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Landwirtschaft
Forschung gegen zu viel Chemie auf dem Acker

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD – Bildmitte) eröffnet den vier Millionen Euro teuren Neubau.
Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD – Bildmitte) eröffnet den vier Millionen Euro teuren Neubau. © Foto: Ina Matthes/MOZ
Ina Matthes / 05.03.2020, 03:30 Uhr
Müncheberg (MOZ) Eine Halm Weizen ist mehr, als er auf den ersten Blick scheint: Rund 8.000 verschiedene Arten von Mikroorganismen wimmeln auf einer einzigen Pflanze. Um sie vor allem geht es in einem vier Millionen Euro teuren Neubau am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung ZALF in Müncheberg.

Am Mittwoch wurde das Haus nach knapp zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Bis zu 40 Wissenschaftler sollen sich hier mit dem Getreide und seinem sogenannten Mikrobiom beschäftigen. Das bedeutet für den Weizen etwa das, was  die Mikrobengesellschaft im Darm für den Menschen ist: Sie beeinflusst das Wohlergehen ihres Wirtes. Und beim Weizen heißt das: Sie hat auch Einfluss auf die Ernte des Landwirtes.

Doch von den 8.000 OrganismenArten am Getreide sind längst nicht alle bekannt, wie Professor Steffen Kolb erklärt. "Wer ist das? Unter welchen Bedingungen sind diese Arten aktiv?", das will der Leiter der Arbeitsgruppe Mikrobielle Biogeochemie mit seinen Kollegen im neuen Haus erforschen. Ihr Thema ist das Zusammenspiel zwischen Mikroorganismen und Pflanzen, das sich mit wechselnden Umweltbedingungen verändert. Ihr Ziel: Landwirtschaft nachhaltiger machen. Durch ein geschicktes Nutzen der Natur sollen chemische Pflanzenschutzmittel reduziert oder  sogar überflüssig gemacht und Dünger gespart werden.

Es gibt erste Beispiele, die zeigen, wie das im Prinzip funktionieren kann: Pilz-Zusätze in Erden, wie es sie im Gartenmarkt zu kaufen gibt.  Die Pilze gehen Lebensgemeinschaften mit Nutzpflanzen ein. Sie erleichtern es den Pflanzen, Nährstoffe zu erschließen, sich mit Wasser zu versorgen. Auch bei Trockenheit ist das Grün dann weniger gestresst und damit auch weniger anfällig für Krankheiten.

Die Müncheberger Forscher wollen Ähnliches für den Getreidenabau liefern. Nur erforschen sie eine Vielzahl von Organismenarten und ihr Zusammenspiel. Am Ende dieser Forschung könnte ein Produkt stehen, mit dem Landwirte das Mikrobiom ihrer Kulturen verbessern. Möglich ist aber auch eine andere Anwendung: Eine Beratung, die Empfehlungen gibt, welche Sorten wo gut gedeihen. Weizen ist dafür besonders interessant. Er ist nach Reis und Mais die drittwichtigste Nutzpflanze weltweit.

Stabile Erträge sind ein wichtiger Aspekt der Forschung, wie der wissenschaftliche Direktor des ZALF, Prof. Frank Ewert, deutlich machte. "Wir erleben gerade auf fast groteske Art, wie schnell es zu Engpässen bei der Nahrungsmittelbereitstellung kommen kann," sagte Ewert in Anspielung auf derzeit leere Supermarktregale. Es würde uns oft nicht bewusst, was die Landwirtschaft für die Versorgung leistet. Die Bedingungen dafür werden mit dem Klimawandel und der Forderung der Gesellschaft nach einer nachhaltigen Produktion nicht einfacher.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) würdigte die Arbeit, die das ZALF dafür erbringt. "Ich bin von Ihrer exzellenten Forschung beeindruckt." Das Institut ist eines von drei außeruniversitären Einrichtungen in Brandenburg, die sich mit nachhaltiger Agrarwirtschaft beschäftigen. In dem Neubau finden die Wissenschaftler dafür moderne Labore mit High-Tech-Geräten vor. Finanziert wurde die Erweiterung zu 80 Prozent aus Geldern der EU und Mitteln von Land und Bund. Davon hat nicht nur das ZALF etwas, das mit 375 Beschäftigten ein großer Arbeitgeber in Müncheberg ist.  Es profitiert auch die Region: Gut zwei Dutzend heimische Firmen waren an dem Bau beteiligt.

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