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Dieselkrise hat Autobranche wenig angehabt / Die setzt auf Zukunftsvision Elektromobilität

Wirtschaftsaufschwung
Gutes Jahr für Autoindustrie

Zufrieden: VDA-Präsident Bernhard Mattes
Zufrieden: VDA-Präsident Bernhard Mattes © Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Dorothee Torebko / 06.12.2018, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Dieselkrise, CO2-Diskussionen, Handelsstreit mit den USA – war da was?, könnte man fragen angesichts der am Mittwoch veröffentlichten Produktionszahlen der Automobilindustrie für 2018. Die Skandale der vergangenen Monate haben den deutschen Herstellern nicht geschadet. Doch das könnte sich bald ändern.

2018 war mit 16,5 Millionen Neuwagen ähnlich gut wie das Vorjahr, es gibt so viele Beschäftigte wie noch nie und der Markt für Nutzfahrzeuge ist laut dem Verband der Auto-Importeure angestiegen. Sind die Befürchtungen, die Arbeitsplätze seien angesichts der Umweltskandale gefährdet, also reine Panikmache?

Nein, sagte Bernhard Mattes vom Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch in Berlin. Denn die fetten Jahre könnten rasch vorbei sein, wenn die Branche so weitermacht wie bisher. Das zeigen der Umsatzeinbruch im Herbst aufgrund der Umstellung auf den neuen Messstandard WLTP ebenso wie die wachsende Konkurrenz aus China. Größtes Sorgenkind ist aber ein anderes: „Die Wachstumsdynamik muss kombiniert werden mit Umwelt- und Klimaschutz“, erläutert Mattes.

Was er damit meint: Die Klimapolitik gefährdet das Wachstum. Um dieses zu gewährleisten, müssen sich VW und Co. etwas einfallen lassen. Das Heilsversprechen lautet Elektromobilität. Die kommt mit massiven Investitionen daher. Die Hersteller verdreifachen in den kommenden drei Jahren ihr Angebot an E-Modellen auf 100 und sie pumpen bis dahin 40 Milliarden Euro in E-Antriebe.

„Die Branche ist auf Hochtouren unterwegs, E-Fahrzeuge auf den Markt zu bringen“, sagt Professor Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen. Er ist auf Automobilherstellung- und Handel spezialisiert und ein Kenner der Szene. Neben den positiven Aspekten – Reduktion von giftigen Stickoxiden und bei umweltfreundlicher Batterieherstellung Reduktion von CO2 – betont Reindl aber auch die Gefahren von Elektromobilität. „Wenn man nur darauf setzt, wird sie Arbeitsplätze kosten“, betont der Wissenschaftler. Einer Rechnung des IFA zufolge könnten bis 2030 bis zu 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. Der Grund: Für den Bau von Elektromotoren braucht es nicht so viele Fachkräfte wie von Verbrennungsmotoren.

Also doch lieber auf Diesel und Benziner setzen? Reindl und auch Politikern aus der SPD und Union zufolge wird es ohne diese Antriebe erst einmal nicht gehen. Vor allem bei größeren Fahrzeugen, die lange Strecken fahren müssen, „behält der Verbrennungsmotor Bedeutung“, schätzt der Professor. Denn das E-Auto hat ein großes Problem: Es ist derzeit nicht nur teurer als Diesel und Benziner, es fehlt auch die Infrastruktur.

Reindl sieht dabei die Hersteller in der Pflicht, VDA-Chef Mattes die Politik. „Der größte Teil der Ladevorgänge findet im privaten Bereich statt. Damit elektrisches Laden selbstverständlich wird, müssen auch das Bauordnungs-, Miet- und Eigentumsrecht angepasst werden.“ Derzeit hat Deutschland 13 500 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Viel zu wenige, wenn es nach den Herstellern geht. Andere Länder stehen besser da. In Oslo teilen sich 450 Einwohner eine Ladestation, in Berlin kommt eine Station auf 4500 Autofahrer.

Welche Bedeutung Elektromobilität auf dem internationalen Parkett einnimmt, zeigt das Treffen der drei Autobosse Herbert Diess (VW), Dieter Zetsche (Daimler) und Nicolas Peter (BMW) mit dem US-Präsidenten Donald Trump. Bei dem halbstündigen Zusammenkommen am Dienstag ging es darum, Strafzölle für europäische Hersteller zu vermeiden. Laut Diess waren die Gespräche von Erfolg gekrönt, denn die Deutschen lockten Trump mit Investitionsprogrammen – mit Schwerpunkt auf Elektromobilität. So kündigte Diess an, dass VW derzeit einen Standort für die Elektroauto-Produktion in den Vereinigten Staaten suchen möchte.

Mattes deutet die Gespräche als „gutes Zeichen“. Die Teilnehmer hätten von einer guten Atmosphäre gesprochen, sagte er. „Für mich ist entscheidend, dass wir weiter mit den USA im Gespräch sind.“ Immerhin ist Amerika zusammen mit China einer der größten Absatzmärkte für die deutsche Automobilbranche. „Die Hersteller hatten gar keine andere Wahl, als zu Trump zu gehen“, meint Reindl. „Sie haben die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen für beide Seiten dargelegt. Nun kann Ruhe in die Diskussion einkehren.“

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