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Wesendorfer plädiert für Erdgassuche

Befürworter der Erdgasförderung: Hans Peter Wolf hält die Argumente der Bürgerinitiative für falsch.
Befürworter der Erdgasförderung: Hans Peter Wolf hält die Argumente der Bürgerinitiative für falsch. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 23.05.2019, 16:16 Uhr
Wesendorf Als einer von sehr wenigen spricht sich Hans Peter Wolf aus Wesendorf für die Erdgasförderung in Zehdenick und Umgebung aus. "Die Stadt Zehdenick kann für ihre laufenden Ausgaben und geplanten Investitionen jeden Euro gebrauchen; deshalb benötigt die Stadt die Ansiedlung von Industrie, die auch Arbeitsplätze und Gewerbesteuer mit sich bringen."

Hans Peter Wolf wohnt seit 2006 in Wesendorf, seit zwei Wahlperioden arbeitet er im Ortsbeirat mit. Zur Kommunalwahl in diesem Jahr kandidiert er für die SPD Zehdenick. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass es beim Thema "Erdgas" um seine ganz persönliche Meinung handele und nicht die der SPD. "Wesendorf ist mir ans Herz gewachsen, ich kann mir nicht vorstellen, von hier wegzuziehen." Doch in den vergangen zehn Jahren habe sich hier viel verändert, hat Wolf beobachtet, traditionsreiche Geschäfte und Gaststätten in Zehdenick hätten schließen müssen, den Menschen fehle es an Geld, der Stadt an Einnahmen, um die für sie so wichtigen Investitionen vorzunehmen.

Ein Blick in Wolfs Leben erklärt viele seiner Beweggründe, warum er sich für das "Gasbohren" ausspricht. "Ich bin ein gesamtdeutsches Kind, 1951 mitten im Ruhrgebiet, in Herten/Kreis Rechlinghausen geboren." Seine Mutter stammt aus Zwickau, sein Vater aus Thüringen. Die Ferien verbrachte er oft bei den Omas und Opas, Cousins und Cousinen in der DDR. Vor den Festtagen wanderten Pakete von West nach Ost, und an Heiligabend wurde eine Kerze ins Fenster gestellt "zur Erinnerung an die Brüder und Schwestern in der Sowjetzone", wie es in den Zeiten des Kalten Krieges im Westen hieß.

Dass er beim Thema Erdgasförderung anders als andere im Ort denkt, weiß er, er möchte trotzdem nicht mit seiner Meinung hinterm Berg halten. Als langjähriger Bergmann habe er schon manch offene Diskussion ausfechten müssen.

Untertage-Lehre als Elektriker

Wie die meisten Jugendlichen im Ruhrgebiet ging auch Hans Peter Wolf "auffn Pütt", absolvierte eine Untertage-Lehre als Elektriker, dann als Bergmann. Er studierte Bergtechnik und arbeitete sich zum Reviersteiger hoch, malochte – noch ein Wort aus der Bergmannssprache – zunächst im Bergwerk "Schlägel & Eisen", wechselte später zur Zeche "Ewald". Als Reviersteiger war er für den kompletten Arbeitsablauf untertage verantwortlich. "In 1 300 Meter unter der Erde habe ich alles gemacht; die Kumpel eingeteilt, die Kohleförderung organisiert, den Vortrieb geplant und die Reparaturen überwacht. Da gab es keine geregelte Arbeitszeit, Samstag und Sonntag gehörten dazu", blickt er zurück.

Die harte Schule des Steinkohlenbergbaus, das Verhältnis der Kumpel untereinander und die Erfahrungen "vor Ort" – wie der Bergmann die Stelle nennt, an der er die Kohle abbaut – all dies hat sein Leben geprägt.

Wolf möchte es genau wissen: "Aufgrund meiner Lebenserfahrung lasse ich mich nicht von Halbwahrheiten und provozierten Ängsten beeinflussen, Einseitige Argumente so mancher Bohrgegner überzeugen mich nicht!" Dass Menschen vor unbekannten Dingen Angst haben, könne er absolut verstehen, doch diese zu schüren, hält Wolf für unverantwortlich.

Giftige Gase? Quecksilber? Radioaktivität? Krebs? Wolf vertraut dem Bergrecht, und er weiß, dass die chemische Industrie sehr scharf überwacht werde. Erdbeben? Wenn überhaupt, dann nur im Millimeterbereich. Außerdem sehe das Bergrecht die sogenannte Ewigkeitslösung vor, das heißt, der Bergbau verpflichte sich "auf Ewigkeit", für von ihm verursachte Schäden aufzukommen. "Der Bergbau", so Wolf, "ist in der Beweispflicht und nicht der Hausbesitzer".

Hans Peter Wolf sieht sich als Kämpfer für einen offenen und transparenten Dialog, allerdings scheint er mit seinen Argumenten bei seinen Mitbürgern noch so richtig durchzudringen. So wurde vor einigen Wochen eine Farbattacke auf sein Haus verübt. Doch er schweigt nicht, denn er weiß, dass es in Zehdenick und Umgebung noch mehr Menschen gibt, die sich für das Gasbohren aussprechen würden, auch wenn sie es im Augenblick nur nicht zugeben möchten.

Für Hans Peter Wolf ist es wichtig, Industrievorhaben zu prüfen und zu diskutieren: "Denn schließlich geht es hier um die Menschen vor Ort und die Stadt Zehdenick", sagt der Wesendorfer.

Doppelmandatangestrebt

Hans Peter Wolf ist Jahrgang 1951 und Bergmann im Ruhestand. Er gehört seit zwei Wahlperioden dem Ortsbeirat Wesendorf an und ist stellvertretender Ortsvorsteher.

Zuletzt kandidierte Hans Peter Wolf für die Wählergruppe Schorfheide. Nach unterschiedlichen Auffassungen über das Thema Erdgasförderung kam es zum Bruch mit der WG, die sich explizit gegen die Förderung ausspricht. Nun bewirbt sich Hans-Peter Wolf auf der Liste der SPD um ein Mandat im neuen Zehdenicker Stadtparlament und erneut für den Ortsbeirat Wesendorf.⇥red

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