Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Förderung endet
Wenn Lastwagen mit Biogas-Antrieb fahren

Zukunftstechnologie: Biogasanlagen sollen auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Energiegewinnung spielen, vor allem als Dieselersatz für Autos und Laster.
Zukunftstechnologie: Biogasanlagen sollen auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Energiegewinnung spielen, vor allem als Dieselersatz für Autos und Laster. © Foto: Martin Schutt/dpa
Ina Matthes / 07.12.2018, 08:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Für Brandenburgs Biogasanlagen läuft die Zeit. 2020 endet die bisherige Förderung für den Bio-Strom. Ihre Betreiber müssen nach neuen Wirtschaftskonzepten suchen.

Es ist eine düstere Prognose, die Gerd Hampel bei der 13. Fachtagung Biogas am Donnerstag in Potsdam skizziert:  Die meisten der Biogasanlagen im Land könnten zwischen 2021 und 2030 vom Netz gehen, sagte der Sprecher des Regionalgruppe Berlin-Brandenburg des Biogasverbandes.

Das sind nach seinen Angaben 395 Anlagen. Derzeit gibt es insgesamt 520 Anlagen, die aus Gas Strom produzieren und ihn nach dem Erneuerbare Energien Gesetz zu einem garantierten Abnahme-Preis ins Netz einspeisen. Allerdings ist diese Garantie begrenzt – sie endet 2020. Danach müssen sich die Betreiber der Anlagen um ein begrenztes Abnahme-Kontingent bewerben. Das wird in Zukunft wohl nicht für alle reichen. Auch die Preise pro Kilowattstunde, die dann für weitere zehn Jahre vom Staat garantiert werden, liegen deutlich niedriger.

Das heißt, Betreiber, die weiter wirtschaftet wollen wie bisher, denen droht das von Hampel beschriebene Szenario: Die Biogasproduktion muss effizienter  und flexibler werden. Das bedeutet, dass Biogasanlagen nicht mehr kontinuierlich die gleiche Menge Strom ins Netz einspeisen, sondern sich an einen über den Tag schwankenden Bedarf  anpassen.  „Flexibilisierung ist absolut notwendig“, sagt Hampel.

Derzeit können nur zehn bis 15 Prozent der Anlagen Strom bedarfsgerecht einspeisen. Allerdings ist Flexibilisierung zumeist mit Investitionen verbunden. Das können unter anderem zusätzliche Gastanks sein, in denen in Zeiten mit geringem Strombedarf Gas zwischengelagert werden kann. Doch demografische Probleme in der Landwirtschaft bremsen die Lust am Investieren. Es sind oft Agrarbetriebe, die die Anlagen betreiben. Etwa 45 Prozent der Inhaber sind über 55 Jahre alt.  Außerdem fehlt qualifiziertes Personal. Die Landwirtschaft in Brandenburg rechnet bis 2030 mit dem Ausscheiden von etwa 20 000 Mitarbeitern – aus Altersgründen und durch Fluktuation. Dieser Zahl stehen 4700 Lehrlinge gegenüber, die in dieser Zeit ihre Ausbildung beenden.

Hampel fordert mehr Unterstützung der Politik für die Bioenergie und bessere Abnahmekonditionen für grüne Energie in Zukunft. 361 Millionen Euro Umsatz würden pro Jahr in Brandenburg mit Biogas erwirtschaftet. Außerdem senkt die umweltfreundliche Energie den Ausstoß von Klimagas. Gingen 395 Anlagen im Land vom Netz, würde das nach Hampels Rechnung eine Million Tonnen Kohlendioxid mehr in der Atmosphäre ausmachen.

Für die Landwirte, macht Thorsten Mohr vom Landesbauernverband Brandenburg deutlich, dass die Stromerzeugung eine stabile Einnahmequelle sei. „Sie hat Landwirtschaftsbetriebe schon über verschiedene Krisen hinweg gerettet.“

Ein neuer Abnehmer für grüne Energie könnten künftig Speditionen sein. Im Schwerlastverkehr, bei Bussen und in der Müllabfuhr gewinnen Erdgas als auch Biogas hinzu. In Spanien, Frankreich und Italien ist dieser Treibstoff weiter verbreitet als in Deutschland. Mit reinem Gas schaffen Lkw derzeit um die 400 Kilometer, mit Flüssiggas kommen sie 1600 Kilometer weit. Solche Lkw kosten derzeit noch mehr als Diesel-Laster. Attraktiv wird das Gas für Speditionen, weil sie neuerdings dadurch Maut sparen können. Allerdings, so wurde auf der Tagung in Potsdam deutlich, fehlt es in ganz Deutschland noch an der Infrastruktur wie Anlagen zur Verflüssigung von Biogas beispielsweise oder auch Tankstellen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG