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Nach Auswertung der vorliegenden Erntemeldungen zeichnet sich laut dem KBV ein eher durchwachsener Ertrag ab.

Landwirtschaft
Schlechte Ernte wegen Dürre

Endspurt: Bei Alt Golm ernten Mitarbeiter der Firma Fürstenwalder Agrarprodukte Beerfelde die letzten Hektar Lupinen ab. Die Körner werden als Futter verwendet. Wie bei den anderen Fruchtarten, ist der Hektarertrag der Lupinen unter dem mehrjährigen Mittelwert.
Endspurt: Bei Alt Golm ernten Mitarbeiter der Firma Fürstenwalder Agrarprodukte Beerfelde die letzten Hektar Lupinen ab. Die Körner werden als Futter verwendet. Wie bei den anderen Fruchtarten, ist der Hektarertrag der Lupinen unter dem mehrjährigen Mittelwert. © Foto: Jörn Tornow
Jörg Kühl / 07.08.2019, 06:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Seit gut einem Monat läuft die Druschkampagne im Landkreis Oder-Spree. Von den etwa 34 000 Hektar Getreide, meist Weizen und Roggen, stehen noch etwa 2000 Hektar auf dem Halm und werden in den nächsten Tagen abgeerntet, teilt Karsten Lorenz vom Kreisbauernverband (KBV) Oder-Spree mit.

Nach Auswertung der vorliegenden Erntemeldungen zeichnet sich laut dem KBV ein eher durchwachsener Ertrag ab. So liegt der Durchschnitt bei Wintergerste im Kreis mit 5 Tonnen pro Hektar zwar über dem (sehr schlechten) Vorjahr, bleibt aber deutlich unter dem mehrjährigen Mittel von 5,74 Tonnen pro Hektar. Der Anteil an Schmachtkörnern, das sind kleine Körner, ist laut KBV auch in diesem Jahr überdurchschnittlich hoch. Als Ursache für diesen Befund nennt der Bauernverband, dass in der Kornfüllungsphase, vor allem im Juni, zu wenig Regen gefallen sei.

Bei Winterroggen und Winterweizen, die im Landkreis die größte Anbaufläche bei Getreide einnehmen, sieht die Situation demnach ähnlich dramatisch aus. Die Durchschnitts-Erträge liegen beim Weizen mit 5,2 Tonnen pro Hektar sogar unter dem Vorjahreswert und 1,2 Tonnen unter dem mehrjährigen Mittel. Etwas besser sieht es beim Roggen aus. Aber auch hier bleiben die Erträge hinter dem mehrjährigen Mittel zurück.

Noch extremer sei die Situation bei Raps, deren Anbaufläche um mehr als die Hälfte im Landkreis zurück ging. "Die Rapserträge sinken im fünften Jahr in Folge und haben sich nahezu halbiert", berichtet Lorenz. Nur zwei Tonnen ernten die Landwirte im Durchschnitt vom Hektar im Landkreis, manche nicht mal das. Da die Ölgehalte ebenfalls gering ausfallen und die Erzeugerpreise nicht anziehen, werde der Anbau im nächsten Jahr wohl noch weiter eingeschränkt werden. "Es lohnt sich ökonomisch gesehen momentan nicht." Dazu trage auch bei, dass die Vorbehandlung des Saatguts gegen Schädlinge, die sogenannte Beize, seit einigen Jahren nicht mehr gestattet ist.

Das bestehende Wasserdefizit aus dem Vorjahr konnte laut Lorenz über Winter/Frühjahr nicht ausgeglichen werden. Hinzu komme, dass Niederschläge oft lokal sehr unterschiedlich ausfielen, was die regionalen Schwankungen erklärt. Aber vor allem der fehlende Regen im Mai und die Hitze im Juni habe den Beständen stark zugesetzt und die Kornfüllungsphase gerade bei Gerste stark verkürzt. Das Ergebnis seien kleine Körner.

Schmächtige Körner

Wie jedermann in Feld und Flur sehen kann, ist der Mais auf den meisten Anbauflächen  viel zu kleinwüchsig geraten. Zwar wurden Kolbenansätze ausgebildet. Darin enthalten seien aber viel zu kleine Körner. Bei Lupinen, einer eiweißhaltigen Futterpflanze, zeichnet sich ein Ertrag von nur neun Tonnen je Hektar (normal ist ein Durchschnitt von 12  bis 15 Tonnen) ab.

Sorgen macht den Bauern auch der Futteranbau für Milch- und Mutterkühe. Die ersten Wiesenschnitte seien "mager" ausgefallen. "Viel hängt jetzt vom weiteren Witterungsverlauf ab", so der Bauernvertreter. Generell sei Futter auch in diesem Jahr knapp, Vorräte aufge-braucht und die Lage wieder angespannt. Das wirkt sich schon auf die Bezugspreise für Stroh und Heu aus. Für Stroh ist mittlerweile rund 100 Euro pro Tonne zu bezahlen, normal sei ein Tarif zwischen 60 und 65 Euro. Bei Heu ist die Situation noch krasser. Hier werden rund 200 Euro pro Tonne aufgerufen. Zu "normalen Zeiten" bekomme man die selbe Menge für 80 bis 100 Euro.

Die schlechte Heuernte hat auch die Landesregierung erkannt und Ökologische Vorrangflächen zur Futternutzung freigegeben. "Mehr als eine symbolische Geste ist dies aber nicht, was wir jetzt wirklich brauchen ist Regen, Regen, Regen", meint Lorenz.

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