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Fehlende Turnhalle
Schulsport muss wahrscheinlich reduziert werden

Gesperrt: Aufgrund eines Gefahrengutachtens wurde der Betrieb für Schul- und Vereinssport eingestellt.
Gesperrt: Aufgrund eines Gefahrengutachtens wurde der Betrieb für Schul- und Vereinssport eingestellt. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 09.01.2020, 20:56 Uhr - Aktualisiert 09.01.2020, 21:49
Kremmen (MOZ) Rund 250 Schüler gehen auf die Goethe-Grundschule Kremmen. In Kürze kommt eine weitere Klasse hinzu. Container sollen als Übergangslösung herhalten. Direktorin Annette Borchert machte im Bauausschuss am Donnerstagabend deutlich: Sollte im September die kleine Turnhalle für den Schulsport weiter fehlen (was unausweichlich scheint), müsse sie die Stundenanzahl des Sportunterrichts reduzieren und Ganztagsangebote kürzen. "Das ist ein pädagogischer Einschnitt für uns", sagte sie.

Die Mitglieder des Bauausschusses mussten sich erneut der Frage stellen, ob die für Schul- und Vereinssport gesperrte Turnhalle nach einer angekündigten Kostenexplosion überhaupt noch saniert werden soll. Heidi Sommer vom Kremmener Sportverein sei "leicht angesäuert". Sportgruppen müssten mittlerweile nach Hennigsdorf ausweichen. "Ich habe Mitgliederabwanderungen", sagte sie. Der Verein könne sich unter den Umständen nicht weiterentwickeln.

Die Kosten – 2,6 Millionen Euro – seien für alle erschreckend gewesen, so der Ausschussvorsitzende Ricky Schlichting (SPD). Die Grenzen der Betonkonstruktion seien erreicht, informierte Harald Just von der beauftragten Just-Projekt GmbH aus Berlin. Eine Sanierung würde die kleine Halle für 30 bis 35 Jahre erhalten. Sie sei dann zukunftsfähig. Ein Neubau müsste nach heutigen Standards wesentlich größer ausfallen. "Wir haben eine komplexe Untersuchung vorgenommen und keine Reparaturplanung, an der wir früher oder später gescheitert wären", sagte Just. Klar sei: Eine reine Reparatur würde schnell scheitern.

Laut Stefanie Gebauer (UWG/LGU) müsse das Thema als Gesamtkomplex betrachtet werden. Eckhard Koop (DUB), der vergleichbare Projekte herangezogen hat, habe "erhebliche Differenzen" bei den von Just errechneten Angeboten gefunden. Beispiel Gerüstbau: "Sie sind 277 Prozent teurer als andere", rechnete Koop vor. Beim Abbruch seien es 301 Prozent mehr. "Wenn ich das alles runterrechne, bin ich eine Million Euro preiswerter", hinterfragte Koop die unterschiedlichen Kalkulationen.

Gebauer schloss sich der Kritik an den Kostenberechnungen an. "Wir brauchen kein Gründach, keine hinterlüftete Fassade, eventuell keine Fußbodenheizung." Just sagte, es gehe darum, Vorschriften einzuhalten. Er führe das Büro seit 30 Jahren, rechtfertigte er sich angesichts der massiven Kritik, er hätte für viele handwerkliche Gewerke zu hohe Preise angesetzt. Er könne diese Positionen überprüfen und klären, sagte er. Bis Ende des Monats könnte eine neue Kostenschätzung vorliegen.

Am Ende verständigten sich die Abgeordneten auf die Sanierung. Ein Neubau steht offenbar nicht mehr im Raum. Die Verwaltung solle zwei Varianten prüfen – mit und ohne laut Annette Borchert "ausbremsende" Fördermittel. Die Entscheidung fallen die Stadtverordneten am 31. Januar.

Von 870 000 auf2,6 Millionen Euro

Anfangs gingen die Abgeordneten laut einer ersten Kostenschätzung von Sanierungskosten in Höhe von 870 000 Euro aus. Mitte Dezember bezifferte das Gesamtgutachten die Kosten mit 2,6 Millionen Euro.

Grundlage für die Sperrung der kleinen Turnhalle war ein erstes Gutachten vom 22. Dezember 2017. In diesem wurde auf "Gefahr für Leib und Leben" hingewiesen. Laut Bürgermeister Busse seien die vom Landkreis beanstandeten Mängel behoben. Die Frage, warum die Halle dann nicht wieder nicht geöffnet wurde, wurde Donnerstagabend umschifft.⇥win

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