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Forscher-Team aus Eberswalde arbeitet an einem Ersatz für Plastik / Projekt erhält Wissenspreis und zieht nun ins Hochschullabor

Kunststoff-Ersatz
Mit Pilzen die Welt retten

Marco Marschall / 19.06.2018, 07:20 Uhr - Aktualisiert 19.06.2018, 16:34
Eberswalde (MOZ) Malte Larsen und sein Team wollen die Welt ein Stück besser machen und suchen nach einem Ersatz für Plastik. Eigentlich haben sie ihn auch schon gefunden: Pilze. Dafür gab es nun den Galileo Wissenspreis.

Die Pro7-Sendung, die das Eberswalder Forschungsprojekt kürzlich zum interessantesten in ganz Deutschland gekürt hat, gehört für Malte Larsen (31) und seinen Mitstreiter Nicolas Hess (50) nicht unbedingt zum Pflichtprogramm. „Ich hab gar keinen Fernseher“, sagt Forstingenieur Hess. „Ich auch nicht“, grinst Larsen, der an der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung seinen Bachelor im Fach International Forest Ecosystem Management gemacht hat. Thema: nachhaltige Verpackungen.

Die Bewerbung bei Galileo zahlte sich aus. 5000 Euro gab es vom Sender für ihre Idee eines Plastikersatzes aus Pilzen – mediale Aufmerksamkeit inklusive. Bis vor kurzem hatten sie ihr BioLab, ein selbst eingerichtetes Forschungslabor, in freien Räumen des Eberswalder Hebewerkvereins. Dort haben sie quasi in ihrer Freizeit am Thema geforscht. Nun haben die Tüftler gemerkt, dass sie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Neues Zuhause der „Pilze statt Plastik“- Forschung ist die Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Hochschulprofessor Jörg Schumacher betreut die Arbeiten.

Ziel ist es, Plastik vielleicht irgendwann aus den Regalen zu verdrängen. Doch der Werkstoff wird es den Forschern nicht leicht machen. „Die Materialeigenschaften sind eigentlich genial“, sagt Malte Larsen. Doch es gebe Länder, die die Verpackungen eben nicht fachgerecht entsorgen. Über die Meere und den Fischfang kommt alles mit der Zeit zurück zum Menschen, ist der Wissenschaftler überzeugt. „Irgendwann essen wir Plastik“, sagt Larsen.

Sein Kunststoff-Ersatz aus Pilzen hingegen kann nach Gebrauch komplett an die Natur zurückgegeben werden. Dorthin, wo er herkommt. Die „Schwammerl“ sind allerdings nicht der einzige Bestandteil des neuen Verpackungsmaterials.

Pilze wie Zunderschwamm bilden den Verbundstoff. Malte Larsen und sein Team kombinieren sie mit Stroh, Sägemehl oder Hanffasern. Marmeladenglas große Prototypen konnten so schon hergestellt werden. Der Prozess dauert länger als beim Plastik, selbst wenn Pilze relativ schnell wachsen. In dem Forschungsprojekt wird es deshalb darum gehen, wie das Alternativmaterial günstig und im großen Maßstab produziert werden kann.

Die Eberswalder sind nach eigener Kenntnis nicht die einzigen, die am Verpackungsmaterial mit Pilzen forschen. Ein Wettrennen ist es für sie aber nicht. Das Team ist auf der Suche nach Lösungen. „Das Umsetzen, was da ist“, sagt Nicolas Hess. In diesem Zusammenhang betonen er und Larsen auch die Bedeutung eines freien Zugangs zu Forschung. Es gebe ein ungeheures Innovationspotenzial. Dem dürfen keine Barrieren gesetzt werden. Ohne die Anfänge im eigenen BioLab beim Hebewerkverein wäre das „Pilze statt Plastik“-Projekt vielleicht nie entstanden. Auch die Hochschule könne sich freier Forschung mehr öffnen.

Neben der Entwicklung des Plastikersatzes beschäftigen sich die Eberswalder außerdem mit Speisepilzen. Dahinter steckt der Begriff des „Urban Farming“, also ein Anbau von Lebensmitteln mitten in der Stadt, dort wo sie verbraucht werden. Mit Igelstachelbart und Limonenseitling haben Malte Larsen und sein Team bereits experimentiert. Die verwendeten Pilze seien vom  deutschen Bio-Anbauverband Demeter zertifiziert. „Wir können jeden ungenutzten Raum befruchten“, sagt Nicolas Hess und lacht.

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