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Das Verkehrsministerium stellt im Herbst einen Fahrplan vor, der Bahn-Kunden das Reisen erleichtert

Deutsche Bahn
Schluss mit stundenlanger Warterei

Keine Hetzerei, kein langes Warten mehr: Mit dem Deutschlandtakt sollen Bahn-Kunden künftig bequem und entspannt von Zug zu Zug kommen.
Keine Hetzerei, kein langes Warten mehr: Mit dem Deutschlandtakt sollen Bahn-Kunden künftig bequem und entspannt von Zug zu Zug kommen. © Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch
Dorothee Torebko / 23.08.2018, 08:00 Uhr
Berlin (NBR) Mehr Verkehr auf die Schiene, doppelte Fahrgastzahlen bis 2030, schnellere Reisezeit mit der Bahn: Diese Ziele hat sich die Bundesregierung gesetzt. Gelingen soll das auch dank des Deutschlandtakts. Im Herbst soll das Konzept dafür vorgestellt werden.

Blinkt ein Ausrufezeichen in der DB-Navigationsapp auf, dann weiß der Kunde: Das wird ganz eng mit dem Anschlusszug. Nun beginnt die Hetzerei mit dem Koffer quer durch den Bahnhof, um noch in letzter Sekunde den Zug zu erwischen. Damit das bald ein Ende hat, will die Deutsche Bahn im Herbst ein neues Konzept, den Deutschlandtakt, präsentieren. Das kündigte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Enak Ferlemann in der „Welt“ an.

Der Plan sieht vor, dass Fernzüge in einem Takt von 60 oder 30 Minuten fahren. In Knotenbahnhöfen treffen sich die Bahnen jede Stunde zur selben Minute. Sie halten einige Minuten, damit die Fahrgäste bequem umsteigen können. Lange Wartezeiten gehören damit der Vergangenheit an – genauso wie zu enge Zeitfenster. Im Herbst stellt das Bundesverkehrsministerium nun einen Musterfahrplan vor. Mithilfe des Plans wollen Ministerium und Bahn feststellen, wie die Schienennetze ausgebaut werden müssen. Denn ohne Ausbau kein exakter Takt.

Das Konzept ist keine Erfindung der Deutschen Bahn. Im Gegenteil. Zu Hartmut Mehdorns Zeiten sperrte sich das Staatsunternehmen noch. In der Schweiz hingegen erkannte die Politik bereits 1982, dass es einer Umstellung des Fahrplans bedarf. Das Schweizer Modell gilt als Vorbild für den Deutschlandtakt, erläutert Hans Leister. Der ehemalige DB-Regionalbereichsleiter in Brandenburg begleitet die Ideen für die Taktumstellung seit der Stunde Null. Er betont den durchschlagenden Erfolg: „In den 1980er-Jahren waren Deutschland und die Schweiz gleichauf, was die Fahrgastzahlen angeht. Mittlerweile ist die Schweiz Bahnfahrweltmeister.“ Die Schweizer nutzen heute doppelt so häufig öffentliche Verkehrsmittel wie die Deutschen. Das Land stößt heute sogar an Kapazitätsgrenzen, setzt nun auf Doppelstockzüge und verdichtet den Takt auf 15 Minuten.

Das will die Regierung hierzulande auch. Im Koalitionsvertrag ist verankert, dass die Bahn bis 2030 das Doppelte an Fahrgästen befördern soll. Kann der Deutschlandtakt bis zu diesem Zeitpunkt denn realisiert werden? Andreas Geißler vom Verband Allianz pro Schiene hält das Ziel für ambitioniert. „Es ist ein langer Prozess, wir freuen uns aber sehr, dass es voran geht“, sagt Geißler. „Wir starten in Deutschland mit der Taktumstellung auch nicht bei Null.“ Bereits in Rheinland-Pfalz wurde das Konzept ausprobiert mit der Folge, dass die Nachfrage um das Doppelte gestiegen ist. „Der bundesweite Takt würde wie in der Pfalz zu einer Attraktivitätssteigerung beitragen – er ist ein entscheidender Schlüssel, um viele Menschen auf die Schiene zu bringen“, betont Geißler.

Einen positiven Effekt für die Umwelt erhofft sich der ökologische Verkehrsclub Deutschland. „Wir wissen, dass der Takt bis 2030 umgesetzt werden kann“, sagt VCD-Bundesvorstand Matthias Kurzeck. Dazu bedarf es aber, betont er, einer soliden Finanzierung. „2018 und 2019 wird viel Geld in die Schiene gesteckt. Doch bereits 2020 wird die Straße priorisiert. So schafft man die Verkehrswende nicht“, bemängelt Kurzeck.

Dass die Deutschen bald bequem umsteigen können – davon ist auch Hans Leister überzeugt. Die Firma, die für das geänderte System in der Schweiz zuständig war, kümmert sich hierzulande um den Deutschlandtakt. Vorbehalte, dass die Schweiz aber ein kleineres, unkomplizierteres Schienennetz hätten als die Bundesrepublik, lässt Leister nicht gelten. „In der Schweiz war das Argument ebenfalls: Eine geänderte Taktung wie in Holland, wo das System her kommt, geht bei uns nicht. Ging aber doch. Und jetzt sind die Schweizer unser Vorbild.“

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