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Vom Kugelschreiber bis zum Bratentopf - gefälscht wird alles, was Profit verspricht

Messe Ambiente
Die ewige Jagd auf Produktpiraten

Minimale Unterschiede: Nebeneinander stehen auf der Messe Ambiente das Original der Handbrause Croma Select der Firma Hansgrohe neben zwei Plagiaten (M. u. r.), die beide aus chinesischer Produktion stammen. Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase ist das Symbol für den Negativ-Preis „Plagiarius“, mit dem ein privater Verein allzu dreiste Produktpiraten an den Pranger stellt.
Minimale Unterschiede: Nebeneinander stehen auf der Messe Ambiente das Original der Handbrause Croma Select der Firma Hansgrohe neben zwei Plagiaten (M. u. r.), die beide aus chinesischer Produktion stammen. Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase ist das Symbol für den Negativ-Preis „Plagiarius“, mit dem ein privater Verein allzu dreiste Produktpiraten an den Pranger stellt. © Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
dpa / 11.02.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Main) (dpa) Auf der Konsumgütermesse Ambiente werden Dinge gezeigt, die das Leben schöner machen sollen. Da einige aus Fabriken von Produktpiraten stammen, werden die Hallen erneut zum Kampfplatz gegen das Fälschen.

Es gibt nichts, was nicht abgekupfert werden kann – diesen Eindruck hat man auch auf der noch bis Dienstag laufenden Konsumgütermesse „Ambiente“ in Frankfurt/Main. Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase ist das Symbol für den Negativ-Preis „Plagiarius“, mit dem ein privater Verein allzu dreiste Produktpiraten an den Pranger stellt und gleichzeitig auf Probleme der Originalhersteller hinweist.

Messingventile, ein Spielzeugbagger oder ein gusseisener Bräter – auch der Plagiarius-Jahrgang 2019 zeigt wieder die Bandbreite der Fälschungen, die häufig, aber durchaus nicht immer aus China stammen. Auch auf Messen für Autoteile oder Sanitärbedarf werden die Fachanwälte der Originalhersteller und der Zoll fündig. Der Kampf gegen die Fälscher endet offenbar nie und scheint nicht zu gewinnen.

Es geht um Milliarden: Im Jahr 2017 wurden an den EU-Außengrenzen gefälschte Waren im Wert von 580 Millionen Euro beschlagnahmt, darunter gepanschte Lebensmittel und Medikamente mit unklaren Wirkstoffkombinationen. Das geht aus Zahlen der EU-Kommission hervor. Nach Einschätzung der Plagiarius-Macher ist das nur die Spitze des Eisbergs. Voraussetzung für ein Einschreiten der Behörden sind gewerbliche Schutzrechte, die von den Originalherstellern angemeldet werden müssen. Die Zöllner werden erst in ihrem Auftrag tätig.

„Der illegale Handel mit gefälschten Produkten führt zu schädlichen Auswirkungen auch auf die Volkswirtschaften: Innovation und Einnahmen nehmen ab und das Steueraufkommen sowie die Beschäftigungsquoten sinken“, warnt der Osnabrücker Strafrechtler Arndt Sinn.

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist in Deutschland jedes zehnte Unternehmen in den letzten fünf Jahren Opfer von Marken- oder Produktpiraterie geworden. Der geschätzte Schaden allein bei den deutschen Maschinen- und Anlagenbauer beläuft sich auf 7,3 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommen Folgen, die mit Geld schwer zu fassen sind: Imageverlust, Verlust des Marktvorsprungs oder ungerechtfertigte Regressanforderungen. Ein rundes Drittel der betroffenen Unternehmen verzichtet auf rechtliche Schritte gegen die Fälscher, über mangelnde Unterstützung der Behörden im Ausland klagen sogar 85 Prozent. So bleiben Messen bevorzugter Ort, um Fälschern auf die Spur zu kommen. Der Schreibwarenhersteller Ritter-Pen aus Brensbach im Odenwald schätzt, dass durch kopierte Produkte ein jährlicher Verlust in sechsstelliger Höhe entsteht. Vor allem in China würden ihre Werbekulis kopiert, sagt Geschäftsführer Jürgen Riedel. „Das Problem haben wir seit Jahren. Wir versuchen den Druck auf Fälscher durch juristische Mittel zu erhöhen“, fügt er hinzu. Eine Abnahme der Plagiatsflut hat Ritter bislang aber nicht feststellen können.

Erfolgreicher seien Kontrollen durch die Zollbehörden. Erst Ende Januar wurden bei der Büromesse Paperworld 240 mutmaßliche Plagiate sichergestellt, wie es vom Hauptzollamt Darmstadt hieß. Die Zöllner sind regelmäßig auf dem Frankfurter Messegelände unterwegs, auch bei der Ambiente 2019. Im vergangenen Jahr wurden auf der weltgrößten Konsumgüterschau nach Zollangaben an 37 Ständen Sünder ertappt und 244 mutmaßliche Fälschungen aus dem Verkehr gezogen. Auch gedruckte Bestellkataloge nahmen die Zöllner mit, um weitere Bestellungen zu unterbinden. Gegen Veröffentlichungen im Internet sind sie hingegen weitgehend machtlos und es scheint auch fragwürdig, ob sich ertappte Fälscher von den Sicherheitsleistungen von insgesamt 23 800 Euro nachhaltig beeindrucken lassen.

Die aus dem Odenwald stammende Firma Koziol setzt im Kampf gegen die Piraten auf eine „Inhouse-Strategie“. Das Unternehmen stellt Design-Produkte aus Kunststoff für den Haushalt her und hat durch Plagiate schon Verluste in Millionenhöhe hinnehmen müssen. Das Unternehmen will aber nicht nur auf findige Produktpiraten aus Fernost zeigen. Denn das illegale Geschäft mit Plagiaten werde auch von europäischen Unternehmen vorangetrieben. Zahlreiche Anbieter geben gezielt entsprechende Bestellungen in China auf. „Sie wollen auf diese Weise teure Entwicklungskosten umgehen“, sagt Geschäftsführer Thorsten Muntermann.

Durch die Konzentration von Entwicklung, Produktion und Vertrieb am Standort Erbach (Odenwaldkreis) sinke jedoch das Risiko, dass neue Produkte allzu schnell kopiert werden. „Dass Plagiate auf den Markt kommen, lässt sich nicht verhindern“, sagt Muntermann. Aber durch die Bündelung der Produktion lasse sich etwas Zeit gewinnen. Ein weiterer Vorteil der „Inhouse-Strategie“: Da die Design-Firma nur in Südhessen produziert, fallen gefälschte Produkte an den Grenzen auf – bei Importen muss es sich dann zwangsläufig um Fälschungen handeln.

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