jene, denen die Falle gilt, immer zahlreicher um einen herum zu schwirren. Das Gras steht an dieser Stelle etwas höher, wenige Schritte weiter liegt der Schwarze See.

"Es kam eine junge Doktorandin zu mir, die mich fragte, ob ich nicht teilnehmen will", erinnert sich der Falkenhagener. Kreßner wollte und stellt nun seit April einmal wöchentlich eine Stechmückenfalle bei sich hinter dem Haus auf. Das Gestell erinnert an einen Lampenschirn, ist mit weißem Stoff überzogen und hält in der Mitte einen schwarzen Stofftrichter fest, in den die blutsaugenden Insekten hineinfliegen und nicht mehr hinauskommen. Angelockt werden die Tiere zusätzlich von CO2, das den ausgestoßenen Atem von Säugetieren imitiert.

Der Sammel-Zeitraum für das sogenannte Stechmücken-Monitoring geht von April bis Oktober dieses Jahres. Die junge Dame, die Kreßner um Mithilfe bat und ihn regelmäßig besucht, um seine gesammelten und im Gefrierfach aufbewahrten Mücken für Tests abzuholen, arbeitet für das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Das Stechmücken-Monitoring an etwa 150 verschiedenen Orten in ganz Deutschland, soll einen Überblick darüber ermöglichen, wo in der Bundesrepublik welche Mückenarten beheimatet sind. Denn über Mücken und ihr Verbreitungsgebiet gibt es derzeit nur wenige gesicherte Daten.

Über das Monitoring hinaus arbeitet das FLI eng mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) zusammen, um als Teilprojekt einen Mückenatlas zu erstellen. Dieser unterstützt Forschungsarbeiten zum Stechmücken-Monitoring bereits im vierten Jahr und hat großen Zuspruch erhalten. Anders als in Kreßners Fall, wurden und werden Freiwillige online dazu aufgerufen, in ihrer Heimat Mücken einzufangen - ohne eine besondere Falle - und sie nach Müncheberg zu schicken.

"Ich will wissen, was in meiner Gegend kreucht und fleucht", sagt Doreen Walther vom ZALF, sei die Intention vieler Menschen, die ihr und ihren Kollegen die Insekten zuschicken. "Das wird toll aufgenommen", sagt sie. "Viele Familien mit Kindern sind unter den Mücken-Jägern und allgemein Menschen aus allen Alters- und Berufsschichten." Das entnehme sie den Begleitschreiben, die mit den Mückenproben kommen. "Die Leute machen sich Gedanken", registriert sie und ist begeistert.

Viele wüssten nicht, dass es in Deutschland 50 verschiedene einheimische Mückenarten gibt. "Und wir wollen herausfinden, wann wo welche Art vorkommt." Die Ergebnisse, die den Mückenjägern zu verdanken sind, seien teilweise besser als die durch das Fallen-Monitoring. "Die Leute sind auch dankbar über neue Erfahrungen", sagt sie. Etwa, wenn man ihnen erzählt, dass nicht alle Mücken gleich Stechmücken sind, da sie verkümmerte Mundwerkzeuge besitzen, sei das für viele überraschend.

Überrascht waren auch Doreen Walther und ihre Wissenschaftskollegen ob der zahlreichen Mückeneinsendungen im vergangenen Jahr. Nach 2000 Exemplaren 2012 und 2400 im Folgejahr, nahmen die Einsendungen 2013 und 2014 auf fast die Hälfte ab. "Wir dachten, das Interesse sei abgeflaut", sagt die promovierte Naturwissenschaftlerin. Als dann 2016 über 730 Einsendungen mehr als 54 000 Mücken nach Müncheberg brachten, sei das ein Indiz dafür gewesen, dass nicht das Interesse der Mückenjäger zurück gegangen war, sondern das Mückenvorkommen. Weiterhin können Funde eingeschickt werden. "Jede Mücke ist uns willkommen", so Doreen Walther. Diese sollte lose und unversehrt versendet werden.

Weitere Infos für Mückenjäger: www.mueckenatlas.de

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