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Ungereimheiten
Schlampige Arbeitslosen-Statistik?

Schlagzeilen: Immer wieder gerät die Bundesagentur für Arbeit (BA) in die Schlagzeilen, aktuell sollen Jobcenter Arbeitslose Hunderttausendfach nicht als solche gezählt worden sein.
Schlagzeilen: Immer wieder gerät die Bundesagentur für Arbeit (BA) in die Schlagzeilen, aktuell sollen Jobcenter Arbeitslose Hunderttausendfach nicht als solche gezählt worden sein. © Foto: dpa/Martin Gerten
Dieter Keller / 16.04.2019, 07:00 Uhr
Berlin Weil die Jobcenter Langzeitarbeitslose falsch erfassen, gibt es etwa 115 000 Arbeitslose mehr, als die Bundesagentur für Arbeit (BA) ausweist. Auf diese Kritik des Bundesrechnungshofs hat die BA jetzt reagiert: Die Jobcenter wurden verpflichtet, regelmäßig automatisierte Prüfsysteme zu nutzen, um Fehler zu korrigieren. Für den März hatte die BA 2,46 Millionen Arbeitslose ausgewiesen. Das wirft einige Fragen auf.

Was ist das Problem? Der Bundesrechnungshof hat im April 2017 bei 770 von rund drei Millionen Datensätzen der Jobcenter überprüft, ob der Status wie "arbeitslos" richtig erfasst war. Aus dieser Stichprobe hat er hochgerechnet, dass theoretisch bundesweit  290 000 Fälle fehlerhaft sein könnte. In 115 000 Fällen hätten die Kunden eigentlich als arbeitslos gezählt werden müssen, bestätigte die BA den bisher unveröffentlichten Bericht.

Wie konnte es dazu kommen? Die BA betont, auch nach Ansicht der Prüfer handle es sich nicht um bewusste Manipulation oder systematische Fehler. Vielmehr könne es sein, dass ein Betreuer nach einem Gespräch mit dem Arbeitslosen vergesse, dessen Status zu aktualisieren. Wenn ein Termin etwa aufgrund von Krankheit nicht zustande komme, dürfe der BA-Mitarbeiter den Status nicht von sich aus korrigieren.

Was macht die BA, um Fehler zu vermeiden? Sie hat die Jobcenter verpflichtet, regelmäßig ein automatisiertes Prüfsystem zu nutzen. Es soll Fälle aufspüren, in denen der Status oder die Daten von Arbeitslosen im IT-System der BA unplausibel oder unstimmig erscheinen. Zudem will sie die Mitarbeiter der Jobcenter stärker dafür sensibilisieren, dass die korrekte Erfassung des Status wichtig ist für die Datenerhebung.

Sind die Zahlen der BA öfter geschönt? Diesen Vorwurf weist die BA zurück. Sie zähle alle Personen, die zum Stichtag den Status "arbeitslos" hatten. Allerdings gibt sie zu, dass es eine "statistische Fehlertoleranz" gibt. Zudem kann die BA nur ausweisen, was ihr Regierung und Bundestag vorgegeben haben. So gelten die Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik seit 2004 nicht mehr als arbeitslos. Seit 2008 werden Hartz-IV-Bezieher ab 59 nicht mehr erfasst, wenn ihnen ein Jahr lang keine Beschäftigung angeboten wurde.

Weist die BA solche Fälle gar nicht aus? Doch. Zusammen mit der Zahl der Arbeitslosen nennt sie jeden Monat auch die Unterbeschäftigung. Dabei berücksichtigt sie weitere Gruppen: Ältere, Personen in beruflicher Eingliederung und in verschiedenen Fördermaßnahmen sowie kurzfristig Arbeitsunfähige. Im März betrug die Unterbeschäftigung insgesamt 3,25 Millionen.

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