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Biologische Kartoffeln
Geschälte Bio-Knollen für Berlin

Was der Berliner Markt will: Biokartoffeln werden in einer Anlage in Klosterwalde geschält. Ein EU-Projekt will die Erzeugung in Brandenburg ankurbeln und stabile Absatzbeziehungen aufbauen.
Was der Berliner Markt will: Biokartoffeln werden in einer Anlage in Klosterwalde geschält. Ein EU-Projekt will die Erzeugung in Brandenburg ankurbeln und stabile Absatzbeziehungen aufbauen. © Foto: Foel
Ina Matthes / 12.11.2019, 19:07 Uhr
Berlin (MOZ) Bio, aus Brandenburg und auch noch geschält: So bekommen Berliner Schulküchen jetzt Kartoffeln aus der Uckermark geliefert. Seit kurzem gibt es in Klosterwalde bei Templin eine bio-zertifizierte Schälanlage.

Rund 1,5 Tonnen küchenfertige Knollen hat der Verarbeitungsbetrieb der  GEKO Uckermärkische Fruchthandels GmbH im Oktober schon an Schulcaterer in der Hauptstadt geliefert und noch einmal zehn Tonnen sollen jetzt im November folgen.

Der Betrieb betreibt eine Schälanlage, die täglich zwölf Tonnen Kartoffeln verarbeiten kann.  Seit September besitzt das uckermärkische Unternehmen das  Bio-Zertifikat und kann neben konventionellem Gemüse auch ökologisch erzeugtes schälen beziehungsweise schneiden. Neben Kartoffeln zählt dazu unter anderem auch Kürbis. "Wir haben das als zusätzlichen Markt für uns entdeckt", sagt Betriebsleiter Robert Franke zum Thema Biogemüse.

Die Uckermärker GEKO ist Teil des Projektes "Regionales Biogemüse aus Brandenburg", das Bio-Landwirte und Verarbeiter enger mit großen Abnehmern in Berlin zusammenbringen will, insbesondere den Schulcaterern. Dabei geht es darum, zunächst eine ausreichend große Erzeugung in Brandenburg aufzubauen und die Landwirte dafür zu motivieren und zu schulen. In Berlin wird schon seit langem beklagt, dass aus Brandenburg nicht genug ökologisch erzeugte Ware komme. Die Bauern und Verarbeiter sollen ihre Produkte dann in der Hauptstadt stabil und für einen angemessenen Preis absetzen können, das ist die Idee.

So wachsen die Kartoffeln, die  derzeit in Klosterwalde geschält werden, auf Äckern des Biohofes Schöneiche im Spreewald. Insgesamt 18 Biobetriebe sind an dem Netzwerk beteiligt. Dazu gehören beispielsweise das Ökodorf Brodowin oder der Bauernhof Erz aus Alt Tucheband (Märkisch Oderland), der Biokürbisse fürs Schulessen in Berlin geliefert hat.

Abnehmer für Kürbis und Kartoffeln ist ein Verbund der drei Schulcaterer Schildkröte, Handfest und Greens Unlimited Berlin. Koordiniert wird dieses Netz aus Erzeugern und Kunden, das es seit 2018 gibt, von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg FÖL. Die Lieferung von verarbeiteten Kartoffeln und Kürbissen ist laut FÖL erst einmal ein Testlauf nach einem Jahr Aufbauarbeit. "Es wurden noch keine riesigen Mengen Gemüse geliefert", sagt Gerald Köhler, Projektleiter bei FÖL. "Wichtig ist uns zu zeigen: Es geht und es geht auch in Größenordnungen." Berliner Großabnehmer  hatten geklagt, dass sie gerne regionale Bio-Ware kaufen würden, diese aber nicht im benötigten vorverarbeiteten Zustand bekämen. Das Angebot ist laut FÖL nun vorhanden.

Mehr Nachfrage gewünscht

Allerdings kommt nun die Nachfrage nicht in dem Maße, wie von den Landwirten erwartet. "Wir würden uns wünschen, dass die Nachfrage größer wäre", sagt Köhler. Kürbis könnte derzeit mehr geliefert werden, als aktuell angefragt wird. Er sieht die Ursachen für die gegenwärtige Schere zwischen Angebot und Nachfrage darin, dass es noch Informationsdefizite gibt und große Caterer auch längere Zeit brauchen, um ihre Lieferketten anzupassen.

Das Projekt soll jedenfalls fortgesetzt und das Angebot an Gemüse ausgeweitet werden. Kartoffeln könnten deutlich mehr zur Verfügung gestellt werden, auch Kürbis, sagt Köhler. Auch Rote Bete könnten die Brandenburger gut liefern - allerdings ist da die Nachfrage von Schulküchen nicht so groß. Wo die  Mark noch zulegen kann, das sind  hingegen Möhren. Der Bedarf an dem Wurzelgemüse ist groß in der Hauptstadt, heißt es. Allerdings sind Möhren nicht einfach im Anbau und erfordern viel Handarbeit beim Jäten.

Die Ausweitung des Bio-Anbaus und den Aufbau stabiler Lieferbeziehungen fördert die EU in dem Projekt bis 2022. Es wird von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde wissenschaftlich begleitet.

Bio-Anteil im Schulessen ist Pflicht

Beim Schulessen in Berlin ist derzeit ein Mindesteinsatz von Bio-Zutaten von 15 Prozent (gemessen am Wert der Lebensmittel) vorgeschrieben. Das hat der Senat so vorgegeben.  In der Praxis soll er nach Angaben von Bioverbänden aber bereits höher liegen. Wie rbb 24 jetzt berichtete, soll der verlangte Bioanteil im kommenden Jahr in Berliner Schulküchen demnach auf 30 Prozent steigen, im Jahr darauf auf 40 Prozent. Wieder ein Jahr später soll dann die Hälfte der Mahlzeiten aus Bio-Lebensmitteln bestehen. Seit August werden Berlins Schüler bis zur sechsten Klasse überdies auf Landeskosten verpflegt.⇥red

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