Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Der Zossener Hotelier Daniel Reuner wurde mit dem „Sonderpreis Junge Wirtschaft“ ausgezeichnet

Sonderpreis
Gastwirt mit Leib und Seele

Ausgezeichnet: Daniel Reuner erhält den Sonderpreis Junge Wirtschaft.
Ausgezeichnet: Daniel Reuner erhält den Sonderpreis Junge Wirtschaft. © Foto: Boris Löffert
Maria Neuendorff / 03.11.2018, 09:00 Uhr
Zossen (MOZ) Er schnippelt mit Schulkindern Gemüse, trainiert seine Azubis für Meisterschaften, lädt die heimische Feuerwehr zum Essen ein und bietet das erste autarke Hotelzimmer auf Rädern an: Der umtriebige Zossener Hotelchef Daniel Reuner wurde mit dem „Sonderpreis Jungen Wirtschaft 2018“ ausgezeichnet

Eigentlich hatte Daniel Reuner gar keine Zeit zum „Großen Preis des Mittelstandes“ nach Berlin zu fahren. Schließlich hat der Tag nur 24 Stunden. Hotel, Restaurant, Gemüsegarten, Bäckerei müssen am Laufen gehalten, die Tochter zum Reittraining gefahren werden. Und dann ist da noch das Mitarbeiter-Meeting, bei dem mit den 20 Angestellten neue Teamfotos geschossen und die Weihnachtsfeier vorbereitet wird, bevor die Freiwillige Feuerwehr zum Essen im Hotel-Restaurant einreitet.

Doch die Leute von der Oskar-Patzelt-Stiftung, die jährlich im Herbst den „Großen Preis des Mittelstandes” an regionale Unternehmen in ganz Deutschland verleihen, haben nicht locker gelassen. Reuner müsse unbedingt kommen, haben sie gedrängt, ohne die Gewinner zu verraten.  Und nun steht der junge Brandenburger Hotelchef auf der Bühne eines Berlin Edel-Hotels und reckt eine Statue in die Höhe, die ein bisschen wie ein Oscar aussieht.

Ein Oskar für Gastwirte. „Daniel Reuner ist mit Herz und Seele Gastwirt“, heißt es dann auch in der Laudatio. Das Netzwerken liege ihm im Blut. Trotz seiner Sieben-Tage-Woche und dreier kleiner Kinder, mache er sich für die Region stark, gründete den Business Clubs Teltow-Fläming. Der 36-Jährige ist Vorstand des „Flair Hotels-Vereins“ und Vizepräsident im Gastgewerbeverband DEHOGA Brandenburg.

Zehn Jahre war Reuner alt, als seine Eltern den kleinen Gasthof mit angeschlossenem Gemüsegarten in Teltow-Fläming übernahmen. Nach der Lehre als Koch arbeitete er beim Schweizer Star-Gourmet Anton Mosimann in Berlin. 2004 wird er Küchenchef im familieneigenen Gasthaus und 2012 übernimmt er das Hotel am Naturschutzgebiet Prierowsee von den Eltern und reichert es mit 18 vollklimatisierten Doppelzimmern und einer Tagungsstätte an. Das Sauerteigbrot und der Blechkuchen,  die im Wintergarten serviert werden, kommen aus dem 1854 erbauten Gasthof Glashütte/Baruth, den Familie Reuner auch betreibt.

Das Fleisch dagegen stammt von einer Herde mit 50 Lämmern, die sich frei auf den Wiesen rund um das Hotel und den Bio-Garten tummeln. Auf den Tisch kommen auch Damwild und Wildschweine, die Reuners Vater in den Brandenburger Wäldern erlegt. „Nachhaltigkeit ist für uns ein großes Thema“, sagt Daniel Reuner. Seit einem Jahr bietet er deshalb auch mit dem „Wohnwagon Frieda“ das bislang erste autarke Hotelzimmer Deutschlands an. Das Minihaus auf Rädern, das hinter dem Hotel an der Wiese parkt, kann sich mit Bio-Toilette, Photovoltaik-Anlage und Wasserkreislaufsystem autark selbst versorgen.

Gleich daneben steht Reuner selbst oft im Gemüsegarten und erntet Paprika und Tomaten, Kürbisse und Zucchini sowie Kräuter für seine Küche. Stolz ist er auf die eigene Physalis-Zucht, kleine kirschenartige Früchte, mit denen er Obstsalate und Chutneys dekoriert. Wie man aus Melonen Weihnachtsbäume zaubert, lernte Reuner dagegen beim Chinesen Wang Xiang, zweifacher Weltmeister im Gemüseschnitzen.

Um selbst Nachwuchskräfte zu gewinnen, präsentiert sich der Gastronom auf Messen, kooperiert mit Schulen, schnippelt mit Kita-Kindern gemeinsam Gemüse. „Man muss auf die jungen Leute zugehen, ihnen Perspektiven aufzeigen, ihre individuellen Stärken erkennen und fördern“, erklärt der Hotelchef. In das Gejammere der Branche stimmt er nicht mit ein. „Fachkräfte kann man nur haben, wenn man auch selbst ausbildet.“

Reuners derzeit acht Lehrlinge dürfen während ihrer Ausbildung nicht nur in anderen Hotels deutschlandweit hospitieren, sondern sich auch in der heimischen Eisherstellung weiterbilden. Dienstpläne werden, wenn es geht, individuellen Bedürfnissen angepasst. Und so bleibt für den jungen Hotelchef selbst nicht viel Zeit, auf dem anschließenden Berliner Wirtschaftsball seinen Preis zu feiern. Schließlich muss noch der Koch-Lehrling zur Deutschen Meisterschaft begleitet werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG