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Wer etwas Gutes für die Umwelt tun will, kann Investor werden / Das Müncheberger Institut Zalf stellt ein neues Projekt dafür vor

Initiative
Märkischer Marktplatz für Natur

Seltenes Fotomotiv: Äcker mit Wildkräutern gibt es nicht mehr so oft zu sehen. Ein Marktplatz für Naturschutzprojekte will um private Unterstützung für Artenvielfalt, sauberes Wasser und Klimaschutz werben.
Seltenes Fotomotiv: Äcker mit Wildkräutern gibt es nicht mehr so oft zu sehen. Ein Marktplatz für Naturschutzprojekte will um private Unterstützung für Artenvielfalt, sauberes Wasser und Klimaschutz werben. © Foto: dpa/Bernd Wüstneck
Ina Matthes / 25.04.2018, 07:30 Uhr
Müncheberg (MOZ) Weniger Vögel, weniger Insekten, weniger Wildkräuter: Intensive Landwirtschaft lässt Landschaften verarmen. Eine Initiative von Forschern will jetzt privates Kapital für den Naturschutz gewinnen – über einen Online-Handel.

Verkehrsstau in der Uckermark. Auf einer kleinen Ortsverbindungsstraße stehen die Autos am Straßenrand Schlange. Fast alle mit Berliner Kennzeichen. Die Fahrer sind ausgestiegen und halten mit ihren Smartphones auf den Acker eines Biobauern. Dort wächst zwischen dem Getreide roter Klatschmohn.

Wie viel ist Ihnen so ein Anblick wert? Würden Sie etwas für mehr Vielfalt, für Naturschutz zahlen? Naturschutz-Investor werden? Auf der Hannover-Messe präsentiert das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Zalf aus Müncheberg (Märkisch-Oderland) derzeit genau das: einen Online-Marktplatz für Naturschutz. Hier sollen Unternehmen und Privatleute, die ein Naturschutz-Projekt umsetzen, mit Firmen oder Personen ins Geschäft kommen, die darin investieren wollen.

Agora Natura nennt sich der Marktplatz. „In Hannover stellen wir das Konzept dafür vor“, sagt die Umweltökonomin Bettina Matzdorf vom Zalf. Erste Projekte, die Finanzierung suchen, gebe es schon und auch erste interessierte Investoren. Es geht den Initiatoren von Zalf, der Universität Greifswald, der Deutschen Umwelthilfe und des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege vor allem um Naturschutz in der Agrarlandschaft. „Wir haben Riesenprobleme in der Agrarlandschaft, Riesendefizite, einen Artenrückgang“, sagt Bettina Matzdorf. Der Staat solle nicht aus der Verantwortung genommen werden für den Naturschutz, aber es sei trotz staatlicher Programme nicht gelungen, eine Trendwende zu erreichen. Deshalb glaubt sie, dass privates Engagement wichtig ist.

Eine der ersten Geld-Anlagemöglichkeiten ist zum Beispiel ein Acker in Dahmsdorf bei Müncheberg: Dort soll Saatgut mit einem hohen Anteil an Wildkrautsamen ausgebracht werden. Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge ist geplant und der Verzicht auf Dünger. Das soll die Artenvielfalt steigern, das Landschaftsbild verbessern und der Wasserqualität nützen.

Für einen Landwirt bedeutet so ein Engagement meist zusätzlichen, unbezahlten Aufwand. Über die Plattform sucht er deshalb Investoren. Sie stellen Geld zur Verfügung und gehen einen Vertrag mit dem Landwirt ein. Darin verpflichtet er sich zu bestimmten Leistungen. Außerdem teilt er seinen Geldgebern mit, wie seine Arbeit überprüft werden soll, also wer zum Beispiel das sogenannte Monitoring für die Flächen übernimmt.

Der Investor bekommt ein Zertifikat, das die angestrebten Ziele beschreibt wie geringere Stickstoffeinträge in Gewässer. Eigentum an Land erwirbt er nicht. Es können aber bestimmte Nutzungsrechte vereinbart werden, etwa ein Anteil vom Obst bei der Investition in eine Streuobstwiese. Das vereinbaren die Partner. Die Plattform will dafür Unterlagen bereitstellen. Auch Vertragsstrafen sind vorgesehen. Erbringt der Anbieter die vereinbarte Leistung nicht, soll der Investor sein Geld zurückerhalten können.

Grundsätzlich darf jeder ein Naturschutzprojekt auf der Seite anbieten. Das kann ein Bauer sein, eine Privatperson, eine Kommune, ein Naturschutzverband. Voraussetzung ist, dass er sich an die Kriterien von AgoraNatura hält. Die sind in einem Natur-Plus Standard beschrieben, den die Wissenschaftler für den Marktplatz entwickelt haben. Für den Geldgeber soll so nachvollziehbar werden, wie sich ein Projekt auf die Artenvielfalt auswirkt, auf sauberes Wasser, den Klimaschutz und das Landschaftsbild. Er soll, sagt Bettina Matzdorf „die Sicherheit haben, dass da etwas Gutes für den Naturschutz passiert.“

Das können Menschen jetzt auch schon mit Spenden erreichen. Der Marktplatz aber versteht sich als eine Crowdfunding-Plattform, wo einzelne konkrete Projekte unterstützt werden. „Wir wollen Zielgruppen erreichen, die wir bisher nicht erreicht haben,“ sagt die Professorin vom Zalf, die auch in Hannover lehrt.

Andererseits bietet das Portal Landwirten die Möglichkeit, unkomplizierter Finanzierungen zu bekommen, als über die oft bürokratischen, unflexiblen Anträge auf EU-Förderung. Starten soll Agora Natura im Herbst. .Rund 2,8 Millionen Euro Förderung haben Bundesforschungs- und Bundesumweltministerium für Agora Natura bereitgestellt – für die Jahre 2015 bis 2021. Damit lässt sich der Aufbau des Marktplatzes und die Startphase bestreiten. Darüber hinaus soll sich Agora Natura selbst tragen.

Der Marktplatz steht Projekten aus ganz Deutschland offen. Fürs erste konzentrieren sich die Betreiber aber auf Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Zum Beispiel für mehr Äcker mit Kornblume und Klatschmohn in der Uckermark.

Die Initiatoren suchen Projektanbieter, die mitmachen wollen. Nähere Informationen unter: http://project2.zalf.de/AgoraNatura/

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