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Landwirtschaft
Erfrorene Ernte

Rot und saftig: Bei BB Obst in Wesendahl  ernten die Polin Bogoslawa und weitere Helfer Äpfel der Sorte Gala. In dem Anbaugebiet halten sich die Verluste durch den Frost im Mai in Grenzen.
Rot und saftig: Bei BB Obst in Wesendahl  ernten die Polin Bogoslawa und weitere Helfer Äpfel der Sorte Gala. In dem Anbaugebiet halten sich die Verluste durch den Frost im Mai in Grenzen. © Foto: Gerd Markert
Ina Matthes / 10.10.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) In Brandenburg gibt es in diesem Jahr wenig Äpfel. Manche Obstbauern holen fast nichts von den Bäumen – wegen einer Nacht im Mai.

Das ist doch geschenkt, oder?  Ein Frankfurter Supermarkt bietet eine Stiege mit fünf Kilo Äpfeln für vier Euro an. Die Äpfel der Sorte Jonagold, groß und saftig, kommen aus Brandenburg und der Kunde fragt sich – wie kann das sein? Schließlich hört man überall, dass es weniger Äpfel gibt in diesem Jahr. Kleineres Angebot, höhere Preise?

Brandenburgs Obstbauern erwarten die zweitschlechteste Apfelernte seit 2011. So  teilt es das Landesamt für Statistik mit. Von einer "dramatischen Situation" spricht Dr. Andreas Jende, der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. Viele Obstbauern müssten mit 60, einige sogar mit 100 Prozent Ausfall rechnen in diesem Jahr. Schuld sind vor allem die Spätfröste Anfang Mai.

Eine einzige kalte Nacht mit minus sieben Grad hat Claudia Schernus fast um die komplette Apfelernte gebracht. Mit 92 Prozent Verlust rechnet die Obstbäuerin aus dem Frankfurter Ortsteil Markendorf in diesem Jahr. "Die alten Sorten sind ausgefallen", meint die Landwirtin. Bei Pinova, Braeburn und Champion kann der Betrieb noch eine Ernte einfahren. Die sei historisch schlecht, so Claudia Schernus.

Die Plantagen rund um Markendorf sind besonders betroffen. Mit rund 75 Prozent Ertragsverlust rechnet Steffen Aurich, Vorsitzender der Erzeugergenossenschaft Markendorf Obst e.G, zu der zwölf Markendorfer Obstbauern gehören. Der Nachtfrost im Mai hat die Apfelplantagen rund um die Oderstadt sehr unterschiedlich getroffen. Wenige Meter Höhenunterschied in der Lage konnten darüber entscheiden, ob die Blüten fast sämtlich erfroren oder überlebten.

Von 30 Prozent weniger Ertrag als in einem normalen Jahr geht Patrick Ruffert, Geschäftsführer der Märkischen Erzeuger- und Vermarktungsorganisation GmbH (MEV) in Wesendahl (Barnim) aus. Rund um Wesendahl bauen zwei Obstbetriebe auf rund 300 Hektar Äpfel an. Evelina, Pinova, Idared und Braeburn werden jetzt geerntet. Dreiviertel der Äpfel sind schon gepflückt. In zwei Wochen etwa werden auch die letzten von den Bäumen geholt sein. Ruffert rechnet mit 10 000 Tonnen in diesem Jahr. Nachdem die Preise im letzten Jahr mit einer sehr großen Ernte europaweit "grottenschlecht" gewesen seien, wie ein Vermarkter sagt, hoffen die Obstbauern jetzt auf anziehende Preise. Die seien auch bereits etwas gestiegen, meint Patrick Ruffert, würden aber den Ertragsausfall nicht kompensieren. Bis vor kurzem war auch noch viel Ware aus 2018 auf dem Markt, sagen Branchenkenner. Für die diesjährigen Tafeläpfel erzielen die Bauern 30 bis 50 Cent pro Kilo, im günstigsten Fall 60 Cent, sagt Andreas Jende.

"Ein Produzent braucht aber mindestens 42 Cent, um rentabel produzieren zu können." Die Großhandelspreise liegen derzeit laut Marktbericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bei knapp einem Euro bis 1,40 Euro (Stand 20.9.). Jonagold wurde auf den Großmärkten beispielsweise für 1,06 Euro gehandelt (2017: 1,25 Euro; 2018: 0,98 Euro). Im Supermarkt kostet  das Kilo Brandenburger Äpfel aus der neuen Ernte in Frankfurt (Oder) um 2,50 Euro.

Aber fünf Kilo für vier Euro? Das sind Sonderaktionen, heißt es in der Branche. Sie würden beispielsweise auch genutzt, um Bestände aus der Ernte des Vorjahres zu verkaufen oder manchmal auch Äpfel, die nicht in das Normenraster des Handels passen. Weil sie etwa zu groß sind.

Mit prognostizierten 15 000 Tonnen Äpfeln steuert Brandenburg laut Statistischem Landesamt auf eine eher geringe Ernte zu. Sie liegt um 42 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre. Allerdings ist Brandenburg im bundesweiten Vergleich ein kleiner Apfelproduzent. Spitzenreiter ist Niedersachsen. Große Obstbau-Regionen wie das Alte Land oder die Bodenseegegend erwarten  gute Ergebnisse. Hinzu kommen Importe aus dem Ausland.

In der Grenzregion gilt das Augenmerk besonders Polen, das die Mengen gesteigert hat und unter anderem zu billigeren Arbeitskosten produzieren kann. Deutschlandweit hat Polen laut BLE einen Marktanteil von 0,5 Prozent. Das Gros der Importe kommt aus Italien, Neuseeland und Frankreich. Aber fast 70 Prozent der Äpfel auf dem deutschen Markt stammen aus heimischem Anbau.

Hilfe vom Land angemahnt

Ertragsausfälle und geschmälerte Erlöse erschweren es den Betrieben zu investieren. "Was wir dringend brauchen sind Wasserspeicher", sagt Jende, der aber die Zukunft nicht schwarz malen will. Man könne damit auch in Brandenburg gutes Geld verdienen. Steffen Aurich von der Markendorfer Genossenschaft hofft auf Unterstützung der neuen Landesregierung. Märkische Obstbauern müssten zu gleichen Rahmenbedingungen produzieren können wie die Konkurrenz im In- und Ausland. So gebe es anderswo Zuschüsse für Versicherungen.

"Wir brauchen Wasser zu vertretbaren Preisen", sagt Aurich. Beregnung ist nicht nur bei Dürre hilfreich, sie kann gegen Frostschäden schützen. Bei der Frostschutzberegnung wird feiner Nebel gesprüht. Gefriert das Wasser, wird Erstarrungswärme frei. Blüten werden so in eine Eishülle gepackt, in der die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt sinkt.

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