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Unternehmer bildet jungen Mann mit Handicap beim Hören und Sprechen zum Maurer aus

Auszeichnung
Gelebte Inklusion auf der Baustelle

Ausbildungs-Ass: Ralf Jurrack (l.) wurde ausgezeichnet, weil er Alexander Klein eine Chance und einen Ausbildungsplatz gab.
Ausbildungs-Ass: Ralf Jurrack (l.) wurde ausgezeichnet, weil er Alexander Klein eine Chance und einen Ausbildungsplatz gab. © Foto: Jörn Tornow
Jörg Kühl / 12.01.2019, 11:00 Uhr
Speichrow (MOZ) Der Bauunternehmer Ralf Jurrack hat im Wettbewerb „AusbildungsAss 2018“ den zweiten Platz in der Sparte Handwerk belegt. Die Jury überzeugte besonders, dass die Hör- und Sprechbehinderung  eines Azubis für den Unternehmer kein Ausschlusskriterium sind.

Alexander Klein ist Maurer-Lehrling im zweiten Lehrjahr. Der 19-Jährige ist mit Begeisterung bei der Sache, wird von seinem Chef und seinen Kollegen geschätzt. Dabei hat der junge Mann, der täglich mit dem Fahrrad vom Nachbardorf Pieskow zu seinem Arbeitgeber, dem Bauunternehmen Ralf Jurrack nach Speichrow fährt, eine Hör- und Sprechbehinderung.

In seinem Bewerbungsschreiben für den Unternehmerpreis AusbildungsAss“ gesteht der Firmeninhaber Ralf Jurrack ehrlich, Zweifel gehabt zu haben, ob das mit der Hör- und Sprechbehinderung auf dem Bau klappen könne. Schließlich rufen sich die Bauleute regelmäßig wichtige Informationen zu, da darf kein Wort verloren gehen oder falsch ankommen.

Der Bauunternehmer wollte es genauer wissen, erkundigte sich einvernehmlich bei dem behandelnden Arzt, bei Behörden, dem Betreuer der Potsdamer Förderschule, die Alexander Klein bis dahin besuchte. Ralf Jurrack stimmte auch einem Praktikum des jungen Mannes in seinem Unternehmen zu. „Danach war ich überzeugt, das geht doch!“

Inzwischen ist Alexander Klein im zweiten Lehrjahr und bestens im Unternehmen integriert. „Alexanders Wunsch, diesen Handwerksberuf zu erlernen, ist sehr groß. Er zeigt nicht nur in der Praxisphase Engagement, Freude, ist geschickt, belastbar, lernwillig, immer pünktlich und seine Behinderung ist kein Hindernis! Meine Mitarbeiter respektieren und achten ihn. Er wurde gut in das Kollektiv aufgenommen“, berichtet der Bauunternehmer.

Dem jungen Lehrling fühlt sich in dem familiär geführten Unternehmen wohl. Probleme, aufgrund der Behinderung Ausbildungsinhalte zu versäumen, habe er keine. „Ich kann mir gut vorstellen, nach der Ausbildung hier zu arbeiten“, sagt der junge Mann aus Pieskow.

Ralf Jurrack ist das Thema  Ausbildung als Unternehmer immer schon wichtig gewesen. Nur drei Jahre, nachdem er sich in Speichrow als Bauunternehmer selbstständig gemacht hat, stellt Ralf Jurrack seinen ersten Maurerlehrling ein. Inzwischen hat er sechs junge Leute zu Facharbeitern ausgebildet. Drei davon sind immer noch im Betrieb beschäftigt.

Das auf Hochbau spezialisierte Unternehmen stellt einiges auf die Beine, um jungen Leuten den Weg zu einer Ausbildung zu ebnen. Ein Lehrling, der noch keinen Führerschein hatte, und weiter weg wohnte, bekam für die Praxisphasen im Betrieb eine eigene Unterkunft gestellt. Arbeitskleidung und eine Erstausstattung der grundlegenden Maurerwerkzeuge sind bei Ralf Jurrack eine Selbstverständlichkeit. „Die Auszubildenden werden von mir in allen Belangen der Ausbildung betreut.“

In einem mittelständischen Unternehmen das Bauhandwerk zu lernen, sei vorteilhaft. „Die Arbeit ist vielfältiger, die jungen Leute kommen schneller dazu, verantwortlich mitzuarbeiten, als in einem Großbetrieb oder Konzern“, ist Ralf Jurrack überzeugt.

Gegenwärtig beschäftigt das Unternehmen 13 Mitarbeiter, zwei davon in der Verwaltung. In Beeskow sind Ralf Jurrack und seine Leute derzeit mit dem größten Referenzauftrag in der 20-jährigen Unternehmensgeschichte engagiert: dem Umbau der städtischen Immobilie Bahnhofstraße 33 in Beeskow zu einem barrierefreien Mehrfamilienhaus. Die Bauleute um Ralf Jurrack sind hier für die Rohbau- Putz-, abdicht- und Estricharbeiten verantwortlich.

Auf den Unternehmerpreis wurde Ralf Jurracks Mitarbeiterin Jana Misterek, die im Unternehmen als Bauingenieurin arbeitet, aufmerksam. Sie konnte ihren Chef überzeugen, mitzumachen, obwohl der anfänglich Skepsis hatte, als kleiner Unternehmer für den Preis überhaupt in Frage zu kommen.

Doch die Jury der Aktion „AusbildungsAss“, die maßgeblich von den Wirtschaftsjunioren Deutschland und den Junioren des Handwerks Deutschlands getragen wird, sind von dem Unternehmen und seiner Philosophie überzeugt: „Das Bauunternehmen Ralf Jurrack aus Schwielochsee in Brandenburg zeigt, dass auch kleine Betriebe in strukturschwachen Regionen hervorragende Ausbildungskonzepte praktizieren, leben und anbieten können. Und: Das Bauunternehmen mit elf Maurern zeigt, dass die Inklusion von Schwerbehinderten auch auf dem Bau gelingen kann.“

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