Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Vom Tisch ist der Plan jedoch nicht

Regierungsexperten
E-Auto-Boom kommt noch

Igor Steinle und Dorothee Torebko / 20.09.2018, 07:30 Uhr
Berlin/Dresden (NBR) Deutschland verfehlt sein Ziel von einer Million E-Autos bis 2020. Vom Tisch ist der Plan jedoch nicht. Die Chancen stehen gut, dass die Technologie sich bald durchsetzt. Doch könnte sie ungewollte Nebeneffekte haben.

Man musste zuletzt schon großer Optimist sein, um an dieses Vorhaben noch zu glauben. Nun haben sich auch die Berater der Bundesregierung offiziell von ihm verabschiedet. Deutschland wird das Ziel verfehlen, wonach bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge hierzulande unterwegs sein sollen. Das teilte die „Nationale Plattform Elektromobilität“ in ihrem Abschlussbericht mit. Lediglich rund 150 000 Fahrzeuge mit Elektro- und Hybridmotor sind bisher laut Kraftfahrt-Bundesamt auf deutschen Straßen unterwegs.

Gründe für den schleppenden Absatz der E-Autos  gibt es viele: Sie sind vergleichsweise teuer, es gibt nicht viele Modelle, die Reichweite einer Batterieladung kam lange nicht an die einer Tankfüllung heran. Zugleich fehlten Ladestationen, um dieses Manko auszugleichen. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind für eine Million E-Autos auf den Straßen 70 000 Normal-Ladepunkte und 7000 Schnell-Ladepunkte nötig. Zuletzt zählte der Verband allerdings nur 13 500 Ladestationen. Zumindest an den Autobahnen jedoch könnte sich dieses Problem bald erledigt haben: Deutschland werde dort bis Ende dieses Jahres das weltweit erste flächendeckende Ladenetz haben, heißt es in dem Abschlussbericht.

Den Optimismus ganz über Bord werfen will man deswegen nicht.  Entwickelt sich der Markt weiter wie bisher, soll schon 2022 das Ziel von einer Million E-Autos erreicht sein. „Die Marktdynamik mit hohen Zuwachsraten in Deutschland sieht sehr positiv aus“ sagt NPE-Präsident Henning Kagermann. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zuversichtlich: „Wir hatten 2017 die weltweit höchste Rate an Neuzulassungen“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichts im Kanzleramt.

Doch auch auf der Angebotsseite tut sich etwas. 33 Modelle deutscher Autobauer sind inzwischen am Markt, bis 2020 sollen es laut Schätzungen 100 sein. So stellte Volkswagen am Mittwoch in Dresden ein 34-Milliarden-Programm vor, mit dem das Unternehmen den E-Auto-Markt revolutionieren will. Bis 2020 will VW rund 150 000 günstige E-Autos auf die Straßen bringen. Von einem bezahlbaren „Elektroauto für alle“ ist die Rede. Anders als heute sollen die künftigen Autos größere Reichweiten haben.

Doch könnte ein E-Auto-Boom auch negative Folgen haben. Bis 2025 erwarten die Regierungsexperten zwar, dass durch die Umstellung der Autoantriebe mehr Jobs entstehen als wegfallen. Für die Zeit danach sieht es für die Angestellten in der Antriebsfertigung jedoch düsterer aus. Nicht ohne Grund erwähnte Merkel das neue Weiterbildungsgesetz, dass am selben Tag durchs Kabinett ging. Der Chef der Gewerkschaft IG Metall, Jörg Hofmann, reicht das nicht aus. Er fordert außerdem frühzeitige Investitionen in andere Zukunftstechnologien.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG